Chemotherapie: Was tun gegen die Müdigkeit (Fatigue)?

Fatigue ist mehr als nur ein bisschen Müdigkeit. Neben einer ausgeprägten Erschöpfung gehören auch psychische Veränderungen dazu. Entsprechend vielfältig ist die Behandlung.

Viele Menschen mit Krebs leiden unter ausgeprägten Erschöpfungszuständen. Obwohl sie sich nicht verausgaben und ausreichend schlafen, sind sie dauerhaft müde und schlapp, sind antriebs- und lustlos, möglicherweise auch verstimmt und weniger aufmerksam. All diese Beschwerden können Ausdruck eines Phänomens sein, dass häufig bei Krebs vorkommt: die sogenannte Fatigue (französisch fatigue = "Müdigkeit", "Erschöpfung").

Viele Ursachen, viele Behandlungsmöglichkeiten

Dabei spielen wohl körperliche Vorgänge eine Rolle, die durch den Krebs selbst bedingt und aus dem Gleichgewicht geraten sind. Die Fatigue ist aber auch eine typische Nebenwirkung der Chemotherapie, die viele Betroffene befällt und manchmal auch für längere Zeit anhält. Und schließlich ist auch die seelische Belastung und Auszehrung durch die Tumorerkrankung nicht zu vergessen. Alle Kraft und Lebensenergie scheint zu schwinden angesichts der dramatischen Diagnose: Krebs.

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Aber auch, wenn noch weitgehend unklar ist, wie genau es zu der andauernden Erschöpfung kommt, stehen Ärzte und Betroffene den Beschwerden nicht machtlos gegenüber. Die Chemotherapie packt das Problem an der Wurzel und hilft, den Krebs zu zerstören. Die negativen Folgen der Behandlung wiederum können oftmals zumindest eingedämmt werden. Wenn Ihnen zum Beispiel schwere Übelkeit und wiederkehrendes Erbrechen zu schaffen machen und Sie auslaugen, kann Ihnen der Arzt Medikamente dagegen geben. Auch eine therapiebedingte Blutarmut kann man behandeln.

Es gibt auch Mittel, die direkt gegen die Erschöpfung wirken. Sie sind aber bestimmt nicht die erste Wahl und werden nur in Ausnahmefällen verabreicht. Viel wichtiger sind andere Maßnahmen und was Sie selbst gegen die Niedergeschlagenheit tun können.

Psychologische Unterstützung und Hilfen im Alltag

Eine psychologische Betreuung hat sich als sehr wirksam im Kampf gegen die andauernde Müdigkeit erwiesen. Scheuen Sie sich nicht, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie gehört zur Krebsbehandlung wie jede andere Therapie auch. Das hat sich inzwischen auch in Fachkreisen herumgesprochen. Psychoonkologie ist eine eigene Qualifikation, die heute in vielen Kliniken neben der medikamentösen und operativen Versorgung selbstverständlich ist.

Und dann sind da noch die kleinen Dinge des Alltag, die das Leben erleichtern und auch eine länger anhaltende Fatigue positiv beeinflussen können:

Eine gute Schlafhygiene mit regelmäßigen Schlaf- und Wachzeiten und ein strukturierter Tagesablauf können Wunder wirken. Auch kleine Umstellungen im Alltag sind oft hilfreich. Vielleicht müssen Sie ja nicht alles selbst erledigen, sondern können manche Aufgaben auch abgeben. Oder Sie teilen sich beschwerliche Dinge ein und erledigen nicht alles auf einmal.

Vielleicht helfen Ihnen auch kleine Auszeiten, die Sie sich zwischendurch immer mal wieder gönnen. Neben einem Schluck Kaffee mit hochgelegten Füßen können das auch Entspannungsverfahren, kurze Meditationen oder Achtsamkeitsübungen sein.

Raus mit Ihnen!

Am wichtigsten ist jedoch Bewegung! Auch wenn Ihnen so gar nicht danach ist und Sie am liebsten den ganzen Tag im Bett verbringen würden: Studien haben eindeutig belegt, dass Bewegung mindestens so effektiv wie die psychologische Unterstützung und Medikamenten sogar bei weitem überlegen ist. Es ist also nicht nur so dahingesagt, dass der Alleskönner Sport auch die krebsbedingte Müdigkeit verbessert.

Dabei geht es nicht um Höchstleistungen, sondern um eine angemessene körperliche Betätigung, die Ihrem Fitnessgrad entspricht. Schon ein Spaziergang in etwas zügigerem Tempo zählt. Am besten geeignet sich Ausdauersportarten wie eben schnelleres Gehen, Joggen, Radfahren und Schwimmen. Wenn Sie dabei noch an der frischen Luft sind, tun Sie sich gleich mehrfach etwas Gutes.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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