Brustkrebs: Warum ist Letrozol nur nach den Wechseljahren geeignet?

Das liegt am Wirkmechanismus. Im Gegensatz zu anderen antihormonellen Medikamenten greift Letrozol (Femara®) nicht in die Funktion der Eierstöcke ein, sondern wirkt an anderer Stelle. Das hat Konsequenzen für den komplizierten hormonellen Regelkreis der Frau.

Um genauer zu verstehen, wie Femara® den Hormonhaushalt verändert und warum es nur nach der Menopause in Frage kommt, müssen wir uns auf einen kleinen Ausflug in die Pharmakologie begeben.

Ohne Aromatase kein Östrogen

Letrozol gehört zur Gruppe der sogenannten Aromatasehemmer. Sie hemmen, wie der Name schon sagt, die Aromatase, ein bestimmtes Enzym (Eiweißstoff), das die Umwandlung einer Vorstufe von Östrogen zum fertigen Hormon bewirkt – allerdings nicht an den Eierstöcken, den eigentlichen Hauptproduzenten der weiblichen Geschlechtshormone.

Es gibt nämlich noch andere Gewebe im Körper, die Östrogene produzieren, wenn auch in geringeren Mengen. Dazu gehören vor allem Fett- und Muskelzellen. In der Nebenniere werden zunächst die Vorläufer des Hormons hergestellt, die dann in Fett und Muskeln von der Aromatase vervollständigt werden.

Dieser zweite Produktionsweg macht es möglich, auch Frauen nach der Menopause effektiv zu behandeln und dem Tumor, sofern er hormonabhängig wächst, eine wichtige Nahrungsquelle zu entziehen. Bei Frauen vor den Wechseljahren gibt es dagegen bessere Mittel, die Hormonzufuhr zu drosseln, indem die Eierstöcke direkt ausgeschaltet werden.

Der lange Weg zum fertigen Hormon

Es gibt jedoch noch einen anderen Grund, weshalb Letrozol vor der Menopause nicht nur weniger effektiv, sondern auch schädlich ist.

Das Hormonsystem funktioniert über komplexe Regelkreise auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Am Ende steht das fertige Hormon, in unserem Fall das Östrogen. Ihm übergeordnet sind bestimmte Hormone, die die Bildung von Östrogen anregen. Sie nennen sich LH und FSH und werden von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) ausgeschüttet. Ganz oben in der Schaltzentrale steht das GnRH, das vom Hypothalamus, einer speziellen Hirnregion, gebildet wird. Dieses gebietet wiederum über LH und FSH und regt deren Freisetzung an.

So weit, so kompliziert. Was bedeutet das aber für die betroffenen Frauen?

Östrogenmangel und seine Folgen

Letrozol bewirkt über die Hemmung der Aromatase einen Hormonmangel. Die Hirnanhangsdrüse reagiert darauf, indem sie vermehrt LH und FSH bildet, um die Hormonproduktion wieder anzukurbeln. Wenn man sich jetzt klarmacht, was sich hinter den Abkürzungen verbirgt, wird deutlich, was dann passiert:

LH steht für luteinisierendes (gelbfärbendes) Hormon und stimuliert den Eisprung und die Bildung des Gelbkörpers, der im Falle einer Schwangerschaft eine wichtige Rolle einnimmt. FSH steht für follikelstimulierendes Hormon und bewirkt die Reifung der Eizelle bis zum Eisprung. Wenn vermehrt LH und FSH gebildet werden, wird vor allem das Follikelwachstum gesteigert, was einen Eisprung auslösen kann.

Mit anderen Worten kommt der Hormonhaushalt gründlich durcheinander, was in dieser Form nicht gewünscht ist.

Der hormonelle Status muss klar sein

Daher kommen für die Behandlung mit Letrozol nur Frauen nach der Menopause in Frage, bei denen die Eierstöcke und die übergeordneten Regelkreise ihre Funktion ohnehin eingestellt haben. Bei älteren Betroffenen, die bereits vor der Behandlung postmenopausal sind, wie die Mediziner sagen, ist die Sache klar.

Manchmal kommt es aber auch vor, dass bei jüngeren Frauen, die ursprünglich noch nicht in den Wechseljahren waren, nach einer langjährigen Hormontherapie die Östrogenproduktion in den Eierstöcken nicht mehr anspringt. Auch dann kommt, sofern nötig, eine weitere Behandlung mit Letrozol grundsätzlich in Frage. Um sicher zu sein, dass eine Frau tatsächlich postmenopausal ist, muss vor der Behandlung allerdings im Zweifelsfall ein Hormonstatus erhoben werden.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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