Warum muss man sich während der Chemotherapie besonders gut vor Infektionen schützen?

Während einer Chemotherapie ist die Gefahr für Infektionskrankheiten aller Art deutlich erhöht. Und sie verlaufen oft sehr viel schwerwiegender, weil der Körper sich in dieser Phase nicht so gut wehren kann.

Deshalb lautet das oberste Gebot: Die Ansteckungsgefahr so weit wie möglich minimieren und bei der leisesten Andeutung eines schweren Infekts sofort zum Arzt.

Zum Hintergrund: Eine Chemotherapie greift leider nicht nur die Krebszellen, sondern auch gesundes Gewebe an. Vor allem die Blutkörperchen leiden wegen ihrer hohen Teilungsrate unter den medikamentösen Zellgiften. Das kann zu Blutarmut und – wenn die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) betroffen sind – zu erhöhter Infektanfälligkeit führen.

Tipps zur Infekt-Vorbeugung

Fieber unter Chemotherapie

Und wie schützt man sich im Alltag vor Infektionen? Das soziale Leben einstellen und in eine Art Quarantäne gehen? Nein, es geht auch einfacher und sozialer Rückzug wäre aus nachvollziehbaren Gründen keine gute Entscheidung.

Achten Sie auf folgendes:

  • Vermeiden Sie Kontakt zu anderen Menschen mit akuten Infekten.
  • Achten Sie beim Essen mehr als sonst auf die Haltbarkeit von Lebensmitteln.
  • Nichts essen, was zu lange in der Sonne stand oder keine gesicherte Kühlung hatte.
  • Fleisch im Zweifel besonders gut durchbraten.
  • Halten Sie einen gewissen Abstand zu Haustieren, falls vorhanden. Das kann sehr schwerfallen, aber auch der liebste Hund ist tendentiell eine Keimschleuder.
  • Verzichten Sie in dieser Zeit auf Blumen im Haus (Blumenwasser ist ein Paradies für Erreger, vor allem, wenn es eine Weile steht).
  • Auch Blumen- bzw. Pflanzenerde ist häufig keimbelastet. Normalerweise kein Problem, jetzt möglicherweise schon. Am besten alle Pflanzen in dieser Zeit jemand anderem zur Verwahrung und Pflege geben, also ausziehen lassen.
  • Bei leisesten Anzeichen eines stärkeren Infekts (plötzliches Fieber, starke Abgeschlagenheit, etc.) sollten Sie zur Sicherheit sofort Ihren Arzt aufsuchen.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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