Was kann man gegen Übelkeit und Erbrechen nach der Chemotherapie tun?

Übelkeit und Erbrechen zählen zu den unangenehmsten und belastendsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Wer sie einmal erlebt hat, hat schon allein deswegen oft Angst vor dem nächsten Behandlungszyklus.

Junge Frauen besonders anfällig

Im Grunde können alle chemotherapeutischen Wirkstoffe Magen-Darm-Beschwerden bereiten. Bei manchen ist das Risiko jedoch größer, so dass man im Vorfeld bereits abschätzen kann, wie wahrscheinlich Betroffene hier Probleme bekommen werden. Auch eine höhere Dosis sowie die Kombination mehrerer Substanzen erhöhen die Gefahr.

Hinzu kommen individuelle Risikofaktoren jedes einzelnen Krebskranken. So sind Frauen, vor allem jüngere, insgesamt anfälliger als Männer. Auch die Begleitumstände, das Umfeld und die Tageszeit können eine Rolle spielen.

Der Übelkeit zuvorkommen

Das alles gibt dem Arzt zumindest einige Anhaltspunkte, wie er Sie vor den unangenehmen Nebenwirkungen am besten bewahren kann. Die gute Nachricht ist nämlich, dass es durchaus Mittel und Wege gibt, Übelkeit und Erbrechen zu bekämpfen bzw. erst gar nicht aufkommen zu lassen. Denn darum geht es bei der Behandlung in erster Linie: Medikamente werden bereits vorsorglich und begleitend zur Chemotherapie gegeben, damit es erst gar nicht so weit kommt.

Bei vielen chemotherapeutischen Substanzen oder Wirkkombinationen wird das von vorne herein so praktiziert. Eine sogenannte antiemetische Medikation (griech. anti: "gegen", emesis: "Erbrechen") bekommen Sie dann automatisch zu Beginn der Behandlung verabreicht. Vor allem bei Präparaten mit hohem "emetogenen" Risiko ist das üblich.

Bei der Behandlung unterscheidet man eine akute von einer verzögerten Phase. Am Tag der Chemotherapie bekommen Sie prophylaktisch Medikamente gegen die Übelkeit (akute Phase). An den darauffolgenden Tagen wird die Behandlung fortgeführt, allerdings meist weniger intensiv (verzögerte Phase). Wenn Sie Chemotherapie über mehrere Tage hinweg bekommen, geht das Spiel oft jeden Tag von neuem los, d.h. Sie bekommen die Prophylaxe für die akute Phase jeden Tag erneut, die verzögerte Phase schließt sich am Ende an.

Gegen Übelkeit gibt es viele Mittel

Welche Mittel Sie wie lange bekommen, hängt von der jeweiligen Chemotherapie und von Ihrem individuellen Risiko ab. Wichtig ist jedenfalls, dass der Erfolg der Prophylaxe überprüft und die Behandlung ggf. geändert wird, falls Sie dennoch Beschwerden bekommen.

Es gibt glücklicherweise eine ganze Reihe von Substanzen, die gegen Übelkeit und Erbrechen wirken. Wenn Sie auf ein Medikament nicht reagieren, kann es sehr wohl sein, dass ein anderes besser für Sie geeignet ist. Vielleicht ist es im Gegenzug auch möglich, die Chemotherapie abzuändern oder die Dosis etwas zu reduzieren. Hier müssen Sie zusammen mit Ihrem Arzt herausfinden, was das Beste für Sie ist.

Die Angst vor der nächsten Chemo

Wenn Sie trotz optimaler Prophylaxe immer wieder unter Magen-Darm-Beschwerden leiden, kann es sein, dass sich die Symptome bei Ihnen quasi verselbständigt haben. Es ist die Angst, die vielen schon im Vorfeld der nächsten Behandlung ein flaues Gefühl im Magen bereitet. Wenn die Chemotherapie dann beginnt, sich Übelkeit, Würgereiz und Erbrechen oft schon vorprogrammiert. Ärzte sprechen hier auch von einem sogenannten antizipatorischen Erbrechen.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, muss man oft auf andere Mittel zurückgreifen. Denn auch viele Medikamente gegen die Übelkeit kommen gegen eine solche Erwartungsangst alleine nicht mehr an. Unterstützend können hier Verfahren wie Akupunktur, Entspannungstechniken und Massagen helfen. Die Wirkungen sind streng wissenschaftlich zwar noch nicht abschließend erwiesen, können im Einzelfall aber gut helfen.

Wie Psychotherapie Übelkeit vertreibt

Und schließlich gibt es noch eine Option, die Ihnen womöglich noch gar nicht in den Sinn gekommen ist und auch etwas abwegig klingen mag: eine Psychotherapie. "Reden gegen die Übelkeit?" werden Sie sich jetzt vielleicht fragen. Ja, das kann manchmal sehr hilfreich sein.

Und zwar dann, wenn sich die Erwartung und die Angst vor dem nächsten Zyklus mit seinen unangenehmen Folgen in Ihrem Kopf festgesetzt haben. Psychologen sprechen hier von einer klassischen Konditionierung: Ein Reiz wird mit einer negativen Erwartung verknüpft. Irgendwann reicht allein der Reiz aus, um entsprechende Beschwerden hervorzurufen. Typischerweise wird Betroffenen dann z.B. schon schlecht, wenn sie nur das Behandlungszimmer sehen oder den Geruch der Praxis bzw. Klinik riechen, in der sie die Chemotherapie erhalten.

Scheuen Sie sich daher nicht, auch Hilfen anzunehmen, die Ihre Psyche stärken und aufbauen. Sie als ganzer Mensch stehen vor der Behandlung und sollen ihr bestmöglich gewachsen sein. Dazu ist es wichtig, sich körperlich und seelisch so gut es geht fit zu halten.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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