Brustkrebs: Gibt es pflanzliche Alternativen zur Chemotherapie?

Wenn mit Alternative der gleichwertige Ersatz gemeint ist, muss diese Frage mit einem klaren Nein beantwortet werden. Ersetzen können pflanzliche Präparate eine Chemotherapie nicht. Zumindest gibt es kein pflanzliches Mittel, das in klinischen Studien bisher eine Überlegenheit gegenüber Chemotherapeutika gezeigt hat.

 

Das heißt aber nicht, dass Heilpflanzen bei Krebs unnütz sind. Als ergänzende Therapieformen können sie neben einer Standardtherapie durchaus sinnvoll sein – zum einen, in dem sie direkte Linderung verschaffen, zum anderen, weil einige Heilpflanzen durchaus einen Anti-Krebs-Effekt zu haben scheinen.

Kein Ersatz, aber eine gute Ergänzung

Allerdings fehlt es bislang an größeren Studien, die diesen Anti-Krebs-Effekt zweifelsfrei belegen. Das mag auch daran liegen, dass es kaum Financiers für derartige Studien gibt. Für die Pharmafirmen sind die preiswerten Heilpflanzen eher von geringem Interesse, im Zweifel sogar potentielle Konkurrenz.

Fakt ist: Es gibt eine Reihe an pflanzlichen Mitteln, wie zum Beispiel Curcumin, Aronia, Salbei oder Quercetin, die im Labor untersucht wurden und hier eine antitumorale Wirkung zeigen konnten. Diese Untersuchungen sind aber noch zu experimentell, um daraus offizielle Therapieempfehlungen ableiten zu können. Was nicht ausschließt, dass sich eine ergänzende Einnahme durchaus lohnen könnte.

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Weniger müde durch Akupunktur

Andere sogenannte komplementäre Verfahren haben hingegen auch "offiziell" schon einen wichtigen Stellenwert in der Behandlung und werden in den wissenschaftlichen Leitlinien zu Brustkrebs explizit genannt. Darunter sind Therapieformen zu verstehen, die genauso streng bewertet werden wie die gängigen chemotherapeutischen Substanzen. Neben pflanzlichen Präparaten können dies auch bestimmte Verfahren wie Akupunktur oder Yoga sein.

Die wohl bekannteste pflanzliche Therapiemethode ist die Misteltherapie. Ihr wird eine antitumorale Wirkung nachgesagt; darüber hinaus soll sie eine Chemotherapie verträglicher machen. Bisher konnte jedoch in keiner Studie nachgewiesen werden, dass eine Misteltherapie das Überleben verlängert oder die Lebensqualität verbessert. Stattdessen wurden Nebenwirkungen wie Allergien beobachtet. Außerdem könnte es zu Interaktionen mit den chemotherapeutischen Medikamenten kommen.

Akupunktur soll Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schmerzen und Hitzewallungen lindern. Ein Einfluss auf die akute Übelkeit konnte bisher nicht bestätigt werden, jedoch auf das akute Erbrechen. Zudem wurden positive Effekte bei Betroffenen beobachtet, die durch die Erkrankung stark erschöpft sind (sogenanntes Fatigue-Syndrom).

Welche Heilpflanzen kommen in Betracht?

Unter den Heilpflanzen sind die aussichtsreichsten sicher die, die wir in dem unten verlinkten Beitrag vorstellen. Hinzu kommt z.B. auch die Traubensilberkerze (Cimicifuga). Sie wirkt nach einem ähnlichen Mechanismus wie Tamoxifen, das in der Hormontherapie zum Einsatz kommt. Es konnte eine mäßige Linderung der Hormonentzugssymptomatik bei Brustkrebs in zwei klinischen Studien nachgewiesen werden.

Das sind nur einige wenige Beispiele des breiten Spektrums an möglichen zusätzlichen Substanzen und Verfahren. Grundsätzlich sind komplementärmedizinische Ansätze oft auch bei Beschwerden sinnvoll, die sich infolge der Tumorerkrankung entwickeln, wie z.B. Ängste, Depressionen oder Schlafstörungen. Hier können etwa Yoga, Entspannungs- oder imaginative Verfahren und auch künstlerische Therapien einen positiven Einfluss haben.

Sport und alles, was Ihnen gut tut

Als besonders wichtiger supportiver Faktor in der Krebstherapie ist Sport zu nennen. Das bedeutet nicht, dass Sie sich körperlich überfordern sollen, aber wer körperlich aktiv ist, baut Spannungen und Ängstlichkeit ab. Auch schmerzgeplagte Betroffene von Brustkrebs und Frauen, die unter dem Fatigue-Syndrom leiden, profitieren von einer regelmäßigen sportlichen Betätigung.

Generell gilt: Gut ist, was Ihnen gut tut! Allerdings sollte Ihr behandelnder Arzt unbedingt über alle pflanzlichen und homöopathischen Mittel, die Sie einnehmen, Bescheid wissen, um etwaige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ausschließen zu können. Denn auch pflanzliche Substanzen beinhalten bestimmte Stoffe, die durchaus mit den Chemotherapeutika interagieren können. Übrigens basieren viele Medikamente wiederum auf pflanzlichen Wirksubstanzen.

Keine Konkurrenz, sondern gegenseitige Bereicherung

Und noch ein wichtiger Punkt: Neben der komplementären Medizin, die ihren festen Stellenwert in der Behandlung haben sollte, kursieren auch zahlreiche Angebote zu sogenannten alternativen Methoden, die als angeblicher Ersatz zur klassischen Therapie wirken sollen. Dazu zählen etwa Ukrain und Vitamin B17 (Aprikosenkerne, Bittermandel), Eigenblutzytokine und verschiedene Krebsdiäten. Von solchen unseriösen Angeboten ist jedoch abzuraten.

Es ist immer verdächtig, wenn Alternativen als Konkurrenz zur klassischen Standardtherapie propagiert werden. Dabei sollten unterschiedliche Verfahren nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern sich vielmehr sinnvoll ergänzen. Dann können Betroffene davon wirklich profitieren.

Die Schulmedizin hat die positiven Effekte komplementärer Verfahren in der Krebstherapie inzwischen durchaus erkannt und bemüht sich um weitere Forschung und Aufklärung. Fragen Sie daher Ihren Arzt aktiv nach möglicher Unterstützung und lassen Sie sich nicht von unseriösen Angeboten im Internet blenden.

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Autoren: Rebeka Major, Eva Bauer (Ärztin)

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