Ist die Thermographie zur Früherkennung von Brustkrebs geeignet?

Es erscheint sehr verlockend: den Krebs anhand seiner Wärmeabstrahlung aufzuspüren, und das ohne jegliche Strahlenbelastung und sogar, ohne die Brust dabei zu berühren. Aber Vorsicht: Zuverlässig ist das Verfahren nicht.

Den Krebs zum Leuchten bringen

Vielleicht kennen Sie das Prinzip von der Wärmedämmung an Häusern. Mittels thermographischer Messungen kann dargestellt werden, wie gut ein Haus isoliert ist und und wo Wärme nach außen dringt. Die Infrarotstrahlung, die von der Hauswand abgegeben wird und die jeweilige Temperatur angibt, wird von einer Wärmebildkamera erfasst und bildlich dargestellt. Das Haus leuchtet dann je nach Isolierungsgrad in den unterschiedlichsten Farben. So lassen sich die Schwachpunkte eruieren.

Dasselbe Prinzip macht man sich auch bei der Thermographie für diagnostische Zwecke zunutze. Bösartige Tumoren sind stark durchblutet und stoffwechselaktiv. Das macht sie im Vergleich zum umliegenden Gewebe wärmer. Ein Aufleuchten auf dem Monitor könnte daher ein Hinweis auf Krebs sein.

Wissenschaftlich nicht begründet

Allerdings ist das Verfahren sehr ungenau und unspezifisch. Auch andere, gutartige Veränderungen der Brust oder Entzündungen können die Temperatur ansteigen lassen. Im Vergleich zu den etablierten Diagnoseverfahren schneidet die Termographie entsprechend schlecht ab.

Umso fahrlässiger ist es, sie, wie es immer wieder geschieht, als risikofreie und angenehme Alternative zur herkömmlichen Mammographie zu propagieren. Mitunter wird sogar behauptet, das Wärmebild würde den Krebs schon früher als die Röntgenuntersuchung sichtbar machen. Dafür gibt es jedoch keinerlei solide Anhaltspunkte.

Die Röntgenuntersuchung der Brust gilt als Standardmethode bei der Brustkrebsvorsorge. In zahlreichen Studien hat sie sich mit Blick auf die Detektionsrate und die Vermeidung der brustkrebsbedingten Sterblichkeit bewährt. Diese Stärken machen auch die Strahlenbelastung alle zwei Jahre vertretbar.

Keine Alternative zur Mammographie

Es wäre fatal, wenn Frauen zugunsten des vermeintlichen Wunderdetektors dem Mammographie-Screening fernblieben. Attraktiv erscheint das nicht nur wegen der fehlenden Strahlenbelastung. Für viele Frauen ist die Vorstellung, ihre Brust wird eingespannt und komprimiert, nicht gerade angenehm. Die Thermographie kommt dagegen ohne jeglichen Körperkontakt aus.

Lassen Sie sich von solchen Angeboten nicht blenden. Die Mammographie ist nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand das geeignetste Instrument, dem Brustkrebs möglichst frühzeitig auf die Schliche zu kommen, auch wenn sie ebenfalls keine 100%ige Sicherheit bietet und durchaus ihre Schwächen hat. Andere Verfahren können daher ergänzend sinnvoll sein.

Übrigens wird die Thermographie von den Krankenkassen auch nicht bezahlt. Sie orientieren sich in der Regel daran, was in Studien erwiesen und allgemeiner wissenschaftlicher Konsens ist.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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