Werden während der Brustkrebs-OP Labortests durchgeführt?

Das kann durchaus sein. Grundsätzlich wird das entnommene Gewebe immer gründlich untersucht, um den Tumor genau zu bestimmen und zu beurteilen, ob wirklich der ganze Krebs entfernt wurde. In der Regel dauert das einige Tage. Manchmal muss es aber schneller gehen.

Untersuchung im Eilverfahren

Dann besteht die Möglichkeit eines "Schnellschnitts". Das Operationsmaterial wird dabei quasi im Express per Bote oder Taxi ins Labor geschickt und vom Pathologen, dem Facharzt für feingewebliche Untersuchungen, sofort begutachtet. Das Ergebnis liegt meist innerhalb einer halben Stunde vor. Der Pathologe gibt es sofort in den Operationssaal durch.

Diese direkte Untersuchung ist immer dann sinnvoll, wenn sich daraus konkrete Folgen für das weitere operative Vorgehen ergeben. Wenn zum Beispiel nicht der gesamte Tumor erwischt wurde, kann der Chirurg das unmittelbar nachholen, ohne dass der Betroffene der Belastung einer zweiten Operation ausgesetzt werden muss.

Beurteilung des Tumors und der Lymphknoten

Eine Schnellschnittuntersuchung kann auch dann notwendig sein, wenn vor der Operation zwar ein Tumor festgestellt wurde, seine genauen Eigenschaften aber noch unklar sind. So gelingt es beispielsweise trotz der vielen präzisen diagnostischen Möglichkeiten, die es heutzutage gibt, nicht immer, im Vorfeld schon zu sagen, ob ein Geschwulst gut- oder bösartig ist. Im Zweifelsfall wird lieber operiert, um währenddessen Klarheit zu bekommen.

Manchmal werden auch sogenannte Wächter-Lymphknoten auf dem Eilweg untersucht. Das sind die ersten Stationen der Lymphabflussbahnen, die bei einem Krebsbefall der Lymphe als erstes betroffen sind. Sind sie frei von Tumorzellen, kann man davon ausgehen, dass auch die übrigen Lymphknoten noch nicht befallen sind. Andernfalls werden der Wächter- und weitere Lymphknoten der Achselhöhle entnommen.

Es bietet sich daher an, bereits während der Operation entsprechende Untersuchungen vorzunehmen, um dem Betroffenen wiederum einen möglichen Zweiteingriff zu ersparen.

Der Haken an der Sache

So elegant das Schnellschnittverfahren auch ist, hat es doch auch seine Nachteile. Es leuchtet wohl ein, dass eine Untersuchung innerhalb von 30 Minuten nicht dasselbe präzise Ergebnis liefern kann wie eine mehrtägige intensive Aufarbeitung. Die diagnostischen Möglichkeiten des Pathologen sind zeitbedingt eingeschränkt, was die Aussagekraft der Befunde einschränkt.

Dennoch ist die Trefferquote eines erfahrenden Arztes in der Regel sehr hoch. Und Sie kommen womöglich um eine weitere Operation herum.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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