Brustkrebs: Erhöht Tamoxifen das Risiko einer Thrombose?

Eine Thrombose gehört zu den möglichen Nebenwirkungen einer Behandlung mit Tamoxifen. Das liegt an der Wirkweise des Medikaments, das das weibliche Geschlechtshormon Östrogen beeinflusst.

Konkurrenz am Rezeptor

Tamoxifen gehört zu den Antiöstrogenen. Es unterbindet die Wirkung des Sexualhormons nicht direkt, sondern indem es an seine Ankerstellen an den Zellen (Rezeptoren) bindet und sie besetzt. Damit kommt es dem körpereigenen Botenstoff quasi zuvor. Das Östrogen selbst findet nur noch belegte Rezeptoren vor und muss unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Das bekommt dem Brustkrebs wiederum gar nicht gut. Denn die Östrogene sind ein wichtiger Wachstumsimpuls, der dem Tumor nun entzogen ist und ihn zunehmend verkümmern lässt.

Diesen Effekt erkauft man sich jedoch mit einer Reihe möglicher Nebenwirkungen, die auftreten können, aber nicht müssen. Natürlich bleibt ein solcher Eingriff in das Hormonsystem auch für den Körper nicht ohne Folgen. Dazu ist es wichtig, die Wirkung der Östrogene zu verstehen.

Östrogene steigern die Gerinnung

In erster Linie dienen sie der Ausbildung und Funktion der Geschlechtsorgane und steuern den weiblichen Zyklus maßgeblich. Sie üben aber auch auf andere Körperfunktionen eine Wirkung aus. Dazu gehört u.a. auch das Gerinnungssystem.

Östrogene befördern die Bildung mancher Gerinnungsfaktoren in der Leber. Das sind Eiweißstoffe, die das Blut zum Stocken bringen und dafür sorgen, dass die Wundheilung funktioniert und wir bei Verletzungen der Gefäße nicht verbluten. Gleichzeitig sinkt unter den Östrogenen die Konzentration der Gegenspieler der Gerinnungsfaktoren. Es gibt nämlich umgekehrt auch Eiweiße, die das Blut verflüssigen und Blutgerinnsel wieder auflösen. Dadurch entsteht normalerweise ein ausgewogenes, fein aufeinander abgestimmtes Gerinnungssystem.

Angesichts der Monatsblutung der Frau hat diese Wirkung der Östrogene durchaus ihren Sinn. Bei künstlich hergestellten Substanzen, die dem Hormon nachgebildet sind, fallen die genannten Effekte aber oft ungleich stärker aus. Das ist auch der Grund, weshalb die Gefahr für Blutgerinnsel und Thrombosen bei der Anti-Baby-Pille ansteigt. Die darin enthaltenen synthetischen Östrogene fördern die Bildung bestimmter Gerinnungsfaktoren sehr stark.

Risiko zwischen 1/10 und 1/100

Auch Tamoxifen ist eine Art Ersatzöstrogen. Es bewirkt letztlich zwar genau das Gegenteil, da es das natürliche Östrogen nicht mehr zum Zug kommen lässt. Dennoch bleiben durch die ähnliche Struktur manche Effekte erhalten. So erklärt sich auch die erhöhte Thrombosegefahr.

Das Risiko sogenannter thrombembolischer Ereignisse, bei denen Gerinnsel in der Blutbahn verschleppt werden und Gefäße bei Engstellen verlegen können, wird mit "häufig" angegeben. Statistisch gesehen bedeutet das, das es von 100 Frauen bis zu 9 treffen kann. Bei einer gleichzeitigen Chemotherapie ist die Häufigkeit nochmal erhöht.

Das heißt aber immer noch: Es bleibt viel wahrscheinlicher, keine Thrombose zu bekommen. Außerdem muss man den Nebenwirkungen natürlich auch die beabsichtige positive Wirkung entgegenhalten. Und die verspricht bei Tamoxifen im besten Fall ein dauerhaftes Ausbleiben des Tumors nach der Operation.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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