Wie kann ich die Beweglichkeit des Armes nach der Brust-OP trainieren?

Egal, ob bei Ihnen die gesamte Brust entnommen wurde oder ein Großteil erhalten werden konnte, Ihr betroffener Arm wird nach der Operation noch eine Weile eingeschränkt sein. Sie können aber einiges dafür tun, dass er schon bald wieder einsatzbereit ist.

Lymphstau und seine Folgen

Durch jede Operation entstehen Narben, die die Haut und das Gewebe zusammenziehen und weniger flexibel machen. Bei einer Brustoperation kommt noch hinzu, dass häufig die abführenden Lymphknoten im Achselbereich mit entfernt werden. Dadurch kann der Lymphabfluss gestört werden. Die zähe Flüssigkeit sammelt sich dann im Arm an und schränkt die Bewegung zunehmend ein.

Neben den Bewegungseinschränkungen im Arm und Achselbereich kann aber noch wesentlich mehr betroffen sein. Durch eine Fehlhaltung bedingt ist die Mobilität im Nackenbereich und in der oberen Brustwirbelsäule meistens mit eingeschränkt. Der Rücken schmerzt, und die gesamten Bewegungen sind nicht so gleitend wie vor der Operation. Dazu kommt die Überlastung des gesunden Armes, der nun alle Aufgaben übernehmen muss. Daher ist es wichtig, immer die gesunde Seite bei allen Bewegungen mit einzubeziehen.

Physiotherapie hilft

Das wird Ihnen schon bald nach der Operation ein Physiotherapeut zeigen. Er kann außerdem mit speziellen Techniken und Lymphdrainagen Ihren Arm deutlich entlasten. Aber auch Sie selbst bleiben bei der Physiotherapie nicht untätig. Sie bekommen Übungen, die Sie behutsam beginnen und langsam steigern sollten.

Die Therapie geht auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus weiter. In einer physiotherapeutischen Praxis werden die Lymphdrainagen und der stetige Bewegungs- und Kraftaufbau fortgeführt. Für zuhause gibt es wieder Übungen, die Ihnen helfen, Ihren Arm fit für den Alltag zu machen.

Nutzen Sie dabei alle Gelegenheiten im Alltag, um den Arm in sämtliche Richtungen zu bewegen. So können Sie die Muskulatur erhalten und sogar kräftigen. Wenn Sie Ihren Arm nur schonen, bauen sich Muskeln ab, und er hat später keine Kraft mehr.

Trainieren Sie im Alltag

Die Übungen können etwa so aussehen: Wenn Sie belastbar genug sind, um etwas aus dem Schrank in Kopfhöhe zu nehmen, greifen Sie nicht mit gestecktem, geradem Arm zu dem Gegenstand. Winkeln Sie den Arm an, und greifen Sie schräg nach oben zu dem Gegenstand. Das ist einfacher, mit weniger Kraftaufwand verbunden und schmerzfreier. Und genauso nehmen Sie den Arm auch wieder zurück.

Wenn Sie das einige Male durchgeführt haben, ist das kein zusätzlicher Zeitaufwand mehr. Vermeiden Sie unbedingt Ausweichbewegungen, um die Muskulatur nicht ungleichmäßig zu beanspruchen. Sonst können zusätzlich Probleme der Wirbelsäule und weitere Schmerzen auftreten.

Auch beim Zähneputzen können Sie üben. Benutzen Sie den betroffenen Arm dafür. Reicht die Kraft nicht aus, unterstützen sie den Arm mit der gesunden Hand, auch wenn es ungewohnt und lästig ist. So wird der Arm aber prima bewegt.

Beim Fernsehen dürfen Sie und Ihr Arm entspannen. Legen Sie ihn etwas erhöht und bequem auf ein festes Kissen. Nun drücken Sie in dieser Position einen weichen kleinen Ball. Zwischendurch machen Sie eine kurze Pause und nehmen die andere Hand.

Übung macht den Meister

Im folgenden wollen wir Ihnen noch ein paar einfache Übungen zeigen, die Sie immer wieder in Ihren Tagesablauf einfließen lassen können:

  • Stehen Sie gerade. Ziehen Sie das Kinn zur Brust, so, dass der Nacken eine gerade Linie bildet. Anschließend den Kopf zur Seite drehen und über die Schulter auf die Erde sehen. Langsam und gleitend den Kopf in dieselbe Position zur anderen Seite drehen.
  • Legen Sie mit entspannten Schultern angewinkelt beide Arme locker in die Taille. In dieser Position schieben Sie die Ellenbogen langsam und gleitend nach hinten, dass sich die Schulterblätter annähern. Nun führen Sie die angewinkelten Arme nach vorne, bis sich die Hände vor dem Bauch berühren.
  • Langsames Schulterkreisen nach vorne und nach hinten. Dabei so weit ausholen, wie es Ihnen möglich ist. Denken Sie daran, immer alle Bewegungen sehr langsam und gleitend auszuführen.
  • Lassen Sie die Arme hängen. Machen Sie eine lockere Faust und drehen die Arme aus dem Schultergelenk vor und zurück.
  • Legen Sie beide Hände auf den Tisch. Sitzen Sie gerade, dass Ihr Körper die Tischkante berührt. So ist gewährleistet, dass die Übung auch wirklich optimal ausgeführt wird. Legen Sie einen Gegenstand in Armlänge vor sich auf den Tisch. Schieben Sie abwechselnd beide Hände auf der Tischplatte vor, bis Sie den Gegenstand berühren. Sie müssen dabei deutlich die Bewegung aus dem Schultergelenk spüren.
  • Legen Sie eine Hand auf Ihr Ohr. Tasten Sie sich auf dem Kopf bis zum gegenüberliegenden Ohr vor. Natürlich nur in dem Ausmaß, wie Ihre Armbewegung das erlaubt. Und jetzt nehmen Sie den gesunden Arm.
  • Im Sitzen oder Stehen die Schultern hochziehen und weit nach hinten fallen lassen. Mehrmals wiederholen.
  • Strecken Sie beide Arme lang nach vorne aus. Die Hände anwinkeln, sodass die Handflächen nach vorne zeigen. In dieser Position im Wechsel beide Hände aus der Schulter heraus nach vorne schieben, als wollten Sie etwas wegdrücken. Natürlich langsam gleitend und ohne Kraft.
  • Wichtig ist auch, dass die Arme nach hinten bewegt werden. Legen Sie Ihre Handrücken auf das Gesäß. Nun versuchen Sie, die Hände zur Rückenmitte zu schieben. Die Hände dabei nicht vom Körper abspreizen und Körperkontakt halten.
  • Versuchen Sie, die Arme so zu bewegen, als wollten Sie Brustschwimmen. Langsam und die Ellenbogen dabei weit nach hinten ziehen.
  • Die letzte Übung geht am besten auf dem Sofa im Sitzen: Legen Sie sich ein kleines dickes Kissen unter die Achsel, aber so, dass es nicht wegrutschen kann. Nun können Sie den Arm in alle Richtungen leicht bewegen. Beziehen Sie dabei auch die Hand mit ein, indem Sie alle Bewegungen machen, die Ihre Hand eben ausführen kann.

Autoren: Marianne Wollrabe (Physiotherapeutin), Eva Bauer (Ärztin)

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