Was bringt Sport bei Brustkrebs?

Eine ganze Menge. Gerade beim Brustkrebs weisen zahlreiche Studien die positiven Aspekte von Sport dezidiert nach. Das Allgemeinbefinden bessert sich, Nebenwirkungen lassen nach, und sogar der Tumor selbst könnte mit körperlicher Aktivität kleingehalten werden.

Wer einmal angefangen hat, kennt es: Regelmäßige Bewegung macht fitter, ausgeglichener und gut gelaunt. Wer sich richtig verausgabt hat, wird hinterher mit einem Schub an Glückshormonen belohnt und fühlt sich richtig gut. Aber auch schon leichtere Belastungen im Alltag und in der Freizeit wirken sich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden aus.

Schonung bringt nichts

Aber gilt das alles auch, wenn man krank ist und die Diagnose Brustkrebs erhalten hat? Ja, sogar gerade dann ist körperliche Aktivität geboten. Warum das so ist, wollen wie Ihnen im Folgenden erläutern. Zumindest, was man bis heute weiß und vermutet. Denn noch sind die genauen Effekte von Sport auf diverse Krebserkrankungen nicht abschließend erforscht.

Vermutlich gehen sie aber weit über einen bloßen Muskelaufbau hinaus. Es werden wohl zahlreiche Prozesse im Körper in Gang gesetzt, Botenstoffe ausgesendet und die Immunabwehr gestärkt. Und das wiederum könnte sich positiv auf die Erkrankung selbst auswirken und den Körper dabei unterstützen, sich gegen den Krebs zur Wehr zu setzen.

Vorbeugend und im Nachhinein

Bewegung und körperliche Aktivität wirken nachweislich vorbeugend. Wer sich ausreichend bewegt und außerdem gut ernährt, mindert sein Risiko, an Krebs zu erkranken – zumindest, soweit es in unserer Hand liegt. Aber auch bei bestehenden Krebserkrankungen ist es nicht zu spät, mit dem Laufen oder Krafttraining zu beginnen.

Konkret konnten inzwischen folgende Wirkungen von Sport bei Krebserkrankungen nachgewiesen werden:

Heilpflanzen gegen Krebs – was wir empfehlen

weiterlesen...

  • Linderung bzw. Vermeidung von Nebenwirkungen
  • verbesserte Wirksamkeit/Ansprechen der Therapie
  • Senkung der Rezidivrate und der Mortalität

Der letzte Punkt meint, dass körperliche Aktivität und Fitness dazu beitragen können, den Tumor unter Kontrolle zu halten, damit er nach der Behandlung möglichst nicht wiederkehrt. Folglich sinkt längerfristig auch die Mortalität, d.h. die Wahrscheinlichkeit, am Brustkrebs frühzeitig zu versterben.

Gegen die Krebszellen und die Entzündung

Das geht wohl auf die zahlreichen indirekten positiven Wirkungen von Sport zurück. Forscher diskutieren inzwischen aber, ob die Krebszellen dadurch sogar direkt bekämpft werden. Zumindest legen das tierexperimentelle Studien nahe. Damit ersetzt verstärkte Bewegung zwar nicht die Behandlung, könnte aber ein wichtiger therapeutischer Baustein sein.

Wie genau es dazu kommt, darüber rätseln Wissenschaftler noch. Vermutlich wirken die Reduktion des Körperfettgehalts sowie die gezielte Stimulierung von Abwehrzellen antientzündlich. Und entzündliche Reaktionen gelten als mitverantwortlich bei der Entstehung und dem weiteren Verlauf von Krebs. Bei Tumorerkrankungen wie Brustkrebs, die zum Teil hormonabhängig wachsen, könnte  außerdem die Beeinflussung mancher Stoffwechselwege eine Rolle spielen.

Sport gegen Nebenwirkungen

Zu einigen Therapienebenwirkungen gibt es bei Brustkrebs bereits aussagekräftige Studien, die den Effekt von körperlichem Training nahelegen und zum Teil sogar nachweisen.

Folgende Beschwerden, die unter der Behandlung auftreten können, lassen sich durch Sport abmildern oder gänzlich vermeiden:

  • ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
  • Lymphödem
  • Polyneuropathie (Störung der Nervenfunktionen)
  • kognitive Einbußen
  • Kachexie (starker Gewichts- und Kraftverlust)
  • Osteoporose (Knochenbrüchigkeit)
  • Schlafstörungen

Mehr Lebensqualität

Darüber hinaus gibt es diverse Untersuchungen zur Verbesserung der Lebensqualität und der allgemeinen Befindlichkeit. Auch hier schneiden Sportprogramme gut ab. Soweit man Wohlbefinden in Zahlen messen kann, steigt es bei körperlich Aktiven um knapp 50% an verglichen mit Betroffenen, die während und nach der Krebsbehandlung keinen Sport treiben.

Dazu tragen nicht nur die Glückshormone ihren Teil bei, sondern auch ganz basale Effekte wie eine gewisse Strukturierung des Alltags, ein verbessertes Körperempfinden und das Gefühl, dem Krebs auf eigene Faust die Stirn zu bieten. Auch der soziale Aspekt vieler Sportarten ist gerade bei Krebserkrankungen, die die Betroffenen leicht isolieren können, nicht zu vernachlässigen.

Kaum Einschränkungen

Es gibt, auch das erkennt man immer mehr, nur wenige Situationen, in denen Sie sich tatsächlich zurückhalten und zumindest eine Zeit lang schonen sollten. Das können akute Infekte mit Fieber oder auch bestimmte Therapiefolgen wie Veränderungen des Blutbildes sein. Auch direkt am Tag der Behandlung, wenn Sie z.B. eine Chemotherapie erhalten, sollten Sie pausieren.

Ansonsten gibt es für Krebserkrankte im Grunde keine Einschränkungen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie ein passendes Trainingsprogramm für Sie aussehen könnte.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

Anzeigen