Brustkrebs: Wird mir schlecht von der Chemotherapie?

Wenn Ihnen eine Chemotherapie bevorsteht, haben Sie sich vielleicht schon näher damit befasst und sicher schon von den schlimmen Nebenwirkungen gehört, die sie hervorrufen kann. Übelkeit und Erbrechen stehen dabei mit an erster Stelle.

Alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist

Es gehört leider zu den nicht vermeidlichen Eigenschaften chemotherapeutischer Wirkstoffe, dass sie nicht nur den Tumorzellen an den Kragen gehen, sondern auch den restlichen Körper belasten und schädigen können. Das liegt daran, dass sie sich recht ziellos auf sämtliche Zellen stürzen, die sich schnell teilen und eine hohe Wachstumsrate haben. Denn genau das ist die Strategie von Krebs: sich möglichst schnell auszubreiten und immer weiter zu wuchern.

Aber auch andere, gesunde Zellen unseres Körpers vermehren sich schnell und leiden unter der Behandlung. Dazu zählen u.a. die Schleimhautzellen des gesamten Magen-Darm-Bereichs. Entsprechend kann es unter der Chemotherapie zu Problemen in diesem Bereich kommen.

Darüber hinaus sind Übelkeit, Würgereiz und Erbrechen unspezifische Beschwerden, die bei allen Krebstherapien auftreten können. Auch eine Hormontherapie oder Bestrahlung können dafür sorgen, dass Ihnen übel wird.

Risiken und individuelle Faktoren

Aber wen trifft es? Manchmal lässt sich das im Vorfeld schon erahnen. So gibt es Wirkstoffe und vor allem Kombinationen aus mehreren Chemotherapeutika, die besonders häufig zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Und natürlich kommt es auch auf die Dosierung an. Mehr wirkt zwar besser, schadet aber auch entsprechend.

Weil man das weiß, werden oft bereits vorsorglich und begleitend zur Therapie Medikamente gegeben, die der Übelkeit entgegenwirken.

Aber auch andere, individuelle Faktoren spielen eine Rolle und lassen das Risiko, ob Sie sich unter der chemotherapeutischen Behandlung übergeben müssen, in etwa abschätzen. Als Frau gelten Sie grundsätzlich als anfälliger für diese unangenehme Nebenwirkung als Männer.

Zu den Risikofaktoren jeder einzelnen Betroffenen zählen weiterhin:

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  • das Alter: je jünger, umso höher die Wahrscheinlichkeit
  • Anfälligkeit für Übelkeit auf Reisen
  • Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft
  • ähnliche Beschwerden in einer vorherigen Chemotherapie
  • Ängstlichkeit und eine entsprechende Erwartungshaltung ("Bestimmt wird mir beim nächsten Zyklus wieder schlecht.")

Übrigens: Chronischer, starker Alkoholkonsum setzt das Risiko für derartige Probleme eher herab. Was natürlich nicht bedeuten soll, dass Sie zum Alkoholiker werden sollten. Alkohol schadet bekanntermaßen anderweitig und verträgt sich auch sonst nicht besonders gut mit der Chemotherapie.

Es gibt viele Möglichkeiten

Der Arzt wird all diese Risikofaktoren berücksichtigen und Sie so gut wie möglich auf die Therapie vorbereiten. Wenn Sie dennoch Probleme bekommen und die Medikamente nicht gut vertragen, bestehen noch immer Möglichkeiten, Ihnen zu helfen.

Es gibt viele unterschiedliche Substanzen gegen die Übelkeit. Wenn die eine bei Ihnen nichts bringt, heißt das noch lange nicht, dass auch alle anderen nicht wirken. Hier müssen Sie mit Ihrem Arzt einfach ausprobieren, was Ihnen am besten hilft.

Er wird Sie, sofern Sie mehrere Behandlungen bekommen, nach jedem Zyklus bzw. vor jedem neuen fragen, sie Sie die Therapie vertragen haben. Bei starken Nebenwirkungen muss sie entsprechend abgewandelt werden. Manchmal kann man auch versuchen, die Dosis etwas zu reduzieren. In anderen Fällen muss das gesamte Therapieschema umgestellt werden.

Chronifizierung vermeiden

Sie sehen also, Übelkeit und Erbrechen gehören nicht zwangsläufig zu einer Chemotherapie und müssen von den Betroffenen auch nicht einfach stoisch hingenommen werden. Nicht alle leiden unter diesen unangenehmen Beschwerden. Und wenn sie doch auftreten, gilt es, sie möglichst rasch zu bekämpfen.

Denn eines sollte nicht passieren: dass Ihnen vor lauter Angst vor der nächsten Behandlung bereits im Vorfeld übel wird. Der flaue Magen und empfindsame Darm haben dann oft mit der eigentlichen Chemotherapie gar nichts mehr zu tun. Daher helfen hier auch nicht allein Medikamente. Sie können aber wirksam unterstützt werden, beispielsweise durch Entspannungstechniken, Akupunktur oder Massagen. Auch ein Psychotherapeut kann Ihnen helfen, den Teufelskreis der Angst und Erwartung vor der gefürchteten Therapie zu durchbrechen.

Machen Sie es sich so angenehm wie möglich

Daneben spielen die Begleitumstände und die ganze Umgebung eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Stellen Sie sich auf die Behandlung ein, und sehen Sie ihr möglichst gelassen entgegen.

Wenn Sie eine Infusion bekommen, richten Sie es sich am Behandlungsort ein und machen es sich gemütlich und heimelig. Ziehen Sie bequeme Sachen an, in denen Sie sich wohlfühlen; nehmen Sie sich etwas zu lesen mit, oder hören Sie Musik; besorgen Sie sich ein kleines Duftkissen etwa mit Lavendel, um den sterilen Klinik- bzw. Praxisgeruch zu vertreiben. Sehen Sie das Ganze vielleicht sogar als willkommenen Ausbruch aus dem Alltagsleben, als Zeit, die Sie allein für sich haben und sich widmen dürfen.

Mit all diesen Mitteln und Tricks kann man der Übelkeit bereits im Vorfeld entgegenwirken. Denn genau darum geht es bei der Behandlung: es erst gar nicht so weit kommen zu lassen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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