Brustkrebs: Wie gehe ich mit sexuellen Problemen um?

Viele Frauen haben nach einer Brustkrebserkrankung ein verändertes Körperempfinden und tun sich schwer mit ihrer Sexualität. Das kann auch die Partnerschaft auf eine harte Probe stellen.

Erschütterung der Weiblichkeit

Die Diagnose Krebs ist für jeden Betroffenen ein einschneidendes Ereignis. Plötzlich verändert sich das gesamte Leben. Angst, Wut und Verzweiflung kommen auf, aber auch Fragen nach der Zukunft. Bis die ganze Tragweite der Erkrankung erfasst wird, dauert es meist eine Weile.

Bei Brustkrebs kommt hinzu, dass er einen sehr sensiblen Bereich betrifft und eine Frau unmittelbar in ihrer weiblichen Identität anrührt. Die Brust ist nicht nur ein nach außen hin sichtbares Geschlechtsmerkmal und Ausdruck der Weiblichkeit. Sie gehört auch zur engsten Intimsphäre einer Frau, die in der Regel nur mit dem Partner geteilt wird.

Bleibende Spuren der Behandlung

Zur Behandlung von Brustkrebs gehört in den allermeisten Fällen eine Operation. Auch wenn heute sehr schonend operiert wird und die Brust als Ganze meist erhalten werden kann, hinterlässt der Eingriff seine Spuren. Narben bleiben zurück, Haut und Gewebe verändern sich, und kein Implantat kann eine Brust genauso wiederherstellen, wie sie davor war. Auch die Empfindsamkeit kann gestört sein, Berührungen werden anders wahrgenommen.

Hinzu kommen Folgen der innerlichen Behandlung mit Medikamenten. Eine Chemotherapie verändert oft das äußere Erscheinungsbild. Die Haare fallen aus, die Haut wird blass. Sie schlaucht den Körper außerdem, macht müde und antriebslos. Auch sexuelle Lust und Erregung können dementsprechend eingeschränkt sein. Nicht zuletzt kann die Behandlung die Keimdrüsen schädigen und die Fertilität beeinträchtigen.

All das rüttelt am eigenen Körperbild und Selbstwertgefühl. Manche Frauen empfinden sich nicht mehr als attraktiv, fühlen sich in ihrer Weiblichkeit beschnitten, spüren vielleicht sogar Scham anderen gegenüber.

Herausforderung für die Beziehung

Eine Partnerschaft kann in dieser Zeit eine große Stütze sein, aber auch zusätzliche Fragen und Sorgen aufwerfen: Was, wenn mein Freund bzw. Mann mich nicht mehr anziehend findet? Wie sieht es mit der weiteren Familienplanung aus? Können und sollten wir überhaupt noch Kinder bekommen?

Es ist wichtig, dass Sie sich diesen Fragen stellen und sie offen mit Ihrem Partner besprechen. Das gelingt oft nur mit Unterstützung von außen. Grundsätzlich gehört das Thema Sexualität zu einer umfassenden Betreuung von Frauen mit Brustkrebs – und deren Partnern – selbstverständlich dazu. Aber wie es mit intimen und tabuisierten Bereichen so ist, fällt es auch manchen Ärzten und Therapeuten nicht leicht, die entsprechenden Fragen direkt zu stellen.

Sexualität und Zärtlichkeit trotz Brustkrebs

Dabei fühlen sich die meisten Betroffenen deutlich entlastet, wenn sie auf Probleme ihrer Sexualität angesprochen werden. Der Dammbruch hilft vielen dabei, sich manche Probleme überhaupt erst einzugestehen und gemeinsam mit dem Partner an der Bewältigung zu arbeiten.

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Denn es gibt Möglichkeiten, sein Selbst- und Körperbild zu revidieren und als Paar neu zueinander zu finden, auch wenn der Krebs und die Behandlung bleibende Spuren hinterlassen haben. Sexuelles Empfinden und Erotik können verändert sein, lassen sich aber auf anderen Wegen erleben. Vielleicht werden Zärtlichkeiten und kleine Aufmerksamkeiten wichtiger. Das kann auch die gegenseitige Sensibilität und Achtsamkeit stärken.

Offenheit ist entscheidend

Wer dagegen in einer veränderten Wahrnehmung und Bewertung des eigenen Körpers verhaftet bleibt, tendiert dazu, sich zurückzuziehen, Nähe und Austausch zu vermeiden. Das macht es auch für den Partner nicht leicht, mit der Situation umzugehen. Er fühlt sich hilflos, möchte nichts Falsches sagen oder tun, um Sie nicht noch mehr zu belasten. Das kann in ein gegenseitiges Rückzugs- und Vermeidungsverhalten münden, das Sie zunehmend einander entfremdet.

Wenn Sie zu Ihrem Arzt Vertrauen gefasst haben, scheuen Sie sich nicht, Ihre körperbezogenen und sexuellen Probleme anzusprechen, sofern er nicht von sich aus die Initiative ergreift. Wenn Sie psychoonkologisch betreut werden, kann auch der Therapeut ein wichtiger Ansprechpartner sein. Andernfalls kann Ihr Arzt Ihnen entsprechende Hilfen anbieten.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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