Brustkrebs: Werde ich durch Zoladex unfruchtbar?

Zoladex® (Goserelin) unterdrückt die Funktion der Eierstöcke und sorgt dafür, dass sie keine Östrogene mehr bilden. Ähnlich wie bei der Pille ist der Effekt allerdings nur vorübergehend. Nach Absetzen des Medikaments erholen sich die Eierstöcke in der Regel wieder.

Es klingt schlimmer als es ist

Vielleicht sind Sie bei Ihren Recherchen zu Zoladex® irgendwo auf den Begriff "chemische Kastration" gestoßen und seither verunsichert, was das Medikament bei Ihnen für Folgen haben könnte. Aber keine Sorge. So brutal und erschreckend das auch klingen mag, im Grunde besagt diese etwas drastische Formulierung nichts anderes als eine Unterbrechung der Funktion der Geschlechtsorgane mit Medikamenten.

Im Gegensatz zur eigentlichen (operativen) Kastration (lat. castrare: entmannen), bei der die Hoden bzw. Eierstöcke entfernt werden, ist die medikamentöse Unterdrückung jedoch vorübergehend. Die Keimdrüsen erhalten einfach eine Zeit lang keinen Auftrag, Hormone zu bilden und auszuschütten. So ahmt Goserelin einen bestimmten übergeordneten Botenstoff nach, der normalerweise eine Kaskade in Gang setzt, an deren Ende die Eierstöcke Östrogene ins Blut abgeben. Anders als beim "echten" Botenstoff bleibt die Weiterleitung des Signals unter Zoladex® jedoch aus.

Pause für die Eierstöcke

Genau das ist bei Brustkrebs auch gewollt und der eigentliche Sinn und Zweck der Behandlung. Viele Tumoren profitieren nämlich von den Hormonen, bedienen sich schamlos im befallenen Körper und gedeihen dadurch prächtig. Wenn sie keine Östrogene mehr vorfinden, fehlt ihnen ein wichtiger Wachstumsimpuls. So sollen die entarteten Zellen nach und nach geschwächt und ausgehungert werden.

Für die Eierstöcke bedeutet die Hormontherapie mit Goserelin quasi eine Art Auszeit. Sie stellen die Östrogenproduktion ein, ohne dabei jedoch geschädigt zu werden und ihre Funktion dauerhaft zu verlieren. Wenn das Medikament abgesetzt wird und sie von oben wieder den Impuls bekommen, ihrer Aufgabe nachzukommen, werden sie das in aller Regel anstandslos übernehmen.

Selten: vorzeitige Wechseljahre

Wieso "in aller Regel"? Manchmal kommt es tatsächlich vor, dass durch die antihormonelle Behandlung eine frühzeitige Menopause eingeleitet wird. Das heißt, Betroffene kommen dadurch nahtlos in die Wechseljahre. Das betrifft allerdings meist ältere Frauen, die bereits vor der Behandlung kurz vor der Menopause standen.

Was die Beschwerden anbelangt, müssen Sie jedoch damit rechnen, dass sie sich ganz ähnlich wie in den Wechseljahren äußern, da im Körper praktisch dasselbe geschieht. Schweißausbrüche und Hitzewallungen, trockene Schleimhäute und Stimmungsschwankungen sind daher nicht ungewöhnlich.

Genau wie bei der normalen hormonellen Umstellung des weiblichen Körpers gewöhnt sich der Organismus aber oft recht rasch daran, so dass die unangenehmen Begleiterscheinungen vor allem zu Beginn der Behandlung auftreten und im Verlauf bei vielen Frauen nachlassen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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