Wann wird Herceptin (Trastuzumab) bei Brustkrebs eingesetzt?

Der Antikörper Trastuzumab (Herceptin®) wird zur zielgerichteten Therapie bei Brustkrebs eingesetzt. Er kommt sowohl in frühen Stadien der Erkrankung als auch bei fortgeschrittenem Krebs zum Einsatz. Allerdings nur, wenn der Tumor geeignet ist.

Manche Arten von Brustkrebs tragen an ihrer Oberfläche bestimmte Rezeptoren. Das können z.B. Ankerstellen für Hormone sein, über die man den Tumor mit antihormonellen Substanzen bekämpfen kann. Eine weitere Andockstelle ist der sogenannte HER2/neu-Rezeptor (Human epidermal growth factor receptor). Über ihn wird das Wachstum und die Vermehrung der Krebszellen angeregt.

Nur bei HER2-positiven Tumoren

Der Wachstumsfaktorrezeptor findet sich bei ca. 20% der betroffenen Frauen, bei denen eine Brustkrebserkrankung neu entdeckt wird. HER2-positive Tumore sind recht aggressiv und teilen sich durch den stetigen Wachstumsimpuls ziemlich rasch.

Das ist auf der einen Seite natürlich erstmal keine gute Nachricht. Andererseits gibt es inzwischen mit Trastuzumab einen Wirkstoff, der genau auf solche Tumoren spezialisiert ist. Er setzt sich an einer bestimmten Stelle des Rezeptors außerhalb der Zelle fest. Dadurch wird das Signal zur Zellteilung unterdrückt und das Wuchern des Tumors somit eingedämmt.

Um wirken zu können, braucht Herceptin® natürlich die entsprechenden Ankerstellen, an denen es andocken kann. Das heißt, es ist nur sinnvoll bei Tumoren, die den HER2-neu-Rezeptor auch tragen. Im Vorfeld der Behandlung wird das mithilfe von Proben des Brustkrebsgewebes untersucht. Der Pathologe kann sie im Labor mit speziellen Techniken genau analysieren.

In allen Stadien, allein oder kombiniert

Wenn der Krebs tatsächlich die Wachstumsanker besitzt, eignet sich die Antikörpertherapie im Grunde in sämtlichen Stadien der Erkrankung. Sowohl Frauen mit beginnendem Brustkrebs als auch diejenigen, bei denen der Tumor bereits zum zweiten Mal ausbricht oder in anderen Bereichen des Körpers Absiedelungen (Metastasen) gebildet hat, können von der Behandlung mit Trastuzumab profitieren.

Dabei kann die Substanz entweder im Anschluss an die Operation (adjuvant) oder auch schon davor (neoadjuvant) verabreicht werden, um die Erfolgsaussichten des Eingriffs zu erhöhen. Häufig kommt Herceptin® zusammen mit chemotherapeutischen Substanzen zum Einsatz. Wenn Metastasen vorliegen, wird Trastuzumab manchmal auch mit einer Hormontherapie kombiniert. Wurde die metastasiere Erkrankung zuvor schon mehrfach chemotherapeutisch behandelt, wird Trastuzumab alleine gegeben.

Risiko fürs Herz

Allerdings ist die Behandlung nicht ganz ungefährlich und birgt einige Risiken, insbesondere für das Herz. So muss eine Frau, bei der der Antikörper in Frage kommt, zuvor gründlich untersucht und das Risiko individuell abgewogen werden. Vorsicht ist auch bei Lungenerkrankungen und ausgeprägter Atemnot geboten.

Übrigens: Trastuzumab ist auch für die Behandlung von Magenkrebs zugelassen. Bei geeigneten Tumoren, die die Rezeptoren ausbilden und außerdem bereits gestreut (metastasiert) haben, kann der Antikörper ebenfalls helfen.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

Anzeigen