Brustkrebs: Kann ich nach einer Chemotherapie noch schwanger werden?

Alle Frauen im gebärfähigen Alter, die eine Chemotherapie bekommen sollen und die noch schwanger werden wollen, sollen vor der Chemotherapie eine ausgiebige Beratung durch ihren Arzt bekommen. Der folgende Beitrag kann diese ausführliche Beratung nicht ersetzen, aber einige Hinweise geben.

Ohne Eisprung keine Schwangerschaft

Die geplante Chemotherapie kann die Gonaden schädigen. Gonaden werden auch Keimdrüsen oder Geschlechtsdrüsen genannt. Bei der Frau sind das die Eierstöcke (= Ovarien). In diesen Keimdrüsen werden neben den Sexualhormonen (bei der Frau sind das Östrogene und Gestagene) auch die Eizellen gebildet.

Die Keimdrüsen können durch eine Chemotherapie geschädigt werden, wobei diese Schädigung vorübergehend oder auch dauerhaft sein kann. Äußeres Zeichen dieser Schädigung ist meist ein Ausbleiben der Periodenblutung und Symptome der Wechseljahre. Natürlich bleibt bei einer entsprechenden Schädigung auch der Eisprung aus, da zum einen durch das Wechselspiel der Hormone das Ei heranreift und zum anderen freigesetzt wird.

Ohne Eisprung aber kann keine Schwangerschaft entstehen. Gerade für jüngere Frauen, die betroffen sind und bei denen noch ein Kinderwunsch besteht, eigentlich eine sehr traurige Situation.

Nach Vorbehandlung häufiger wieder schwanger

Neuere Untersuchungen zeigen aber, dass man die Wahrscheinlichkeit, trotz und nach einer Chemotherapie Kinder zu bekommen, deutlich erhöhen kann. Das ist durch Gabe eines Hormons möglich, das vor Beginn der Chemotherapie gegeben wird. Dieses Hormon heißt Gonadotropin-Releasing-Hormon, abgekürzt GnRH.

Unabhängig davon, ob der Tumor positiv oder negativ für die Hormonrezeptoren ist, liegt der Anteil der Frauen, die ihre Periode nicht wieder bekommen haben, nach einer entsprechenden Vorbehandlung mit GnRH bei unter 10%, während die Rate bei Frauen ohne Vorbehandlung bei über 25% lag. Selbst in einer Studie, in der nur Frauen mit negativem Hormonrezeptor untersucht wurden, zeigten sich ganz ähnliche Ergebnisse.

Aber nicht nur das. Auch die Rate an Schwangerschaften und Geburten war in der Gruppe der mit GnRH vorbehandelten Frauen deutlich höher. Auch wenn nicht in jedem Fall eine Schädigung der Keimdrüsen durch eine Chemotherapie verhindert werden kann, durch eine Vorbehandlung mit GnRH kann die Situation entscheidend verbessert werden.

Aber auch die Frauen, bei denen nach einer Chemotherapie trotz GnRH-Vorbehandlung die Periode nicht wiedereinsetzt und die keinen Eisprung bekommen, müssen nicht verzweifeln. Ein besonderer Zweig der Gynäkologie, spezialisiert auf die Behandlung von sogenannten Fertilitätsstörungen (d.h. Schwierigkeiten, schwanger zu werden) kann auch in diesen Fällen oft weiterhelfen.

Wieder schwanger oder nicht, das entscheiden nur Sie

Und eins gilt auf jeden Fall: Auch nach einer Brustkrebserkrankung muss man von einer Schwangerschaft nicht abraten, und das gilt sogar unabhängig vom Hormonrezeptorstatus.

Im Klartext heißt das: Nur Sie alleine treffen die Entscheidung, nach einem Brustkrebs schwanger zu werden oder nicht, entsprechend Ihrer ganz persönlichen Lebensplanung. Wissenschaftlich gesicherte medizinische Argumente für oder gegen eine Schwangerschaft nach Brustkrebs sind so vage, dass sie unberücksichtigt bleiben können.

Und noch eine gute Nachricht: Viele junge Betroffene von Krebs können mittlerweile geheilt werden. Ob allerdings die Schädigung der Keimzellen durch eine Chemotherapie nur vorübergehend ist oder dauerhaft bestehen bleibt, kann man im Vorfeld nie sagen. Deshalb besteht die Möglichkeit, Eizellen und Spermien vor der Therapie zu entnehmen und einzufrieren, um sie dann nach der Behandlung auf dem Wege der künstlichen Befruchtung zu nutzen.

Bisher mussten die Betroffenen das allerdings selber bezahlen. Ein Betrag, der schnell ein paar Tausend Euro ausmacht. Nun fordert die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie eine Gesetzesänderung, mit der die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet werden, diese Kosten übernehmen.

Autor: Dr. med. Karlheinz Keppler

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