T2 N2 M0: Ist der Brustkrebs nach der Operation geheilt?

"Bei mir wurde Brustkrebs festgestellt. Ich bin dann gleich operiert worden. Mein Arzt hat mir erklärt, dass jetzt noch weitere Therapie-Maßnahmen erforderlich sind. In meinem Arztbrief steht als Stadium T2 N2 M0. Was heißt das denn jetzt konkret für mich?"

Mit dem TNM-System kann ein Tumor klassifiziert werden. T3 heißt, dass der Tumor zwischen zwei und fünf Zentimeter groß ist. N2 bedeutet, dass 4-9 Lymphknoten mit Tumorzellen befallen sind und M0, dass keine Fernmetastasen nachweisbar sind.

Operation: Entfernung oder Erhalt der Brust

Bei der Therapie von Brustkrebs ist die Operation das Mittel der Wahl. Ziel einer jeden Operation ist die komplette Entfernung des erkrankten Gewebes. Die Frage ist nun, ob das auch unter Erhalt der Brust möglich ist, oder ob die Brust doch abgenommen werden muss, um sicherzugehen, dass kein Tumorrest mehr übriggeblieben ist.

Bei einem relativ großen Tumor wie bei Ihnen würde man eher zur Mastektomie, d.h. zur Entfernung der gesamten Brust tendieren. Noch während der Operation untersucht ein spezieller Arzt (der Facharzt für Pathologie) das entnommene Gewebe unter dem Mikroskop, um zu überprüfen, ob der Chirurg den ganzen Krebs entfernt hat. Er legt auch fest, welche Eigenschaften der Tumor hat, denn diese Eigenschaften (Rezeptoren, Gewebeart u.a.) sind wichtig für die weitere erfolgreiche Therapie des Brustkrebses. All das stellt der Pathologe fest.

Aber unabhängig von der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage kann in Absprache mit Ihnen auch brusterhaltend operiert werden. Sie sollten dann durch Ihren Arzt nur über alle Vor- und Nachteile des brusterhaltenden Vorgehens informiert sein. Dann können Sie selbst eine fundierte Entscheidung treffen.

Rekonstruktion der Brust gleich oder später

Natürlich stellt sich bei einer Entfernung der Brust immer auch die Frage, ob eine Rekonstruktion der Brust erfolgen soll. Die heutigen Operationsverfahren sind alle so gewebeschonend wie möglich. Es soll soviel wie möglich vom vorhandenen gesunden Gewebe erhalten bleiben, ohne dass die Gefahr für ein Wiederauftreten des Krebses an dieser Stelle steigt.

Es gibt verschiedene Verfahren zur Rekonstruktion der Brust, über die Sie sich vorher bei Ihrem Arzt, aber auch bei Selbsthilfegruppen informieren können. Auch über den Zeitpunkt, ob direkt nach der Operation oder später, können Sie selbst entscheiden.

Nur wenn eine Strahlentherapie stattgefunden hat, sollten Sie die Methode des Aufbaus mit körpereigenem Gewebe vorziehen. Auch wenn eine Strahlentherapie geplant ist, sollte der endgültige Wiederaufbau danach erfolgen.

Strahlentherapie: langfristig Ruhe vom Tumor

Da bei Ihnen bereits mehrere Lymphknoten in der betreffenden Achselhöhle befallen waren, mussten wahrscheinlich die Lymphknoten in der betroffenen Achselhöhle mit entfernt werden. Auf jeden Fall muss in Ihrer Situation eine Bestrahlung der Brustwand auf der betroffenen Seite und auch der umgebenden Lymphknoten durchgeführt werden. Nur dann kann man sicher sein, dass ein Wiederauftreten des Tumors an dieser Stelle deutlich unwahrscheinlicher wird. Normalerweise sollte die Bestrahlung ca. sechs Wochen nach der Operation beginnen.

In Ihrem Fall bessert die Strahlentherapie von Brustwand und umgebenden Lymphknoten auch Ihre statistische Überlebensdauer. Denn durch die Bestrahlung verringert sich das Risiko von Absiedelungen an anderen Stellen des Körpers (Metastasen) erheblich.

Innerliche Therapien je nach Art des Tumors

Neben den operativen Maßnahmen und den Bestrahlungen sind in Ihrem Fall auch systemische, d.h. innerliche Therapien nötig. Diese richten sich nach den Eigenschaften, die bei dem Tumor festgestellt wurden.

Ein Teil der Tumoren verfügt über Östrogen- und Progesteron-Rezeptoren. Da beides Hormone sind, kommt in diesem Fall eine Anti-Hormontherapie in Frage. Ungefähr 20% der Brusttumoren verfügen über einen Rezeptor, der HER2 oder auch HER2neu heißt. Dieser Rezeptor beeinflusst das Zellwachstum. Gibt es auf einem Tumor zu viele dieser Rezeptoren, so wächst er rasant und unkontrolliert. Glücklicherweise gibt es einen Antikörper, der diesen Rezeptor blockiert und der so zur Therapie von HER2-positivem Brustkrebs eingesetzt werden kann.

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Auch eine Chemotherapie kommt in Ihrem Fall in Frage. Hier gibt es verschiedene Substanzen, die eingesetzt werden können. Da diese Chemotherapien auch durchaus ernstzunehmende Nebenwirkungen haben, wird ihr Arzt in Absprache mit Ihnen und den ärztlichen Kollegen in einem Brustzentrum eine individuell auf Sie zugeschnittene Entscheidung treffen.

Chemotherapie, Hormontherapie und HER2-Therapie sind neben einigen anderen die wichtigsten Therapie-Säulen. Insgesamt werden bei der Entscheidung für eine systemische Therapie verschiedene Faktoren berücksichtigt: Tumorgröße, Lymphknotenstatus, Alter, Menopausen-Status, Rezeptor-Situation (Hormon- und HER2-Rezeptor) und Gewebetyp.

Auf der Hut: konsequente Nachsorge

Nach den vielen aufwendigen und belastenden Therapien die auf Sie zugekommen sind, gibt es auch eine sehr gute Nachricht: Der Krebs hat noch nicht in andere Regionen des Körpers gestreut, es sind also keine Metastasen nachweisbar.

Wichtig für Sie ist nach der Therapie eine konsequente Nachsorge. Denn wer einmal an Brustkrebs erkrankt ist, hat ein etwas erhöhtes Risiko, dass der Tumor sich erneut bildet. Deshalb ist es entscheidend, ihn möglichst frühzeitig zu erkennen. Je früher erkannt, desto besser die Prognose.

Autor: Dr. med. Karlheinz Keppler

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