Brustkrebs, Stadium III: Wie steht es um mich?

"Ich habe Brustkrebs, hatte bereits eine Chemo und bin dann operiert worden. In meinem Arztbrief steht als Stadium T4 N0 M0. Jetzt sollen noch weitere Therapien folgen, aber ich blicke langsam nicht mehr durch. Was kommt denn jetzt auf mich zu, und wie sind meine Aussichten?"

Einordnung Ihres Tumors

Die Buchstaben T, N und M geben an, wie groß der Tumor ist (T), ob Lymphknoten befallen sind (N) und ob sich Absiedelungen der bösartigen Zellen in anderen Organen oder Körperregionen gebildet haben (M).

Die Angabe T4, wie in Ihrem Fall, weicht von diesem Schema etwas ab: Gemeint ist ein Tumor jeder Größe, der die angrenzende Haut oder Brustwand befallen hat. Auch das sogenannte inflammatorische Mammakarzinom ("entzündlicher" Brustkrebs) fällt in diese Kategorie. Hier hat der Krebs die Lymphbahnen der Haut befallen und eine Entzündung hervorgerufen.

Mit der Bezeichnung T4 N0 M0 ist der Tumor dem Stadium IIIB zuzuordnen. Die genaue Unterteilung und Einordnung ist wichtig, um die jeweils passende Therapie zu finden. Aber trotz der Vorgaben, die die ärztlichen Leitlinien je nach Stadium hier machen, ist jede Behandlung im Einzelfall genau abzuwägen und auch immer an die Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen anzupassen.

Daher können wir an dieser Stelle nur das grundsätzliche Vorgehen erläutern. Wie genau die Behandlung in Ihrem Fall weitergeht, muss Ihr Arzt zusammen mit Kollegen aus anderen Fachbereichen und in Absprache mit Ihnen klären.

Die Waffen der Krebstherapie

Die Operation haben Sie bereits hinter sich. Mit großer Wahrscheinlichkeit musste bei Ihnen die gesamte Brust entfernt werden. Bei kleinen Tumoren ist manchmal auch eine brusterhaltende Operation möglich; hat sich der Tumor jedoch bereits im umliegenden Gewebe ausgebreitet und die Haut befallen, führt an einer sogenannten Mastektomie kein Weg vorbei.

Allerdings gibt es die Möglichkeit, die Brust in einem weiteren Eingriff zu rekonstruieren. Sofern das bei Ihnen nicht schon geschehen ist, kann es auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Jetzt wird es tatsächlich etwas komplizierter. Insofern ist es verständlich, dass Sie inzwischen den Überblick verloren haben. Zunächst einmal ganz allgemein: Neben der Operation gehören folgende Verfahren zu den weiteren Säulen in der Krebsbehandlung:

  • die Strahlentherapie
  • die systemische (innerliche) Therapie mit Medikamenten oder Infusionen

Chemotherapie vor oder nach der Operation

Sie schildern, dass Sie vor der Operation bereits eine Chemotherapie erhalten haben. In diesem Fall spricht man auch von einer sogenannten neoadjuvanten Behandlung. Eine systemische Therapie nach der Operation wird dagegen als adjuvant bezeichnet. In der Regel entscheidet man sich für eines der beiden Verfahren.

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Die neoadjuvante Chemotherapie ist bei einem lokal fortgeschrittenen Stadium IIIB Standard. Damit soll der Tumor bereits vor der Operation angegriffen werden, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen. Je besser er auf die Vorbehandlung anspricht, umso günstiger die weitere Prognose.

Neben der Chemotherapie, die in den Wachstumszyklus der Krebszellen eingreift und sie dadurch zerstört, gibt es heute auch andere Medikamente, die den Tumor gezielt angreifen. Allerdings sind sie nicht für jeden gleichermaßen geeignet. Der Krebs muss dafür bestimmte Rezeptoren aufweisen, über die ihm gewissermaßen die Nahrungszufuhr abgeschnitten werden kann.

Bestrahlung: der finale Schlag gegen den Krebs

In Ihrem Fall wird sich an die Operation vermutlich noch eine Bestrahlung anschließen, wobei die Frage nach wie vor offen und unter Fachleuten umstritten ist, ob nach einer erfolgreichen systemischen Vorbehandlung tatsächlich Operation und Bestrahlung erforderlich sind.

Einige Studien legen jedoch nahe, dass das Risiko für ein erneutes Ausbrechen des Tumors an Ort und Stelle durch eine Bestrahlung der befallenen Haut oder Brustwand und ggf. der Lymphabflusswege minimiert werden kann. Zugleich erhöht sich dadurch in vielen Fällen die Überlebensrate, wie es im Fachjargon heißt. Sprich: Wenn Sie die Bestrahlung über sich ergehen lassen, sind Ihre Aussichten voraussichtlich besser.

Erfreulich ist die Null, die jeweils hinter den Buchstaben N und M in Ihrem Arztbrief steht. Sie besagt, dass bei Ihnen weder Lymphknoten befallen sind noch der Tumor in andere Regionen des Körpers gestreut hat. Es gilt also lediglich, den Krebs vor Ort in Schach zu halten und möglichst dauerhaft von Ihnen fernzuhalten.

Wie das am besten anzupacken ist, müssen Ihre Ärzte zusammen mit Ihnen entscheiden. Womöglich sind zunächst noch weitere Untersuchungen nötig, um zu den bisherigen Therapieerfolg zu überprüfen. Erst dann lässt sich sagen, welcher Weg für Sie persönlich der beste ist.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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