Brustkrebs: Fallen mir nach der Chemotherapie die Haare aus?

Leider ist eine Chemotherapie nicht frei von Nebenwirkungen. In der Regel beginnen die Kopfhaare 2 bis 4 Wochen nach dem ersten Chemotherapiezyklus, mehr oder weniger stark auszufallen. Die gute Nachricht ist aber, dass die Haare sehr schnell wieder nachwachsen, bereits ab etwa 4 Wochen nach abgeschlossener Chemotherapie.

Angriff auf alles, was schnell wächst

Haarausfall gehört zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen einer Chemotherapie. Das hat folgenden Grund:

Die eingesetzten Substanzen greifen Zellen an, die sich gerade teilen. Tumorzellen, aber auch die anderen Zellen unseres Körpers vermehren sich immer wieder, indem sie ihre Erbinformation verdoppeln und sich anschließend teilen. Chemotherapeutika blockieren diesen Prozess an unterschiedlichen Stellen.

Dabei geht es vor allem denjenigen Zellen an den Kragen, die sich sehr schnell teilen. Neben dem Tumorgewebe betrifft das leider auch gesunde Strukturen wie Schleimhäute, Haare und das Knochenmark, das für die Blutbildung zuständig ist. Auch sie vermehren sich rasch und werden durch die Therapie daher leicht angegriffen. In der Folge kommt es zu Übelkeit und Erbrechen, einer erhöhten Infektionsgefahr, Blutungsneigung und eben auch zu Haarausfall.

Haare werden von der Haarwurzel aus gebildet, die sich am Grund einer länglichen Vertiefung der Haut befindet. Genau dieses Gewebe, das auch Haarfollikel genannt wird, wird durch die Therapie in Mitleidenschaft gezogen. Denn die Zellen darin teilen sich mit großer Geschwindigkeit, weshalb wir regelmäßig zum Friseur gehen und uns die Haare schneiden lassen müssen.

Beispiel Brustkrebs: Der Haarausfall ist nur vorübergehend

Das gängigste Chemotherapieschema bei nicht metastasiertem Brustkrebs ist eine Kombination aus 5-FU (5-Fluoruracil), Adriamycin und Cyclophosphamid. Alternativ wird statt Adriamycin Epirubicin verabreicht und statt 5-FU Docetaxel angewendet. Bei metastasiertem Brustkrebs wird meist Paclitaxel in Kombination mit Anthrazyklinen angewendet.

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Von diesen Medikamenten greifen Cyclophosphamid und Paclitaxel am aggressivsten die Haarwurzeln an. Daher wird es im Rahmen der Therapie leider nicht möglich sein, Ihre Haare zu verschonen.

Es gibt allerdings auch eine gute Nachricht: Das schnelle Wachstum der Haare macht sie einerseits anfällig für die Behandlung; andererseits wachsen die Haare nach Abschluss der Therapie aber auch rasch wieder nach. Die Haarfollikel werden nämlich nicht dauerhaft geschädigt, sondern nehmen ihre Funktion nach dem Angriff wieder auf.

Perücken oder ein Kopftuch zur Überbrückung

Manche Patienten tragen während der Behandlung Perücken, andere lieber ein modisches Kopftuch. Finden Sie heraus, womit Sie sich wohler fühlen.

Viele Betroffene berichten über das ungewohnte Tragegefühl einer Perücke und dass sie darunter vermehrt schwitzen würden. Jedenfalls ist es wichtig, bereits vor der Chemotherapie einen spezialisierten Friseur aufzusuchen, damit dieser die Perücke ganz nach Ihren Vorstellungen und Ihrem Haartyp anpassen kann.

Es gibt unterschiedliche Arten von Perücken, und der Preis bewegt sich im Rahmen von 150 bis 3.000 Euro. Sozialrechtlich gelten Perücken als Hilfsmittel und müssen von einem Arzt verordnet werden. Ob die Kosten komplett oder nur teilweise übernommen werden, können Sie direkt bei Ihrer Krankenkasse erfragen.

Autoren: Rebeka Major, Eva Bauer (Ärztin)

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