Brustkrebs: Brauche ich eine Chemotherapie?

Das kommt darauf an. Die Wahl der richtigen Therapieform bei Brustkrebs ist nicht einfach und wird immer für den individuellen Fall von mehreren Experten entschieden. Dabei spielt eine Rolle, wie fortgeschritten der Tumor ist, aber auch, wie es Ihnen geht und wie fit Sie sich fühlen. Denn eine Chemotherapie ist auch eine Belastung für den gesamten Körper.

Schnellen Zellen geht es an den Kragen

Unter Chemotherapie versteht man eine Behandlung mit chemischen Substanzen. Dabei geht die Ursprungssubstanz oft auf natürliche Wirkstoffe zurück, die zu therapeutischen Zwecken synthetisch, also im Labor, weiterentwickelt wurden. Das Prinzip der Therapie ist es, bösartige Zellen an der Teilung zu hindern, indem sie an unterschiedlichen Phasen der Zellteilung angreift.

Jede Zelle unseres Körpers durchläuft einen Zellzyklus, um sich zu teilen und zu vermehren. Krebszellen sind dabei meist besonders schnell, das heißt, sie teilen sich mit großer Geschwindigkeit und wuchern dadurch immer weiter. Es mag vielleicht etwas seltsam klingen, aber dieses rasante Teilungsverhalten ist für die Therapie sehr vorteilhaft. Denn sie richtet sich vornehmlich gegen Zellen, die sich gerade vermehren. Je teilungsfreudiger die Zellen also sind, umso mehr werden von den Wirkstoffen erwischt.

Vor oder nach der Operation

Die Chemotherapie ist neben der Operation und der Bestrahlung eine der Säulen in der Behandlung von Krebs. Bei Brustkrebs erfolgt sie in der Regel als adjuvante Therapie, das heißt, im Anschluss an die Operation, die meist an erster Stelle steht.

Heilpflanzen gegen Krebs – was wir empfehlen

weiterlesen...

In manchen Fällen kann sie aber auch neoadjuvant, also vor der Operation, erfolgen. Das hat gerade in späteren Stadien den Vorteil, dass der Tumor zunächst verkleinert wird, um anschließend besser operiert werden zu können.

Insgesamt können durch eine Chemotherapie die Erfolgsaussichten steigen und das Risiko verringert werden, dass der Tumor wieder ausbricht (Rezidiv).

Nebenwirkungen: Angriff auf Schleimhäute, Haare und Blut

Leider gibt es aber auch eine Kehrseite. Denn nicht nur die bösartigen Zellen teilen sich, sondern jede Zelle unseres Körpers vermehrt sich immer wieder in unterschiedlichem Tempo. Obwohl Forscher mit Hochdruck daran arbeiten, Wirkstoffe zu entwickeln, die gezielt nur gegen das Tumorgewebe vorgehen und es hier in den letzten Jahren enorme Fortschritte gab, wirken viele Chemotherapeutika nach wie vor gegen alle Zellen, die sich gerade teilen.

Die trägeren unter ihnen, die sich nur hin und wieder einmal vermehren, kommen dabei recht gut weg. Gefährlicher wird es für die Körperzellen, die sich ebenso wie die Krebszellen schnell teilen. Das sind vor allem Zellen der Schleimhäute, des Knochenmarks und der Haarwurzeln. Werden sie geschädigt, kommt es zu den typischen Nebenwirkungen einer Chemotherapie wie Übelkeit und Erbrechen, eine hohe Infektanfälligkeit und Haarausfall.

Es ist daher genau abzuwägen, ob die relativ aggressive Therapieform zum Einsatz kommt. In zahlreichen klinischen Studien wurden die Vor- und Nachteile getestet, so dass man inzwischen ziemlich genau sagen kann, welche Frauen davon erwiesenermaßen profitieren. Wenn die Lebenszeit verlängert, Symptome gelindert und die Lebensqualität trotz der zellgiftigen Eigenschaften erhöht wird, sollte eine Chemotherapie erwogen werden.

Wann eine Chemotherapie in Frage kommt

Wenn folgende Punkte erfüllt sind, ist eine Chemotherapie grundsätzlich zu empfehlen:

  • Der Tumor ist HER2/neu positiv.
  • Der Tumor ist Hormonrezeptor negativ.
  • Der Tumor weist ein G3 oder G4 Grading auf.
  • Es wurden Lymphknotenmetastasen nachgewiesen.
  • Sie sind jünger als 35 Jahre.

Zur Erläuterung: Manche Tumoren haben Rezeptoren für bestimmte Substanzen (HER2/neu, Hormone), die sie in ihrem Wachstum unterstützen. Sie bieten eine weitere Angriffsfläche für die Chemo- oder auch eine Hormontherapie.

Das Grading sagt aus, wie stark die Krebszellen entartet sind. Dabei ist G1 am wenigsten und G4 so sehr entartet, dass man die Zellen kaum mehr als Brustgewebe identifizieren kann. Dies kann nur der Pathologe anhand von Gewebeproben feststellen, die in der Operation oder in einer Stanzbiopsie gesichert wurden.

Welche Chemotherapie konkret für Sie geeignet ist und welche Substanzen dabei in Frage kommen, ist eine Entscheidung, die individuell in speziellen Tumorkonferenzen durch mehrere Fachspezialisten beschlossen wird. Es spielen auch Ihre Vorerkrankungen, Ihr allgemeiner Gesundheitszustand oder bereits vorangegangene Chemotherapien in Ihrer Krankengeschichte eine wichtige Rolle.

Autoren: Rebeka Major, Eva Bauer (Ärztin)

Anzeigen