Brustkrebs: Macht eine Chemotherapie unfruchtbar?

Das ist leider möglich, aber nicht zwangsläufig. Besonders bei jungen Frauen strebt man eine möglichst effiziente, aber dadurch auch aggressive Therapie an, um das Wiederauftreten des Tumors zu vermeiden und das Überleben zu verlängern. Viele junge Frauen mit Brustkrebs haben demzufolge mit Infertilität zu kämpfen.

Chemotherapie macht leider auch vor den Geschlechtsorganen nicht Halt und kann zu Unfruchtbarkeit führen. Bei 40% bis 68% der Betroffenen bleibt die Regelblutung nach der Chemotherapie aus. Zwar erholen sich die Eierstöcke in vielen Fällen, so dass sich nach einer Weile wieder eine regelmäßige Regelblutung einstellen kann; allerdings ist das Risiko für ein vorzeitiges Eintreten der Wechseljahre stark erhöht.

Medikamente zur Vorbeugung

Mithilfe bestimmter Medikamente ist es manchmal möglich, dem Verlust der Fertilität vorzubeugen. In Studien hat sich gezeigt, dass die Gabe von Substanzen, die in den Hormonhaushalt eingreifen (sogenannte GnRH-Analoga), vor Beginn der Chemotherapie vor einer Infertilität schützen kann. Im Vergleich kamen unter den Frauen, die das Medikament erhielten, weniger in eine vorzeitige Menopause als unter denjenigen, bei denen gleich die Chemotherapie durchgeführt wurde.

Hierüber kann Sie aber Ihr Arzt genauer informieren. Eine Beratung zur Fertilität und deren Erhalt gehört zum Aufklärungs- und Beratungsgespräch vor Beginn der Therapie.

Die Technik macht's möglich: Eizellen einfrieren

Durch die rasanten Fortschritte im Bereich der Reproduktionsmedizin ist es heute außerdem möglich, trotz Krebserkrankung nicht auf die Familienplanung zu verzichten, auch wenn eine Schwangerschaft nach der Therapie auf natürlichem Wege ausgeschlossen ist.

Es besteht die Möglichkeit, Eizellen (befruchtet oder unbefruchtet) vor der Chemotherapie einzufrieren, die nach Abschluss der Behandlung wieder eingesetzt werden können. Dazu ist jedoch ein Aufschub der Therapie um etwa zwei Wochen erforderlich. Denn vor einer Eizellentnahme erfolgt eine Stimulation mit Hormonen. Dadurch sollen mehrere Eizellen auf einmal heranreifen, um anschließend 10 bis 20 davon zu entnehmen.

Eine Garantie für eine nachfolgende Schwangerschaft ist das Verfahren jedoch nicht. Nach Brustkrebs sind die Chancen noch etwas geringer als ohne eine bösartige Erkrankung im Vorfeld. Aber auch bei gesunden Frauen gibt es keine Garantie für eine Schwangerschaft.

Sie sollten aber wissen, dass es auch für Sie Möglichkeiten gibt, Sie bei der Umsetzung eines Kinderwunsches zu unterstützen. Informieren Sie sich daher vor der Behandlung unbedingt bei Ihrem Arzt über die heutigen Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin.

Schwanger nach Brustkrebs? Trauen Sie sich!

Übrigens: Falls Sie in der Vergangenheit Brustkrebs hatten, eine Chemotherapie erhalten haben und nach abgeschlossener Therapie schwanger geworden sind, haben Sie nicht mit einem erhöhten Risiko für kindliche Fehlbildungen zu rechnen. Allerdings kann es vermehrt zu Komplikationen in der Schwangerschaft kommen, wie etwa eine Frühgeburt.

Die Befürchtung, durch die hormonelle Umstellung während einer Schwangerschaft könnte das Risiko steigen, dass der Tumor wieder ausbricht, hat sich nicht erhärtet. Im Gegenteil: In einer Studie, bei der Schwangere und nicht schwangere Frauen nach Brustkrebs verglichen wurden, zeigte sich ein besseres Gesamtüberleben der schwangeren Frauen.

Über die Gründe lässt sich freilich nur spekulieren. Manche Wissenschaftler vermuten einen sogenannten "healthy mother effect" dahinter. Wie dem auch sei – Sie sollten sich nach Abschluss der Therapie Ihre Familienplanung nicht vom Brustkrebs diktieren lassen, sondern Ihren eigenen Wünschen und Lebensplänen folgen.

Autoren: Rebeka Major, Eva Bauer (Ärztin)

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