Chemotherapie: Gehen die Nervenschäden (Neuropathie) wieder weg?

Leider beschränkt sich die Wirkung von Chemotherapeutika nicht immer allein auf den Krebs. Auch gesunde Körperzellen leiden unter der Behandlung und können über kurz oder lang geschädigt werden – meist aber nicht dauerhaft.

Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen

Nervenschäden sind dabei eher eine Spätfolge der Therapie, wobei sich das nicht pauschal sagen lässt. Manch einer verspürt bereits zu Beginn der Behandlung ein Kribbeln in Händen und Füßen, Taubheitsgefühle, Missempfindungen oder Schmerzen. Auch die Muskeln können betroffen sein, was sich in unangenehmen Zuckungen, Krämpfen wie auch einem deutlichen Kraftverlust äußern kann.

Von manchen Substanzen und Kombinationstherapien kennt man solche Nebenwirkungen bereits. Hier muss der Arzt besonders gut aufpassen und rasch geeignete Gegenmaßnahmen treffen, wenn entsprechende Beschwerden auftreten.

Und auch bei anderen Risikofaktoren ist Vorsicht geboten. Wenn jemand schon älter ist und womöglich bereits ein Nervenleiden hat (z.B. bedingt durch einen Diabetes oder Alkohol), ist er anfälliger für die entsprechenden Nebenwirkungen einer Chemotherapie.

Nach ein paar Monaten meist wieder weg

Die gute Nachricht ist: In der Regel bilden sich die Symptome nach der Therapie wieder zurück. Das kann einige Wochen oder sogar Monate dauern, weil die Nervengeflechte Zeit brauchen, um sich zu erholen.

Wenn die Beschwerden allerdings zu stark sind, kann man natürlich nicht einfach abwarten. Manchmal muss die Dosis reduziert oder ein Wirkstoff sogar ganz abgesetzt werden. Man kann eine Neuropathie aber auch behandeln bzw. vorbeugende Maßnahmen treffen. Im Vordergrund stehen dabei weniger Medikamente als viel mehr Bewegungstraining. Hier werden gezielt Übungen zur Stärkung der Balance und Koordination, der Kraft und Feinmotorik durchgeführt.

Gefahr von Verletzungen und Stürzen

Daneben sollten Sie stets gut auf sich und Ihren Körper achten. Ihr behandelnder Arzt wird Sie regelmäßig und vor allem vor Beginn eines jeden Chemotherpiezyklus nach Ihren Beschwerden befragen. Es ist wichtig, dass Sie ihm genau schildern, wie Sie die Therapie vertragen. Gerade Nervenschäden sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Kribbeln und Taubheit sind nicht nur unangenehm, sondern können auch gefährlich werden. Wenn man äußere Reize, Wärme, Kälte und Schmerz nicht mehr so gut spürt, verletzt man sich leicht, ohne es zu merken. Wenn die Muskeln betroffen sind und die Kraft nachlässt, kommt es auch schnell zu Stürzen.

Seien Sie daher vorsichtig, pflegen Sie Ihre Haut gut und führen Sie die Übungen, die Sie bei der Bewegungstherapie gelernt haben, auch alleine weiter. So lassen sich die Nebenwirkungen oft gut in den Griff bekommen, bis sie sich – hoffentlich vollständig – wieder zurückbilden.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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