Brustkrebs: Ist eine Hormontherapie besser als eine Chemotherapie?

Das kann man so nicht sagen. Beide Therapieverfahren haben ihren Stellenwert bei der Behandlung von Brustkrebs und sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Was für die einzelne Betroffene das richtige ist, muss individuell entschieden werden.

Hormon- und Chemotherapie zählen zu den sogenannten systemischen Therapieverfahren bei Krebserkrankungen. Das bedeutet, sie wirken im Gegensatz zu einer Operation oder Strahlentherapie auf den gesamten Körper, indem sie als Tabletten oder Infusion eingenommen und im Blutkreislauf verteilt werden.

Systemische Behandlung verbessert die Prognose

Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Ansonsten sind es zwei völlig verschiedene Ansätze, die in jeweils unterschiedlichen Situationen und manchmal auch beide zum Einsatz kommen.

In der Regel folgt eine systemische Behandlung bei Brustkrebs als sogenannte adjuvante Therapie auf die Operation mit eventuell angeschlossener Strahlentherapie. Bei der Auswahl des geeigneten Verfahrens spielt die individuelle Risikoeinstufung eine wichtige Rolle. Sie richtet sich nach Stadium, Größe und Ausdehnung des Tumors, nach seinen biologischen Eigenschaften sowie nach dem Alter und der hormonellen Situation der Betroffenen.

Mit einer adjuvanten Behandlung soll verhindert werden, dass der Krebs erneut ausbricht. Auch die generellen Aussichten und das Gesamtüberleben sollen verbessert werden.

Nicht besser, aber verträglicher

Wenn die Voraussetzungen für eine Hormonbehandlung (endokrine Therapie) gegeben sind, wird sie der Chemotherapie tendentiell vorgezogen, da sie meist besser verträglich ist. Das liegt daran, dass gesunde Körperzellen dadurch nicht direkt geschädigt werden, was negative Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen jedoch nicht ausschließt.

Die Behandlung ist aber nur dann möglich und sinnvoll, wenn der Tumor auch darauf anspricht. Dazu muss er auf Hormone reagieren, die sein Wachstum beschleunigen. Heutzutage kann man das im Vorfeld testen und damit von vorne herein sagen, wer von der Behandlung profitieren könnte.

Stellenwert der Chemotherapie

Bei Tumoren, die sich durch Hormone nicht beeindrucken lassen, hilft auch die Hormontherapie nicht weiter. Dann kommt unter Umständen eine Chemotherapie in Frage. Sie kann aber auch unabhängig vom hormonellen Ansprechen entweder alleine oder zusätzlich zur endokrinen Behandlung erfolgen. Das hängt wiederum vom Ausmaß der Erkrankung und von den speziellen Tumoreigenschaften ab.

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Auch bei jungen Frauen unter 35 Jahren kann die Chemotherapie erwogen werden. Je älter die Betroffenen dagegen sind, umso schlechter wird die Behandlung vertragen und umso geringer ist daher unterm Strich der Nutzen.

So nüchtern und pragmatisch das auch klingen mag: Es geht letztlich darum, die Behandlung zu finden, von der die einzelne Erkrankte am meisten profitiert, und zwar unter verhältnismäßig tolerablen Nebenwirkungen. Ob das mit einer Operation, Strahlen-, Chemo- oder Hormotherapie oder einer Kombination aus verschiedenen Verfahren am besten gelingt, muss im Einzelfall erwogen werden. Bei der Entscheidung ist immer auch Ihre Mithilfe und Rückmeldung an die Ärzte erforderlich.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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