Brustkrebs: Wie viele Bestrahlungen bekomme ich?

Die Bestrahlung ist neben der Operation und diversen medikamentösen Therapieverfahren eine der großen Säulen in der Behandlung von Brustkrebs. Wer wie viele davon bekommt, ist immer eine individuelle Entscheidung.

Damit der Tumor nie wieder kommt

Bei Tumoren, die lokal begrenzt sind, sich also noch auf die Brust beschränken und keine Absiedelungen in anderen Bereichen des Körpers gebildet haben, ist die Operation mit nachfolgender Bestrahlung grundsätzlich die Standardbehandlung. Ziel ist es vor allem zu verhindern, dass der Tumor nach der Operation noch einmal ausbricht (sogenanntes Rezidiv). Bei Brustkrebs im Frühstadium kann dieses Risiko um bis zu 50% minimiert werden.

Außerdem verringert sich dadurch längerfristig auch die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu sterben. Vor allem jüngere Frauen profitieren von der besseren Lebenserwartung. Es lohnt sich also, die zusätzlichen Strapazen und Unannehmlichkeiten einer Strahlentherapie in Kauf zu nehmen.

Viele kleine Einzeldosen

Lästig ist die Behandlung vor allem deshalb für viele Frauen, weil sie mit einem recht großen logistischen Aufwand verbunden ist. Im Gegensatz zur Operation ist es nämlich nicht mit einem Mal getan, sondern Sie müssen mehrere Sitzungen einplanen. Das liegt ganz einfach daran, dass man nicht auf einmal die gesamte Strahlendosis auf Sie richten kann und das auch nicht so viel bringen würde. Mehrere kleine Dosen wirken effektiv gegen die Krebszellen und schonen dabei Haut und andere Organe.

Mit den Bestrahlungen sollte innerhalb von acht Wochen nach der Operation begonnen werden, wenn keine weitere Behandlung mit Medikamenten vorgesehen ist. Bekommen Sie zusätzlich eine Chemotherapie, wird die Bestrahlung erst danach bzw. zwischen den einzelnen Zyklen der Infusionen begonnen. Antikörper oder eine Hormontherapie können dagegen parallel zur Strahlentherapie verabreicht werden. Dann muss man lediglich so lange warten, bis die Operationswunde ausreichend verheilt ist, damit die Haut die Bestrahlung gut verkraftet (in der Regel ab drei Wochen nach dem Eingriff).

15 bis 25 Termine über 3 bis 6 Wochen

Ebenso wie die grundsätzliche Entscheidung für eine Bestrahlung werden auch Dauer und Dosis bei jeder Frau individuell festgelegt. Insgesamt können Sie mit einem Zeitraum von 3 bis 6 Wochen rechnen, in denen Sie mehrmals in der Woche (z.B. alle zwei Tage, vielleicht aber auch täglich) in die Klinik oder zu einem niedergelassenen Strahlentherapeuten gehen müssen.

Manchmal erfolgt noch eine sogenannte Boost-Bestrahlung, bei der allein das Tumorbett mit einer höheren Dosis bestrahlt wird. Sie schließt sich an die "normale" Bestrahlung an. Daher müssen Sie etwa zwei weitere Wochen einplanen.

Es gibt verschiedene Therapieverfahren, bei denen jeweils unterschiedliche Strahlenmengen in mehr oder weniger Sitzungen verabreicht werden. Entweder haben Sie insgesamt etwa 15 Termine, die sich auf 3 bis 5 Wochen verteilen. Oder Sie müssen sich rund 25 mal über einen Zeitraum von 5 bis 6 Wochen in die Klinik oder Praxis aufmachen.

Das kann sehr aufwendig und mühsam sein. Aber zu Ihrer Beruhigung: Man geht immer mehr dazu über, die Therapiezeit eher gering zu halten. Die Aussichten sind also gut, dass Sie es nach einem Monat schon überstanden haben. Außerdem gehen die einzelnen Bestrahlungen ganz schnell und sind auch nicht weiter unangenehm.

Bestrahlung ist nicht gleich Bestrahlung

Das alles gilt übrigens für Nachbestrahlungen der gesamten Brust beim lokal begrenzten Brustkrebs, die sich an die Operation anschließen. In anderen Situationen kann die Bestrahlung unter Umständen ganz anders ablaufen.

In seltenen Fällen reicht es aus, nur einen kleinen Teil der betroffenen Brust zu bestrahlen (Teilbrustbestrahlung). Das ist oft keine große Sache und erfolgt entweder direkt bei der Operation oder einige Tage danach. Wieder anders sieht es aus, wenn nicht operiert werden kann und die Strahlentherapie als erstes oder alleiniges Verfahren zum Tragen kommt. Und schließlich kann mit einer Bestrahlung nicht nur der Tumor an sich, sondern auch Metastasen in anderen Körperregionen bekämpft und Symptome gelindert werden. So können zum Beispiel Knochen- oder Hirnmetastasen ebenfalls bestrahlt werden.

Wie viele einzelne Sitzungen Sie dann bekommen, lässt sich nicht pauschal sagen, sondern wird von vielen verschiedenen Spezialisten für Ihren individuellen Fall festgelegt.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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