Brustkrebs-Screening führt zur Überdiagnose

Die Deutsche Krebsgesellschaft bezeichnet das Mammographie-Screening-Programm zur Früherkennung von Brustkrebs als erfolgreich. Denn Tumore würden früher entdeckt, wenn sie also noch klein sind. Damit sei eine Heilung wahrscheinlicher. Eine neue Studie aus Norwegen setzt jetzt allerdings Fragezeichen hinter die Erfolgsgeschichte.

Was für die Mammographie-Früherkennung spricht

Eine Bilanz des deutschen Mammographie Screenings fällt fast durchweg positiv aus. Als Belege dafür werden gerne folgende Zahlen genannt: Vor Einführung der Früherkennung waren rund 14% aller diagnostizierten Brustkrebstumoren kleiner als 10 Millimeter, heute sind es 35%. Das ist deshalb gut, weil die Heilungschancen umso größer sind, je früher ein Tumor entdeckt wird. Früher machten die gefährlichen fortgeschrittenen Tumoren etwa die Hälfte der Brustkrebsdiagnosen aus. Innerhalb des Screenings sind es inzwischen noch gut ein Viertel. Außerdem lasse sich mit dem Screening die Sterblichkeit um bis zu 25% senken.

Kritiker sehen diese Argumente skeptisch und bezweifeln insbesondere diese letzte Zahl. Denn eine statistisch längere Überlebenszeit kann auch schlicht dadurch entstehen, dass Tumoren früher entdeckt werden und damit die Zeit mit der Diagnose künstlich verlängert wird.

Fast bei jeder fünften Frau zu Unrecht Brustkrebs diagnostiziert

Eine norwegische Studie nährt nun diese Zweifel, dass es vielleicht des Guten zu viel ist. In der Studie wurde nämlich untersucht, wie viele falsche Diagnosen im Rahmen der Früherkennung gestellt werden.

Ausgewertet wurden Daten von knapp 40.000 Frauen, bei  denen in den Jahren 1996 bis 2005 Brustkrebs diagnostiziert wurde. Bei rund 7.800 geschah das im Rahmen des Screening-Programms. Bei letzteren erwies sich die Diagnose "Brustkrebs" nach eingehenderen Untersuchungen in rund 20% der Fälle als falsch.

Zusammengefasst ergibt sich damit folgende Bilanz: Wenn 2.500 Mammographie-Früherkennungsuntersuchungen stattfinden, wird bei 20 Frauen ein Brustkrebs entdeckt, der sonst nicht entdeckt worden wäre, zumindest nicht so früh. Aber nur 1 Frau von diesen 20 Patientinnen überlebt den Brustkrebs aufgrund der frühen Entdeckung. Weitere 6-10 Frauen werden zu Unrecht mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert und damit mit einem gewaltigen psychischen Schock, der vollkommen unnötig ist.

Allerdings raten die Autoren dennoch nicht vom Mammographie-Screening ab. Sie mahnen nur zu einem bewussteren Umgang damit (was immer das heißen mag).

Autoren: WANC/, 03.04.2012
Quelle: Ann Intern Med April 3, 2012 156:491-499

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