Wirken Antidepressiva gegen Wechseljahresbeschwerden nach Brustkrebs?

Ja, Antidepressiva können Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind und in die Wechseljahre kommen, helfen, die Beschwerden effektiv zu lindern.

Für viele Betroffene klingt es erstmal seltsam: Antidepressiva? Habe ich jetzt auch noch Depressionen, die behandelt werden müssen? Tatsächlich sind Stimmungsschwankungen und depressive Phasen nicht selten bei Brustkrebs. Es ist nicht leicht, die Erkrankung zu verarbeiten und mit den oft belastenden Therapien zurechtkommen.

Bei Wechseljahresbeschwerden stehen die antidepressiven Effekte der Medikamente jedoch gar nicht unbedingt im Mittelpunkt. Die Arzneimittel können nämlich noch mehr als die Stimmung aufhellen.

Die "Heizung" wird runtergedreht

Das liegt an ihrer Wirkung im zentralen Nervensystem. Substanzen aus der Gruppe der SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) oder SNRI (selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) erhöhen die Konzentration bestimmter Botenstoffe im Gehirn. Diese machen uns nicht nur glücklich, sondern spielen auch eine Rolle bei der zentralen Temperaturregulation.

Der Östrogenabfall am Übergang zur weiblichen Menopause wirkt sich auch auf den Serotonin- und Noradrenalinspiegel aus. Das wiederum bringt den Wärme-Kälte-Regler durcheinander und kann zu unkontrollierten Hitzeschüben führen. SSRI bzw. SNRI sorgen dafür, dass mehr Botenstoffe zur Verfügung stehen. Dadurch reguliert sich auch die Temperatur wieder. Viele Betroffene haben unter der Behandlung deutlich weniger Probleme mit Hitzewallungen.

Auch die Stimmung profitiert

Aber auch die eigentliche antidepressive Bestimmung der Medikamente ist bei vielen Frauen mit Brustkrebs, die in die Wechseljahre kommen, förderlich. Schon die Diagnose Krebs ist ein schwerer Schlag, der mit einem Mal das gesamte Leben durcheinanderbringt. Wenn im Zuge der Erkrankung und Behandlung auch noch frühzeitig die Menopause mit entsprechenden Beschwerden einsetzt, ist das eine zusätzliche Belastung, die die betroffenen Frauen verarbeiten müssen.

Abgesehen davon können depressive Verstimmungen auch Teil der Wechseljahressymptome sein. Kurzum: Mit Antidepressiva lassen sich viele Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Keine Angst vor Nebenwirkungen

Gefürchtet sind oft die Nebenwirkungen antidepressiver Substanzen. Die modernen Präparate sind jedoch meist recht gut verträglich, zumal, wenn sie langsam und vorsichtig eindosiert werden. Treten Beschwerden wie Übelkeit und Verstopfung auf, halten sie in der Regel nicht dauerhaft an, sondern bessern sich nach einiger Zeit. Dennoch sind Antidepressiva nicht für jeden geeignet bzw. spricht nicht jeder auf sie an.

In diesem Fall gibt es weitere Möglichkeiten, die Symptome der Wechseljahre in den Griff zu bekommen. Da sich eine Hormonersatztherapie nach Brustkrebs verbietet und auch pflanzliche Mittel nicht unproblematisch sind, bleiben allgemeine Maßnahmen, die aber durchaus erfolgversprechend sind. Versuchen Sie es doch einfach mal mit Aktivität und Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und möglichst wenig Stress. Dabei können Entspannungstechniken und Achtsamkeitsübungen helfen. Ein bewährtes Verfahren ist zudem Yoga, das beispielsweise auch bei chronischer Erschöpfung und Müdigkeit (Fatigue) nachweislich hilft. So können kleine Änderungen im Lebensstil schon viel bewirken.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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