Brustkrebs: Schützt die Hormontherapie wirklich vor einem Rückfall?

Ja, in Studien ist das eindeutig belegt. Allerdings müssen die Voraussetzungen stimmen.

Nicht bei allen Tumoren geeignet

Und hier wird es ganz schön kompliziert. Denn nicht jeder Brustkrebs ist gleich, und nicht jeder Körper reagiert auf die Erkrankung und die Therapie wie der andere. Daher werden Sie vor der Behandlung vom Kopf auf die Füße gestellt und genau untersucht.

Die wichtigste Bedingung ist, dass der Krebs auf die Behandlung überhaupt anspricht. Manche Tumoren nämlich lässt der Entzug von Hormonen völlig kalt. Nur die Arten, die an der Oberfläche der einzelnen Zellen sogenannte Rezeptoren besitzen, an die die weiblichen Geschlechtshormone andocken können, werden auch mit einer Hormontherapie erreicht. Die Botenstoffe dienen ihnen gewissermaßen als Nahrung und fördern ihr Wachstum. Werden sie ihnen entzogen, fehlt den Krebszellen folglich eine wichtige Lebensgrundlage.

Krebszellen den Garaus machen

Bei betroffenen Frauen, die operiert und im Anschluss vielleicht auch bestrahlt wurden, schließt sich in der Regel eine Hormontherapie (endokrine Behandlung) an, wenn der Tumor dafür sensibel ist. Dadurch kann das Rückfallrisiko nochmal deutlich gesenkt werden.

Unter Umständen tummeln sich nämlich gut versteckt irgendwo noch einzelne Tumorzellen, die sowohl dem Skalpell des Chirurgen als auch der Energie der ionisierenden Strahlen entkommen sind. Sie können jederzeit wieder aktiviert werden und sich erneut ungezügelt vermehren.

Um diese Hinterbliebenen restlos auszuhungern, ist es wichtig, die Hormontherapie ausreichend lange anzusetzen. In der Regel erfolgt die Behandlung über fünf Jahre und kann darüber hinaus bei guter Verträglichkeit auch noch verlängert werden. In Studien wird derzeit getestet, ob sogar eine Zeitspanne von zehn Jahren für manche Betroffenen empfehlenswert sein könnte.

In Zahlen: 40% relative Risikoreduktion

Feststeht jedenfalls, dass eine an die Operation anschließende endokrine Therapie die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Tumorausbruchs um etwa 40% reduziert und ein frühzeitiges Versterben am Brustkrebs um etwa 30%. Das sind allerdings relative Werte. Würde das Rückfallrisiko nach alleiniger Operation z.B. 20% betragen, läge es nach einer zusätzlichen Hormontherapie bei 12% (nach Abzug von 8, was 40% von 20 ist). Dabei spielen weder das Alter der Betroffenen noch das Ausmaß des Krebses oder bereits vorangegangene systemische (innerlich wirkende) Therapien eine Rolle.

Unabhängig von diesen Rechenspielchen steht natürlich jede einzelne Betroffene mit ihrer individuellen Erkrankung für sich. Statistiken sagen über den Einzelfall nur bedingt etwas aus. Dennoch sind sie wichtig, um die nach menschlichem Ermessen beste Behandlung zu finden und die Chancen jeder Frau so gut wie möglich zu verbessern.

Wenn die Ärzte Ihnen eine Hormontherapie nahelegen, werden sie dafür gute Gründe haben. Daher sollten Sie sich auf die Behandlung einlassen und sie über die lange Zeit hinweg durchhalten. Es lohnt sich!

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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