Brustkrebs: Kann sich nach Brustimplantation ein Lymphom bilden?

Ja, das ist möglich, wenn auch sehr selten. Dennoch müssen betroffene Frauen über das potentielle Risiko aufgeklärt werden.

ALCL, eine Form von Blutkrebs

Grundsätzlich gelten Brustimplantate heute als weitgehend ungefährlich. Gänzlich ausschließen lassen sich gewisse Risiken dennoch nicht. Manche Zwischenfälle oder Langzeitfolgen sind zu Beginn eines neuen Verfahrens zudem noch gar nicht absehbar.

Seit einigen Jahren beobachtet man, dass sich nach Brustimplantationen in seltenen Fällen bestimmte Lymphome bilden, und zwar sogenannte anaplastische großzellige Lymphome (ALCL). Lymphome zählen zu den Blutkrebserkrankungen und sind durch eine Entartung von Lymphozyten gekennzeichnet, die zu den weißen Blutkörperchen gehören und wichtig für die körpereigene Abwehr sind. Das ALCL macht dabei gerade einmal 2% aller Lymphome aus. Man unterscheidet wiederum verschiedene Arten. Das ALCL, das im Rahmen von Brustimplantaten entstehen kann, gilt als vergleichsweise gutartig und geht mit einer günstigen Prognose einher.

Selten und wenig erforscht

Doch wie kann es überhaupt dazu kommen? Ganz genau weiß man das noch nicht. Das liegt auch daran, dass das Lymphom nur so selten vorkommt und daher bislang wenig Daten vorliegen. In Deutschland sind lediglich sieben Fälle bekannt, bei denen ein Brustimplantat entweder im Rahmen einer Brustkrebserkrankung oder zur Vergrößerung der Brust eingesetzt wurde. Es wird geschätzt, dass statistisch betrachtet jährlich gerade einmal 0,35 bis 3 von einer Millionen betroffener Frauen nach einem entsprechenden Eingriff an einem ALCL erkranken.

Bisher können Mediziner und Wissenschaftler nur spekulieren. So könnten chronische Entzündungsprozesse am Implantat die bösartige Veränderung auslösen. Oder aber es hängt mit dem Material bzw. der Oberfläche des eingesetzten Fremdkörpers zusammen. Hier besteht noch weiterer Forschungsbedarf.

Nach vollständiger Entfernung gute Prognose

Da ein ALCL nach Brustimplantation weit weniger aggressiv als andere anaplastische Lymphome ist, zielt die Behandlung in der Regel auf eine vollständige Heilung der Erkrankung. Grundlage der Therapie ist die Operation mit einer kompletten Entfernung von Implantat und umgebender Kapsel. Ggf. werden auffällige Lymphknoten ebenfalls entnommen. Wenn die Betroffene beidseitig Implantate trägt, ist eine Operation auch der anderen Brust zu erwägen.

In den Anfangsstadien der Erkrankung reicht die OP alleine aus. Ist das Lymphom weiter fortgeschritten, gibt es keine klaren Therapieempfehlungen. Hier kommt zusätzlich eine Chemo- und/oder Strahlentherapie in Frage, was im Einzelfall immer individuell entschieden wird.

Bei Beschwerden oder Auffälligkeiten zum Arzt

Meist äußert sich die Erkrankung in Form von Flüssigkeitsansammlungen um das Implantat herum, die sich einige Jahre nach der Operation bilden. Die Brust kann anschwellen und schmerzen, die Haut sich auffallend verändern. Die umliegenden Lymphknoten können ebenfalls betroffen sein.

Wenn Sie an Ihrer Brust irgendwann derartige Auffälligkeiten bemerken oder Schmerzen bekommen, suchen Sie Ihren Arzt auf. Er kann die notwendigen Untersuchungen durchführen bzw. veranlassen und Klarheit schaffen. Aber seien Sie beruhigt: Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein Lymphom handelt, ist sehr gering.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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