Perjeta + Herceptin bei Brustkrebs: Bringt das was?

Ja, die Kombination aus Trastuzumab (Herceptin®) und Pertuzumab (Perjeta®) hat sich bewährt. Wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind und der Tumor für die Behandlung geeignet ist, können die betroffenen Frauen dadurch wertvolle Lebenszeit gewinnen.

Ein starkes Duo

Trastuzumab und Pertuzumab gehören beide einer recht neuen Substanzklasse von Medikamenten an, die zur Behandlung von Brustkrebs entwickelt wurde. Sie wirken sehr präzise und sind daher im allgemeinen besser verträglich als andere Mittel, die ungezielter sind und dem Körper daher mehr Schaden zufügen.

Trastuzumab, auch bekannt unter dem Handelsnamen Herceptin®, war dabei der erste Vertreter seiner Art. Ihm folgte im Jahr 2013 mit Pertuzumab (Perjeta®) eine Substanz, die ähnlich, aber nicht identisch wirkt. Auf diese Weise ergänzen sich die beiden Wirkstoffe und verstärken sich gegenseitig. Studien haben eindrücklich belegt, dass der Gewinn für die Betroffenen mit der Kombination größer ist als unter der alleinigen Gabe von Herceptin®.

Längere Lebenserwartung

Eine Studie beispielsweise untersuchte gut 800 betroffene Frauen mit weiter fortgeschrittenem Brustkrebs, der entweder in andere Bereiche des Körpers gestreut hatte oder bereits zum zweiten Mal ausgebrochen war und nicht mehr operiert werden konnte. Die eine Hälfte erhielt Trastuzumab zusammen mit einem chemotherapeutischen Arzneimittel sowie ein Placebo, d.h. ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff; die andere bekam Pertuzumab statt des Placebos.

Der Fokus lag insbesondere auf dem sogenannten progressionsfreien Überleben (Zeit der Stabilität, bis die Erkrankung wieder fortschreitet) sowie auf dem Gesamtüberleben. Beides wurde durch die Dreifachbehandlung im Vergleich zur Zweifachkombination deutlich verlängert. Konkret betrug der "Überlebensvorteil", wie es in der nüchternen Sprache der Statistiker heißt, im Schnitt mehr als ein Jahr.

Länger tumorfrei

Andere Studien wurden bei Frauen erhoben, die zuvor noch nicht operiert worden waren und bei denen sich der Tumor an der Brust schon weiter ausgedehnt hatte oder Entzündungen hervorrief. Hier ging es um eine pathologische Komplettremission, d.h. darum, ob der Tumor nach der Behandlung weder in bildgebenden Verfahren noch im Labor nachweisbar war. Auch hier zeigten sich die beiden Antikörper zusammen verglichen mit Trastuzumab alleine überlegen.

Als drittes wurden schließlich Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium, allerdings mit einem hohen Risiko für ein Rezidiv (Rückfall) untersucht und verglichen. Dabei nahmen knapp 5000 Betroffene teil und erhielten wiederum zusammen mit Trastuzumab und Chemotherapie entweder Pertuzumab oder ein Placebo.

Im Vordergrund stand dabei das sogenannte invasiv-krankheitsfreie Überleben – wieder so ein umständlicher Begriff, der nichts anderes meint als den Zeitraum, bis sich ein Rezidiv in der betroffenen Brust selbst, auf der Gegenseite oder in anderen Regionen des Körpers bildet. Wieder punktete das Dreiergespann, wenn auch nicht ganz so deutlich wie in den anderen Studien.

Aggressiver Krebs spricht gut an

Bei den Untersuchungen fiel außerdem auf, dass die Behandlung mit Perjeta® bestimmten Subgruppen besonders zugute kam. Das waren insbesondere Frauen mit risikoreichen Tumoren, die die Lymphknoten befallen hatten und auf eine Hormontherapie nicht ansprachen. Insofern kann Pertuzumab gerade Frauen mit besonders aggressiven oder weit fortgeschrittenen Tumoren Mut und Hoffnung geben.

Natürlich sind das alles gemittelte Daten, die über den Einzelfall nichts aussagen. Manche Frauen profitieren womöglich weniger, als die Studien erwarten lassen, andere übersteigen die Erwartungen bei weitem.

Vergleichsweise gut verträglich

Bei all dem wurde die Mehrfachkombination übrigens nicht schlechter vertragen. In einer Erhebung zur subjektiven Einschätzung der Lebensqualität und der allgemeinen Befindlichkeit gaben die Frauen, die zusätzlich Pertuzumab erhielten, nicht mehr Beschwerden an als die Teilnehmerinnen der Vergleichsgruppe. Einzig unter Durchfall litten sie häufiger. Da man das inzwischen weiß, kann man aber mit entsprechenden Medikamenten bereits im Vorfeld gegensteuern.

Wenn der Arzt Ihnen Perjeta® nahelegt, wird er sich das gut überlegt haben und überzeugt sein, dass es für Sie die vielversprechendste Behandlung ist, die Ihnen am meisten bringt, ohne Sie unnötig zu belasten. Wie Sie persönlich dann darauf reagieren und sie vertragen, wird sich zeigen. Einen Versuch ist es allemal wert!

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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