Stimmt es, dass Botox bei Borderline helfen kann?

Das wäre möglich. Derzeit läuft eine Studie, die die Wirkung von Botox bei Menschen mit Borderline untersucht. Die Hypothese dahinter: Die Unterspritzung mit Botox verändert den Gesichtsausdruck, was sich wiederum positiv auf die Emotionen auswirkt. Bisher sind die Ergebnisse allerdings noch sehr vage.

Bislang haben die Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover und der Asklepios Klinik Nord-Ochsenzoll nur eine kleine Studie an sechs Borderline-Betroffenen durchgeführt. Ihnen wurde Botox gezielt in die Mitte des unteren Stirnbereichs gespritzt. Daraufhin ließen Impulsivität, Stimmungsschwankungen und depressive Stimmungen nach. Der Effekt hielt über Monate an. Im Vorfeld war bereits eine Studie an depressiven Patienten zu positiven Ergebnissen gekommen.

Wechselwirkung zwischen Gefühlen und Mimik

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Gesichtsausdruck die Stimmung nicht nur widerspiegelt, sondern umgekehrt auch beeinflusst. Da im Bereich der unteren Stirn Gefühle wie Angst, aber auch Zorn und Sorgen Ausdruck finden und diese nach einer Botoxbehandlung mimisch nicht mehr ausgedrückt werden können, könnte dies auch positiv auf Emotionen wirken.

Diesen Zusammenhang beschreibt die sogenannte "Facial-Feedback-Hypothese": Mimik drückt Gefühle aus, wirkt jedoch umgekehrt auch auf die Stimmung zurück.

Es ist also durchaus vorstellbar, dass sich ein Mensch mit Borderline-Störung seine Stirn- oder Zornesfalte mit Botox unterspritzen lässt und anschließend bemerkt, dass es ihm auch längerfristig besser geht. Spannend wäre eine Antwort auf die Frage, ob sich die Borderline-Symptome mit Nachlassen der Botoxwirkung wieder verschlechtern und ob eine erneute Stirnunterspritzung die Symptome wieder positiv beeinflussen kann.

Bisherige Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen

Zu beachten ist allerdings, dass die bisherigen Untersuchungen keinesfalls aussagekräftig sind. Eine Studie an lediglich sechs Probanden ohne jegliche Vergleichsgruppe genügt den hohen Ansprüchen der medizinischen Forschung in keiner Weise. Aktuell läuft eine größere Studie mit mehr Betroffenen, die aber noch nicht abgeschlossen ist. Es wird sich zeigen, ob die gewählte Methodik den wissenschaftlichen Standards entspricht und seriöse Aussagen liefert.

Außerdem: Eine Behandlung mit dem Zellgift Botulinumtoxin unterdrückt nicht nur den Ausdruck negativer Gefühle, sondern schränkt die Mimik insgesamt ein. Es ist fraglich, ob ein maskenhaftes Gesicht wirklich erwünscht ist und Menschen mit Borderline hilft.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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