Wie wirkt Goserelin (Zoladex) bei Brustkrebs?

Zoladex® wird zur Hormontherapie bei Brustkrebs eingesetzt. Es hemmt einen übergeordneten Impulsgeber für die Ausschüttung von Östrogenen. Dadurch wird die Hormonbildung in den Eierstöcken unterdrückt.

Unser Hormonsystem ist ziemlich kompliziert. Es besteht aus mehreren Ebenen, die hierarchisch geordnet sind. Dabei erteilt die jeweils höhere Ebene der untergeordneten Befehle, deren Ausführung in einem ausgetüftelten Rückkopplungsmechanismus wiederum auf die Steuerungsebenen zurückwirkt.

Goserelin setzt ganz oben an

Um es etwas anschaulicher zu machen: Die oberste Schaltzentrale sitzt im Gehirn, genauer gesagt im sogenannten Hypothalamus. Im Falle der weiblichen Sexualhormone ist das dort gebildete GnRH der Impulsgeber für die untergeordnete Hirnanhangsdrüse, die Hypophyse. Sie produziert ihrerseits Botenstoffe (LH und FSH), die schließlich der untersten Ebene, den Eierstöcken, den Auftrag geben, die Endhormone (u.a. Östrogene) auszuschütten.

Die verschiedenen Ebenen sind deshalb wichtig zu verstehen, weil Goserelin an der obersten Stelle ansetzt. Es ist nämlich ähnlich aufgebaut wie der Impulsgeber GnRH, deshalb auch der Name GnRH-Analogon (griech. analogon: "ähnlich, gleichartig"). Dadurch ersetzt es ihn gewissermaßen, so dass GnRH selbst nicht mehr zum Zuge kommt.

Goserelin ist aber nur ein Scheinersatz. Denn im Gegensatz zum echten GnRH verteilt das künstlich nachgebildete keinerlei Aufträge an die ihm untergeordnete Hypophyse. Somit fühlen sich auch die Eierstöcke nicht bemüßigt, Östrogene zu bilden und stellen ihre Hormonproduktion ein.

Ohne Östrogen weniger Rezidive

Geeignet und effektiv ist Zoladex® daher bei Frauen vor den Wechseljahren, bei denen die Funktion der Eierstöcke noch intakt ist. Durch den Östrogenstopp wird Tumoren, die die Hormone zum Wachstum benötigen, eine entscheidende Nahrungsquelle entzogen.

Das ist wichtig, um einzelne Tumorzellen, die nach der Operation eventuell übriggeblieben sind, zu schwächen, damit sie erst gar nicht die Möglichkeit haben, sich wieder zu vermehren. Der Sinn einer Hormontherapie beim Brustkrebs ist also vor allem, Rückfälle (sogenannte Tumorrezidive) zu vermeiden. Antihormonell wirksame Medikamente können aber auch in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung zum Einsatz kommen. Hier sollen sie das weitere Tumorwachstum zumindest aufhalten.

Ob für Sie eine Behandlung mit Zoladex® in Frage kommt, hängt von mehreren Faktoren ab. Grundsätzlich gibt es neben den GnRH-Analoga noch andere Wirkstoffe, die zur Hormontherapie eingesetzt werden. Letztlich entscheidet Ihr Arzt darüber bzw. ein ganzes Team aus Ärzten, das für jede einzelne Betroffene einen individuellen Behandlungsplan erstellt.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

Anzeigen