Brustkrebs: Wie gefährlich ist Trastuzumab (Herceptin) für das Herz?

So gut der zielgenaue Antikörper Trastuzumab bei manchen Frauen mit Brustkrebs auch wirkt, kann er leider eine Reihe an Nebenwirkungen verursachen. Betroffen ist vor allem das Herz.

Die recht neuen zielgerichteten Therapieverfahren bei Krebs richten sich gegen ganz spezielle Strukturen und Abläufe in den entarteten Zellen. Dadurch wirken sie präziser als unspezifische Methoden nach dem "Gießkannenprinzip" und belasten den übrigen Organismus weniger. Dennoch bleiben auch gesunde Körperzellen nicht gänzlich von der Wirkung verschont.

Das Herz kann schwächeln

Herceptin® kann in sämtlichen Organsystemen Nebenwirkungen hervorrufen. Besonders das Herz reagiert oft empfindlich und muss daher vor und während der Behandlung gründlich untersucht werden.

Insbesondere das Risiko für eine Herzschwäche, bei der sich die Pumpfunktion des Herzens verschlechtert, so dass es pro Schlag weniger Blut auswirft, ist erhöht. Das kann sich in Form von Atembeschwerden, verstärktem Husten und Herzrasen äußern. Wenn Trastuzumab mit chemotherapeutischen Substanzen kombiniert wird, die das Herz ebenfalls schädigen können, steigt die Gefahr noch weiter.

Vorsicht ist zudem bei Personen geboten, die bereits vor der Behandlung unter einer Herzerkrankung leiden oder Risikofaktoren wie etwa einen erhöhten Blutdruck oder verkalkte Herzgefäße aufweisen. Auch das Alter spielt eine Rolle.

Neben einer Herzschwäche können auch Herzrhythmusstörungen auftreten. Das Herz schlägt dann unregelmäßig, sehr schnell oder besonders stark, was für die Betroffenen unangenehm sein kann. Auch der Blutdruck kann schwanken und entweder zu hoch (Hypertonie) oder zu niedrig (Hypotonie) werden.

Gründlicher Herzcheck

Bevor die Behandlung mit Trastuzumab beginnt, wird Ihr Herz daher genau unter die Lupe genommen. An eine Befragung und körperliche Untersuchen schließen sich die Aufzeichnung der Herzströme (Elektrokardiogramm, EKG), ein Ultraschall des Herzens (Echokardiogramm) und eventuell noch weitere Untersuchungen an. Die Herzfunktion wird während der Therapie alle drei Monate untersucht und auch danach zwei Jahre lang halbjährlich kontrolliert.

Wenn die Schlagkraft Ihres Herzens, gemessen in der sogenannten Ejektionsfraktion (EF), relevant abfällt, sollte die Behandlung unterbrochen und die Herzfunktion zeitnah nochmals überprüft werden. Wenn sie sich weiter verschlechtert oder Sie Beschwerden bekommen, muss Sie eventuell sogar abgebrochen werden. Das ist im Einzelfall allerdings je nach erwartetem Nutzen gut zu überlegen und mit einem Herzspezialisten (Kardiologen) abzustimmen.

Nebenwirkungen lassen sich behandeln

Sollten Sie unter Trastuzumab eine Herzschwäche entwickeln, bedeutet das jedoch noch nicht gleich das Aus für die Behandlung, vor allem, wenn sie mit Blick auf den Brustkrebs gute Wirkung zeigt. Zunächst einmal wird die Herzinsuffizienz adäquat behandelt. Damit kann die Therapie mit Herceptin® bei den meisten betroffenen Frauen fortgesetzt werden. Außerdem bildet sich eine Herzinsuffizienz nach der Antikörperbehandlung meist wieder zurück.

Ein Team aus Spezialisten, ggf. ergänzt um einen Kardiologen, wird genau überlegen, ob die Behandlung mit Trastuzumab für Sie geeignet und vertretbar ist. Nebenwirkungen lassen sich nicht ausschließen, aber oft gut kontrollieren und in Grenzen halten.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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