Brustkrebs-OP: Wann kann die Brust gerettet werden?

Das hängt vor allem von der Größe und von der exakten Lage des Tumors ab. Eine pauschale Antwort auf diese Frage ist also leider nicht möglich. Tatsache aber ist, dass heute eine brusterhaltende Operation viel häufiger gelingt als früher. Im folgenden wollen wir das näher erläutern.

Sicherheitsabstand entscheidet mit

In jedem Fall muss bei einer Brustkrebs-Operation immer der komplette Krebsknoten entnommen werden, es sollen ja auf keinen Fall bösartige Zellreste in der Brust verbleiben. Deshalb entnimmt man auch nicht nur den Tumor, sondern immer auch ein wenig Gewebe drumherum. Sicherheitsabstand nennen das die Chirurgen.

Die Frage, die sich also vor jeder Brustkrebs-OP stellt, lautet: Wie viel Gewebe wird man für diese Komplettentfernung des Tumors entnehmen müssen und wie viel gesunde Brust bleibt erhalten? Denn davon hängt ab, mit welchem kosmetischen Ergebnis sich brusterhaltend operieren lässt. Die Möglichkeiten der plastischen Chirurgie bei kompletter Entfernung der Brust sind heute so ausgereift, dass man im Umkehrschluss auch bei brusterhaltender Operation natürlich ein mindestens genauso befriedigendes "äußeres" Ergebnis anstrebt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Vor einer Brustkrebs-Operation wird der Chirurg oder Frauenarzt die Möglichkeiten der Brusterhaltung in Ihrem individuellen Fall ausführlich mit Ihnen besprechen, so dass Sie gemeinsam zu einer guten Entscheidung kommen. Passiert das nicht oder nicht in ausreichendem Umfang, fordern Sie es ein. Notfalls sollte das auch ein Grund sein, den Arzt bzw. die Klinik zu wechseln. Denn es geht ja schließlich um eine Menge.

Faktoren, die die Entscheidung beeinflussen

Man könnte meinen, dass neben der Größe und Lokalisation vor allem die Bösartigkeit des Tumors darüber entscheidet, ob die Brust gerettet werden kann. Aber das stimmt nicht. So ist bei der am wenigsten gefährlichen Brustkrebs-Variante, dem duktalen In-Situ-Karzinom, ein größerer Sicherheitsabstand notwendig als bei den meisten aggressiveren Tumoren. Der Grund: Diese an sich eher harmlose Krebsvariante wächst entlang der Milchgänge und kann schneller unsichtbare, mit Krebszellen bestückte Ausläufer bilden.

Eher gegen eine brusterhaltende Operation sprechen folgende Ausgangssituationen:

  • Tumor sehr groß
  • Tumor sehr ungünstig gelegen, so dass allein deshalb zu viel Brust entfernt werden müsste
  • mehrere Krebsknoten in der gleichen Brust
  • Sonderform: inflammatorisches Mammakarzinom (Brustkrebs mit stark entzündlicher Komponente)
  • Bestrahlung nach der OP nicht möglich oder nicht erwünscht
  • Tumor konnte entgegen der Planung nicht vollständig entfernt werden

Chemotherapie vor der OP

Mitunter kann auch eine sogenannte neoadjuvante Chemotherapie die Brust retten. Damit ist eine Chemotherapie vor der Operation gemeint. Bei sehr großen Tumoren kann man mit dieser Methode mitunter eine so starke Verkleinerung des Krebsherdes erreichen, dass der Tumor nicht nur operabel wird, sondern auch die Brust weitgehend erhalten werden kann. Auch das ist aber so stark von den individuellen Begebenheiten bei Ihnen abhängig, dass dies nur der behandelnde Arzt zusammen mit Ihnen entscheiden kann.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn, Januar 2013
Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum

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