Strahlentherapie bei Brustkrebs: Was bedeutet Fraktionierung?

Bei der Bestrahlung von Brustkrebs wird die gesamte Strahlendosis nicht mit einem Mal auf den Tumor gefeuert, sondern auf mehrere Einzeldosen verteilt. Dieses Prinzip nennt man Fraktionierung. Es ist effektiver und zugleich schonender.

Wenn Brustkrebs erfolgreich operiert wurde, heißt das leider noch nicht, dass er ein für alle Mal ausgemerzt ist. Tumorzellen sind findig, können sich eine Zeit lang im Körper verstecken und irgendwann erneut ihr Unwesen treiben. Um das möglichst zu verhindern, greifen Mediziner nach der Operation zur Sicherheit meist gleich zur nächsten Waffe: der Bestrahlung.

Steter Tropfen höhlt den Stein

Dabei hat man herausgefunden, dass es die Krebszellen am meisten trifft, wenn sie immer wieder mit kleinen Mengen angegriffen werden. Da sie sich weniger gut erholen als normale Körperzellen, macht ihnen der Dauerbeschuss zu schaffen. Andere Gewebe wie die Haut und umliegende Organe (z.B. die Lunge) werden durch die jeweils recht geringen Einzeldosen weniger in Mitleidenschaft gezogen.

Wie die Behandlung bei Brustkrebs insgesamt wird auch eine Strahlentherapie für jede einzelne Frau individuell geplant und festgelegt. Es gibt aber gewisse Regime, nach denen sich die Behandlung richtet.

Bei der Strahlentherapie unterscheidet man zwischen:

  • konventioneller Fraktionierung

und

  • Hypofraktionierung

15 bis 25 einzelne Dosen

Fraktionierung bedeutet einfach, dass die Bestrahlung auf mehrere Sitzungen verteilt wird, in denen jeweils ein kleine Menge der Gesamtdosis auf die Brust gerichtet wird.

Bei der konventionellen Fraktionierung werden sehr viele kleine Einzeldosen (25 bis 28) auf einen Zeitraum von 5 bis 6 Wochen verteilt. Man kann sich also ausrechnen, wie oft man dabei in der Klinik oder Praxis antreten muss. Angenehmer für Betroffene ist dagegen die Hypofraktionierung, bei der nur 15 bis 16 Fraktionen innerhalb von 3 bis 5 Wochen erfolgen. Die einzelnen Dosen sind dabei etwas höher, die Gesamtdosis ist aber leicht reduziert.

Um es noch ein bisschen komplizierter zu machen, gibt es die Hypofraktionierung wiederum in zwei Varianten: als reine oder akzelerierte Hypofraktionierung. Bei der reinen Hypofraktionierung wird jeden zweiten Tag bestrahlt, bei der akzelerierten täglich, wodurch sich die Behandlungszeit insgesamt verkürzt. Dann könnten Sie das Ganze vielleicht schon nach 3 Wochen hinter sich haben.

Tendenz zur Hypofraktionierung

Vielleicht fragen Sie sich, wie es zu diesen komplizierten Varianten kommt und wer sich so etwas ausdenkt. Zum einen sammeln Mediziner und Wissenschaftler ihre Erkenntnisse schlicht aus den Erfahrungen, die sie machen. In Studien werden verschiedene Verfahren miteinander verglichen und genau untersucht, wer von welcher Behandlung und Strategie wie gut profitiert. Außerdem gibt es für die Theoretiker unter den Forschern bestimmte strahlenbiologische Modellrechnungen, mit denen sie die Effekte ziemlich genau vorhersagen können.

Während man lange davon ausgegangen ist, dass die reine Fraktionierung den Königsweg darstellt, geht man inzwischen immer mehr zur Hypofraktionierung über. In großen Studien mit insgesamt über 7000 Teilnehmerinnen hat sich gezeigt, dass damit gleich gute Ergebnisse erzielt werden, und das bei gleichzeitig besserer Hautverträglichkeit. Und für die Betroffenen ist es ohnehin die komfortablere Variante.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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