Ist eine Hormonbehandlung der Wechseljahre auch nach überstandenem Brustkrebs ein Risiko?

Ja. Nach Ansicht fast aller namhaften Experten sollte nach einer überstandenen Brustkrebserkrankung, soweit diese vor den Wechseljahren aufgetreten ist, auch später beim Einsetzen der Wechseljahre auf eine Behandlung mit Hormonen verzichtet werden.

Gefahr eines Rezidivs

Der Grund: Es ist nie ganz auszuschließen, das irgendwo noch "schlafende" Tumorzellen bzw. deren Vorstufen verblieben sind. Diese könnten auf eine künstliche Hormonzufuhr in den Wechseljahren zum Wachstum angeregt werden. In vielen Studien wurde dieser Effekt nachgewiesen.

Allerdings geht die Forschung auf diesem Gebiet weiter. Möglicherweise ist zwischen einer kombinierten Hormonersatztherapie und der Gabe einzelner Botenstoffe zu unterscheiden. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft wird Frauen nach überstandenem Brustkrebs jedenfalls keine Behandlung mit Hormontabletten gegen Wechseljahresbeschwerden empfohlen.

Lokale Behandlung in Ausnahmefällen

Etwas anders sieht es mit lokalen Östrogensalben aus, die gegen Scheidentrockenheit wirken. Zwar ist auch hier Zurückhaltung geboten, da das Hormon eventuell auch bei äußerer Anwendung systemisch, d.h. in den Blutkreislauf aufgenommen werden könnte. In Einzelfällen können hormonhaltige Vaginalsalben jedoch bei großem Leidensdruck gerechtfertigt sein, wenn das individuelle Risiko sorgfältig abgewogen wird. Liegt die Brustkrebserkrankung zum Beispiel schon viele Jahre zurück und/oder ist die betroffene Frau bereits älter, kann eine lokale Hormonbehandlung vertretbar sein.

Autoren: Dr. med. Jörg Zorn, Eva Bauer (Ärztin)

Weitere Fragen und Antworten zum Thema Wechseljahre finden Sie auf Navigator-Medizin.de/Wechseljahre

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