Chemotherapie: Was ist eine Fatigue?

Fatigue bedeutet nichts anderes als Müdigkeit oder Erschöpfung. Sie ist aber weit mehr als das. Als Symptom einer Krebserkrankung, aber auch in Folge einer Chemotherapie kann sie zu einer enormen Belastung werden und die Lebensqualität deutlich einschränken.

Jeder ist mal müde und ausgelaugt. Nach einem anstrengenden Tag oder einer größeren Belastung ist das auch nicht weiter verwunderlich. Ein bisschen Ruhe, Entspannung und Schlaf, und schon fühlt man sich wie neugeboren.

Körperlich und psychisch ausgelaugt

Anders ist das bei Menschen mit einer Tumorerkrankung. Der Krebs selbst, aber auch die Behandlung können zu einer ausgeprägten Erschöpfung führen, die in keinem Verhältnis zu Aktivität und Anstrengung steht und auch mit noch so viel Schonung nicht vergeht.

Zu der körperlichen Schwäche und Kraftlosigkeit können sich auch psychische Beschwerden hinzugesellen: Man ist lustlos, zu nichts zu motivieren, kann sich schlecht konzentrieren und sich nicht mehr alles so gut merken. Dieser ganze schwer fassbare Komplex aus physischen und psychischen Beschwerden wird in der Medizin auch als Fatigue bezeichnet.

Nach einer Chemotherapie bei Brustkrebs entwickeln viele Frauen eine mehr oder weniger ausgeprägte Fatigue. Oft verschwindet sie nach der Behandlung wieder. Bei manchen Betroffenen hält sie jedoch auch über Monate oder sogar Jahre an. Das kann zu einer dauerhaften Belastung führen und den beruflichen wie auch sozialen Bereich erheblich beeinträchtigen.

Vielfältige Ursachen

Wie genau es dazu kommt, ist unklar. Es spielen wohl mehrere Faktoren eine Rolle. Sicherlich stürzt die Diagnose Krebs viele Betroffene in eine Krise. Die Gedanken kreisen nur noch um die Erkrankung, Zukunftsängste kommen auf, und alle Energie und Lebenskraft scheint wie weggefegt. Diese seelische Ausnahmesituation trägt bestimmt ihren Teil dazu bei, dass der Körper in eine schwere Erschöpfung fällt, bei der auch Schlaf nicht mehr hilft.

Aber Fatigue ist kein rein psychisches Problem. Krebs ist eine umfassende Erkrankung, die den gesamten Körper in Mitleidenschaft zieht und den Stoffwechsel durcheinanderbringt. Möglicherweise aktiviert der Tumor auch bestimmte Entzündungszellen. Auch das kann die anhaltende Erschöpfung erklären.

Und schließlich löst eine Chemotherapie bei vielen Betroffenen eine Fatigue aus. Die Wirkstoffe greifen nämlich auch gesunde Zellen an, schwächen die körpereigene Abwehr und können das Blutbild verändern. Eine Anämie (Blutarmut) etwa geht oft mit Müdigkeit und Blässe einher.

Beratung und Bewegung helfen

Aber: So vielfältig die möglichen Ursachen einer Fatigue sind, so zahlreich sind auch ihre Angriffsflächen. Der Krebs selbst wird schon durch die Chemotherapie bekämpft. Die schädlichen Folgen dieser Behandlung wiederum lassen sich oft beheben oder zumindest lindern.

Am wichtigsten ist jedoch eine psychosoziale Unterstützung sowie ausreichend Bewegung. Durch eine professionelle Beratung erlernen Sie wertvolle Strategien im Umgang mit der Erkrankung und zur Bewältigung Ihres Alltags. Maßvolle Bewegung, die Ihrer Leistungsfähigkeit entspricht, hat sich darüber hinaus als überaus effektiv gegen die andauernde Müdigkeit erwiesen.

Auch wenn Sie sich schlapp und ausgelaugt fühlen – schnüren Sie Ihre Laufschuhe und gehen Sie ins Freie! Das tut gleich mehrfach gut: Sowohl Ihr Körper als auch Seele und Geist werden davon profitieren.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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