Bedeutet ein Lymphknotenbefall, dass der Brustkrebs gestreut hat?

Es gehört zu den charakteristischen Eigenschaften von Krebs, dass er sich immer weiter ausdehnt und auch andere Körperregionen erreichen kann. Mit dem Befall der Lymphbahnen beginnt er seinen Weg durch den Körper.

Normalerweise führen Zellen ein sehr geordnetes Leben und fügen sich willig in den Verband ihrer Nachbarn ein. Sie liegen eng aneinander geschmiegt, was auch die Kommunikation untereinander deutlich erleichtert.

Krebszellen scheren aus

Wenn Zellen aus irgendeinem Grund entarten, können sie sich verselbständigen und unabhängig von ihrem Ursprungsgewebe werden. Ist der Kontakt zur Nachbarzelle erst einmal verloren, nutzt die Krebszelle die neu entdeckte Freiheit aus, um sich in den umliegenden Strukturen einzunisten und durch stetige Teilung zu vermehren. Diesen Vorgang nennt man auch "Infiltration".

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Ein weiterer Schritt in der Ausbreitung beginnt, wenn die Zellen in die Leitungsbahnen des Körpers eindringen (sogenannte Invasion). Man kann sich das wie eine Bahnreise vorstellen. Die Zellen steigen an einer Station ein, lassen sich ein Stück mitnehmen und steigen irgendwann wieder aus, um sich in einer fernen Region niederzulassen. Je länger der Krebs dafür Zeit hat, umso mehr Orte kann er erreichen.

Wenn sich Tumorzellen auf diese Weise auf Wanderschaft begeben, sagt man auch, der Krebs hat "gestreut".

Reise durch die Lymphbahnen

Die beiden "Bahnlinien", die die bösartigen Zellen dabei nutzen, sich die Blut- sowie die Lymphgefäße. Da die Wände der Lymphbahnen dünner und weniger stabil sind als die der Blutgefäße, befallen die Eindringlinge sie in der Regel als erstes. Einmal im Inneren der Leitungsbahnen angelangt, kann der Krebs von hier aus Metastasen, also Absiedelungen in anderen Regionen ausbilden.

In den Lymphbahnen kann er sich direkt in den Gefäßen vermehren oder sich zum nächsten Lymphknoten schwemmen lassen und ihn befallen. Von hier aus ist es ein Leichtes für ihn, sich immer weitertreiben zu lassen und nach und nach weitere Lymphknoten in Beschlag zu nehmen. Dann spricht man auch von (lymphogenen) Fernmetastasen.

Streuung und ihre Konsequenzen

Die Streuung eines bösartigen Tumors beginnt also in der Regel in den Lymphwegen. Daher ist es so wichtig, die Lymphknoten genau zu untersuchen.

Im Fokus steht dabei der sogenannte Wächter-Lymphknoten. Er ist die erste Station der Lymphabflussbahnen und damit als erster von einem möglichen Befall betroffen. Ist er unversehrt, ist der Tumor mit großer Wahrscheinlichkeit noch lokal begrenzt. Lassen sich in ihm jedoch Tumorzellen nachweisen, müssen auch nachfolgende Lymphknoten untersucht und gegebenenfalls entfernt werden.

Auch für die weitere Behandlung spielt es eine entscheidende Rolle, wie weit sich der Krebs bereits ausgebreitet hat.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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