Erholt sich die Mundschleimhaut nach der Chemotherapie wieder?

Davon ist auszugehen. Trotzdem können die Beschwerden während der Behandlung unangenehm und belastend sein. Daher ist eine gute Mundpflege und ggf. auch Behandlung wichtig.

Unsere Schleimhäute sind äußerst regenerationsfähig. Wer sich einmal aus Versehen auf die Zunge beißt, verteufelt sich zwar zunächst, weiß aber auch, dass der Schmerz bald wieder nachlässt und die Zunge sich rasch erholt. Das liegt daran, dass sich die Zellen der Schleimhaut sehr schnell teilen. Dadurch kommt ständig frischer Nachschub, der das alte Gewebe ersetzt.

Es trifft die Schnellsten

So gut dieser Mechanismus auch eingerichtet ist, so gefährdet sind gerade die Schleimhäute bei einer Chemotherapie. Denn sie ist genau auf solche Zellen abgerichtet, die sich ständig vermehren, wie es für bösartige Tumoren typisch ist. Darunter leiden auch all jene gesunden Körperzellen, die ein ebenso rasantes Tempo an den Tag legen. Neben dem gesamten Magen-Darm-Trakt sind das vor allem das Knochenmark und die Haare.

Zum Glück lassen sich die Zellen der Schleimhaut nicht lange erschüttern und erholen sich schon bald nach der Behandlung wieder. Nach ein paar Wochen ist in der Regel nichts mehr zu spüren. Dennoch ist es wichtig, während der Behandlung gut darauf zu achten und vor allem die Mundpflege nicht zu vernachlässigen. Am besten, Sie beherzigen bereits vorbeugend einige Ratschläge, um sich zu schützen.

Vor der Chemo nochmal zum Zahnarzt

Wenn bei Ihnen eine Chemotherapie geplant ist, sollten Sie davor möglichst nochmal zum Zahnarzt gehen und Ihre Zähne und das Zahnfleisch untersuchen lassen. Mit einem frisch sanierten Mund fühlt man sich zum einen besser und ist zum anderen gut für die Krebsbehandlung gerüstet.

Außerdem kann Ihnen der Zahnarzt Tipps zur Mund- und Zahnpflege geben. So können Sie beispielsweise mit regelmäßigen Spülungen Entzündungen vorbeugen. Auch spezielle Zahncremes und -gele schützen den Mundbereich zusätzlich.

Milde, aber gründliche Mundpflege

Wenn Sie bereits Beschwerden in Form von Rötungen und Brennen oder schmerzhafte offene Stellen haben, ist es sehr wichtig, dass Sie Ihren Mund gerade jetzt weiterhin gut pflegen, auch wenn das unangenehm ist. Es gibt extra weiche Zahnbürsten und besonders milde Zahnpasta, die das Putzen erleichtern. Vermeiden Sie außerdem sehr kaltes oder heißes Wasser und drehen den Wasserhahn stattdessen auf lauwarm. Tupfen Sie den Mund nur vorsichtig trocken, und pflegen Sie Ihre Lippen mit fetthaltigen Cremes, damit sie nicht austrocknen.

Auch Mundtrockenheit kann Folge einer Chemotherapie sein. Dadurch wird die natürliche Schutzbarriere der Schleimhaut beeinträchtigt, was sie wiederum anfälliger für Infektionen und Verletzungen macht. Hier hilft es, viel zu trinken, den Mund zu spülen und zu gurgeln.

Erreger haben leichtes Spiel

Bei starken Schmerzen kann Ihnen Ihr Arzt auch Schmerzmittel verordnen. Wenn Sie sich darüber hinaus eine Infektion mit Bakterien, Pilzen oder Viren zugezogen haben, werden Sie ebenfalls entsprechend behandelt. Nicht nur Ihre angegriffene Schleimhaut ist für die Erreger ein willkommener Nährboden; auch Ihre Abwehr ist durch die Behandlung geschwächt und kann äußere Eindringlinge weniger gut bekämpfen.

Der Mund ist ein wichtiger und sensibler Bereich. Er ist nicht nur Eintrittspforte für äußere Eindringlinge, sondern dient auch schlicht der täglichen Nahrungsaufnahme. Ein entzündeter, schmerzender Mund lässt wenig Appetit aufkommen. Gerade für die Therapie brauchen Sie aber Kraft und genug Energie. Sorgen Sie daher für eine gründliche Mundpflege, damit Ihnen das Essen weiterhin schmeckt und Sie Erreger von sich fernhalten.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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