Darf ich mit Brustkrebs Sport treiben?

Auf jeden Fall! Sport kann die Erkrankung positiv beeinflussen, Nebenwirkungen lindern und sogar die Prognose insgesamt verbessern.

Wer krank ist, meint oft, sich körperlich schonen und einen Gang zurückschalten zu müssen. Natürlich kann eine Erkrankung den Körper schwächen und die Leistungsfähigkeit einschränken. Um dem entgegenzuwirken und den Teufelskreis zu durchbrechen, ist es aber gerade wichtig, sich fit zu halten und den Körper soweit wie möglich zu fordern.

Therapie effektiver und besser verträglich

Auch wenn die einzelnen Aspekte und Wirkungen von Sport auf Krebserkrankungen aller Art noch nicht vollständig aufgeklärt sind, belegen immer mehr Studien den positiven Aspekt von körperlicher Aktivität. Die Behandlung wird dadurch insgesamt besser vertragen, und der Körper spricht sensibler darauf an.

Für manche Nebenwirkungen gibt es gerade bei Brustkrebs bereits klare Nachweise, dass Sport förderlich und oft die beste Maßnahme dagegen ist. Tierexperimentelle Versuche legen außerdem nahe, dass Bewegung sogar einen direkten Einfluss auf die Krebszellen haben und das Tumorwachstum aufhalten könnte. Damit wäre Sport sogar eine therapeutische Maßnahme.

Man geht davon aus, dass körperliche Fitness nicht nur die Muskulatur und den gesamten Bewegungsapparat stärkt, was unmittelbar naheliegt; sondern vermutlich hat sie auch sogenannte systemische Effekte, die den ganzen Körper, den Stoffwechsel und die Immunabwehr betreffen. Auch die Psyche profitiert von der wohltuenden Wirkung.

Es muss kein Marathon sein

Dabei ist mit Sport nicht unbedingt Leistungstriathlon gemeint. Schon die Bewegung im Alltag, der Gang zur Arbeit, das tägliche Treppensteigen und die Hausarbeit zählen als körperliche Aktivität und wirken sich positiv aus. Der Krebs in Ihrer Brust ist also kein Grund, von jetzt an den Aufzug zu nehmen und mit dem Auto von Haustür zu Haustür zu fahren – ganz im Gegenteil.

Beginnen können Sie jederzeit. Wenn Sie schon vor der Diagnose aktiv waren, machen Sie unbeirrt weiter. Natürlich abhängig von Ihrer Leistungsfähigkeit, der momentanen Behandlung und immer in Absprache mit Ihrem Arzt. Wenn Sie bisher eher keine Sportskanone waren, ist die Erkrankung vielleicht ein Anlass, es einfach mal zu probieren mit etwas mehr Bewegung.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich fit zu halten, so dass eigentlich jeder das Passende für sich finden müsste. Nebenbei kann Sport auch sehr gesellig sein und neue Kontakte ermöglichen. Auch das ist wichtig und nützlich bei Krebs: weiterhin aktiv am Leben teilzunehmen und sich auszutauschen statt sich im einsamen Kämmerlein mit der Erkrankung zurückzuziehen.

Was Spaß macht und guttut

Als Richtwert sollten Sie sich in der Woche mindestens zweieinhalb Stunden leicht belasten oder 75 Minuten richtig ins Schwitzen kommen. Das entspricht im übrigen genau den Empfehlungen für gesunde Menschen.

Wie Sie sich körperlich belasten, ob mit Ausdauer oder eher mit Krafttraining, ist abhängig von Ihrer Vorliebe und Ihrer individuellen Situation. Wenn Sie z.B. ganz gezielt bestimmte Nebenwirkungen bekämpfen möchten, können jeweils unterschiedliche Programme sinnvoll sein. Dabei kann Ihnen Ihr Arzt oder der Physiotherapeut nützliche Ratschläge geben.

Wann Sie vorsichtig sein sollten

Natürlich gibt es Phasen und Situationen, in denen Sie sich tatsächlich schonen oder zumindest nicht allzu stark belasten sollten. Ebenso wie gesunde Menschen sollten auch Sie keinen Dauerlauf machen, wenn Sie einen akuten Infekt haben. Auch starke Schmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen sind mit körperlicher Aktivität schwer vereinbar.

Was die Erkrankung und Behandlung anbelangt, gibt es außerdem einiges zu berücksichtigen. So können sich vor allem unter einer Chemotherapie die Blutwerte verändern. Wenn die roten Blutkörperchen, die Abwehrzellen des Körpers (Leukozyten) oder die Blutplättchen stark abfallen, ist Sport eine Zeit lang nicht das Richtige für Sie.

Training für die Knochen

Bestehende Knochenmetastasen, die die Stabilität des Skeletts gefährden, schränken das Sportprogramm zumindest ein. Besteht allerdings keine akute Frakturgefahr, ist Bewegung wiederum sogar nützlich. Je mehr Sie Ihren Bewegungsapparat beanspruchen, umso mehr stärken und wappnen Sie ihn vor den eindringenden Krebszellen. Auch eine drohende Osteoporose (Knochenbrüchigkeit) als Nebenwirkung von Medikamenten lässt sich mit körperlicher Aktivität abfangen.

Fazit: Brustkrebs ist beileibe kein Grund, die Füße hochzulegen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, wie Sie sich fit halten und Ihren Körper stärken können. Ansonsten zählt, was Ihnen entgegenkommt und Ihren Vorlieben entspricht. Denn bei allen förderlichen Aspekten von Sport sollte auch eines nicht fehlen: die Freude an dem Ganzen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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