Führt die Chemotherapie zu Taubheit in Händen und Füßen?

Ja, das ist durchaus möglich. Eine sogenannte Neuropathie (Nervenleiden) ist eine typische Spätfolge der Behandlung, kann aber auch bereits zu Beginn der Chemotherapie auftreten oder durch den Tumor selbst ausgelöst werden.

Chemotherapeutika sind gefürchtet, und viele Krebskranke haben große Angst vor der Behandlung. Nicht nur die Vorstellung, die Haare zu verlieren und damit nach außen hin ein deutliches Stigma der Erkrankung zu tragen, ist belastend, sondern auch die Sorge vor langfristigen Folgen.

Chemotherapie kann an den Nerven zehren

Auch wenn die Behandlung immer zielgerichteter wird, um möglichst nur den Tumor zu erreichen, wirken viele Substanzen doch nach wie vor auf den ganzen Körper und können auch gesunden Zellen Schaden zufügen.

Dabei unterscheidet man grob akute und späte Nebenwirkungen, wobei sie sich im Einzelnen oft überlappen und nicht klar voneinander abgrenzen lassen. Nervenreizungen zählen eher zu den Spätfolgen, können aber auch bereits zu Beginn der Behandlung auftreten.

Häufig sind Gefühlsstörungen in Form von Taubheit, Kribbeln, aber auch Überempfindlichkeit und Schmerzen. Wenn die Nervenfasern betroffen sind, die unsere Muskeln steuern, kann die Kraft nachlassen, oder es kommt zu unangenehmen Muskelkrämpfen.

Probleme im Alltag

Nervenschädigungen sind nicht ganz ungefährlich. Wenn das Feingefühl verlorengeht und man äußere Reize weniger gut wahrnimmt, besteht die Gefahr, sich zu verletzen, ohne es zu merken. Vielleicht kennen Sie dieses Problem bei Diabetikern: Sie spüren ihre Füße oft kaum mehr, merken nicht, wie der Schuh immerzu drückt und ziehen sich dadurch Druckstellen und tiefe Verletzungen zu.

Und natürlich brauchen wir unseren sensiblen Tastsinn und die Feinmotorik im Alltag. Selbstverständlichkeiten wie das Zuknöpfen eines Hemds oder Schnüren der Schuhsenkel können mit einem Mal zum Problem werden und viel Zeit kosten.

Nerven steuern nicht nur unsere Motorik und Sensibilität, sondern auch die Sinnesorgane. So kann auch das Sehen oder Hören beeinträchtigt sein, ebenso wie der Gleichgewichtssinn, der im Innenohr reguliert wird.

Es gibt Alternativen

Wenn Sie unter der Behandlung irgendeine dieser unerwünschten Wirkungen bemerken, teilen Sie dies Ihrem behandelnden Arzt mit. Er kann die Beschwerden abklären und gemeinsam mit Ihnen überlegen, wie es weitergeht.

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Jede chemotherapeutische Behandlung muss regelmäßig kritisch auf ihre Wirkungen und Nebenwirkungen hin hinterfragt werden. Wenn sich der Krebs nicht verkleinert, Sie aber erheblich unter der Therapie leiden, muss das jeweilige Medikament unter Umständen abgesetzt und durch ein anderes ersetzt werden. Oder der Arzt reduziert zunächst einmal die Dosis und nimmt vielleicht noch eine andere Substanz hinzu, um die Wirkung zu erhalten. Er kann und muss hier manchmal mit verschiedenen Optionen "spielen" und ausprobieren, was für Sie persönlich die beste Variante ist.

Das Gute an der verwirrenden Vielfalt der zahlreichen Therapieregime ist, dass viele verschiedene Substanzen zur Verfügung stehen. Wenn es bei Ihnen an Händen oder Füßen kribbelt oder schmerzt, müssen Sie daher keine Sorge haben, dass Sie die Chemotherapie grundsätzlich nicht vertragen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und fragen Sie ihn, was er noch für Sie in petto hat.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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