Brustkrebs: Können Tests das Ansprechen auf Chemotherapie vorhersagen?

Eine Chemotherapie kann vielen Frauen mit Brustkrebs das Leben verlängern. Allerdings profitieren nicht alle Frauen gleichermaßen davon. In den letzten Jahren sind unterschiedliche Tests zur Vorhersage des Therapieerfolgs auf den Markt gekommen. Aber noch sind nicht alle ausreichend geprüft.

Aktuell sind vier Tests verfügbar, die Ärzten und an Brustkrebs erkrankten Frauen helfen sollen, sich für oder gegen eine Chemotherapie zu entscheiden:

Femtelle® - uPA/PAI-1-Test

Dieser in Deutschland entwickelte Test ist der einzige, für den bereits Daten aus prospektiven Studien (der verlässlichste Studientyp) vorliegen. Er untersucht Proteine, die eine Aussage über das Krebsrückfallrisiko machen können. Sind die Proteine in sehr geringer Konzentration vorhanden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie tatsächlich von einer Chemotherapie profitieren, eher gering.

Dieser Test wird allerdings nicht bei Betroffenen mit befallenen Lymphknoten durchgeführt und kann nur an frischen Gewebeproben erfolgten. Das heißt, dass Sie sich bereits vor der Operation dafür entscheiden müssen.

MammaPrint®

Der Test untersucht Gene, die ebenfalls auf ein erhöhtes Rückfallrisiko hindeuten können. Er ist auch eher für Frauen in frühen Krebsstadien ohne befallene Lymphknoten geeignet.

EndoPredict®

Hier werden Gene analysiert, die für das Tumorwachstum verantwortlich sind. Es liegen Studienergebnisse bei Frauen nach der Menopause sowie mit positiven Hormonrezeptoren vor, die bereits mit einer Hormontherapie behandelt wurden.

Oncotype DX®

In diesem Test wurden 21 Gene bei Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium ohne Lymphknotenbefall und mit positiven Östrogenrezeptoren untersucht. Die Ergebnisse wurden im Juni 2018 veröffentlicht und sind vielversprechend.

Demnach zeigte sich, dass der Test diejenigen Frauen detektieren kann, bei denen nach der Operation keine zusätzliche Chemo- neben der Hormontherapie nötig ist. Der Test kann voraussagen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls bei den Betroffenen ist. Je nach Risiko ist eine erweiterte Behandlung sinnvoll oder nicht. In den meisten Fällen konnte tatsächlich auf die Chemotherapie und ihre nicht unerheblichen Nebenwirkungen verzichtet werden, ohne die Frauen damit zu gefährden.

Dass die Studie aussagekräftig ist, zeigt schon allein die Anzahl an Frauen, die untersucht wurden, wie auch der Zeitraum der Nachbeobachtung von 9 Jahren. Insgesamt nahmen rund 10.000 Frauen teil. Bei rund 70% war laut Gentest unklar, ob sie von einer zusätzlichen Chemotherapie profitieren. Also wurden sie in zwei zufällig ausgewählte Gruppen unterteilt, wobei die eine allein eine Hormontherapie und die andere eine Kombinationstherapie erhielt.

Laut Test: Chemotherapie oft nicht nötig

Das Ergebnis: Die Rückfallquote war in beiden Gruppen etwa gleich, so dass einem Großteil dieser Frauen die belastende Chemotherapie erspart bleiben kann. Da etwa die Hälfte aller entdeckten Brustkrebserkrankungen hormonrezeptorpositiv und noch im Frühstadium ist, ist die Anzahl an Betroffenen insgesamt, die in Zukunft davon verschont bleiben könnte, erheblich.

Daneben bleibt der pathologische Befund, also die Untersuchung des Tumorgewebes, weiterhin relevant. Der Test kann aber in Zukunft noch präzisere Vorhersagen liefern und Ärzten die Therapieentscheidung erleichtern.

Noch wird der Gentest von den meisten gesetzlichen Krankenkasse nicht finanziert und noch selten angewandt. Das könnte sich nach den positiven Ergebnissen in Zukunft allerdings ändern.

Noch ist Zurückhaltung geboten

Grundsätzlich kommen diese Tests nur bei Frauen in Frage, die in kurativer Absicht (mit der Aussicht auf Heilung) behandelt werden. Weiterhin eignen sich der Oncotype DX® und der EndoPredict® nur, falls Sie an einem hormonempflindlichen Tumor erkrankt sind. Auch die Zahl der befallenen Lymphknoten entscheidet darüber, ob ein Test für Sie geeignet ist oder nicht.

All diese Verfahren sind gerade sehr medienpräsent, denn es steckt auch ein gewisses kommerzielles Interesse dahinter. Aktuell werden die Kosten jedoch noch nicht von der Krankenkasse übernommen, da noch weitere klinische Studien folgen müssen. Bisher spricht die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie auch nur für den Femtelle® - uPA/PAI-1-Test eine konkrete Empfehlung aus.

Die Forschung rund um die verschiedenen Vorhersagetests wird aber momentan stark vorangetrieben, so dass sich in Zukunft einiges ändern könnte und manche Verfahren in die Regelversorgung einfließen könnten. Es bleibt spannend.

Autoren: Rebeka Major, Eva Bauer (Ärztin)

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