Wie funktioniert eine Neurofeedbacktherapie?

Neurofeedback ist ein faszinierendes neuartiges Verfahren, bei dem die emotionale Aktivierung des Gehirns mithilfe bildgebender Verfahren sichtbar gemacht wird. So kann man gewissermaßen seine innere Gefühlswelt direkt beobachten – zumindest das, was dabei im Gehirn abläuft.

Kleiner Kern, große Emotionen

Wenn wir uns freuen oder wütend sind, trauern oder Scham empfinden, regen sich in unserem Gehirn bestimmte Areale, die für die jeweiligen Gefühle zuständig sind. Eine wichtige Struktur für unsere Emotionen ist die sogenannte Amygdala oder auch Mandelkern (griech. amygdale = Mandel). Entwicklungsgeschichtlich gehört sie zu den ältesten Hirnarealen und ist Teil des limbischen Systems, das eine Art Schaltzentrale für Emotionen darstellt.

Nicht größer als ein Kirschkern spielt die Amygdala eine zentrale Rolle insbesondere bei den Gefühlen Angst und Wut sowie deren Steuerung. Auch die körperlichen Reaktionen auf Emotionen wie Flucht- und Angstreflexe oder das Lachen und Weinen haben hier ihren Ursprung. Und schließlich ist der kleine Mandelkern dafür zuständig, Sinneseindrücke emotional zu bewerten und abzuspeichern. Die Eindrücke und Erfahrungen, die uns emotional berühren, finden also über die Amygdala Einzug ins Gedächtnis.

Livestream auf die eigenen Gefühle

Man kann sich die Funktion des Mandelkerns ganz plastisch vorstellen. Wird er von außen gereizt, ändert sich das Befinden; man wird wütend oder ängstlich. Interessanterweise kann die Stimulation der Amygdala aber auch Ruhe und Entspannung vermitteln. Je nach aktueller Grundstimmung scheint die Gehirnregion das gerade empfundene Gefühl zu verstärken.

Wenn die Amygdala aktiv wird, kurbelt sie ihren Energiestoffwechsel an und wird verstärkt durchblutet. Dieser Prozess kann mithilfe der modernen Bildgebung sichtbar gemacht werden. Auf dem Monitor heben sich die aktivierten Bereiche dann farblich deutlich von den Nachbarstrukturen ab.

Lernen, die eigenen Gefühle zu regulieren

Forscher des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim haben es sich zur Aufgabe gemacht, mehr über die Mechanismen zu erfahren, die hinter der menschlichen Emotionsregulation und unseren sozialen Interaktionen stecken, insbesondere bei Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Posttraumatischer Belastungsstörung. Dazu führen die Wissenschaftler ganz praktische Verhaltensexperimente durch und beobachten parallel dazu, was dabei im Gehirn vor sich geht.

Konkret läuft das folgendermaßen ab:

Die Probanden bekommen Bilder vorgelegt, die unterschiedliche Emotionen hervorrufen. Währenddessen wird die Aktivierung des Gehirns im Bereich des Mandelskerns in Echtzeit gemessen und an die Probanden rückgemeldet. Sie "sehen" also unmittelbar die Gefühle, die sich in ihnen regen. Dadurch sollen sie lernen, negative Emotionen wie zum Beispiel Angst selbst zu beeinflussen, zu lenken und besser zu kontrollieren, indem sie neutralere Emotionen dagegenhalten.

Dazu werden verschiedene Strategien vermittelt, um die eigenen Gefühle zu verändern. Ob die jeweilige Strategie wirksam ist, wird sofort anhand der Hirnaktivität erkennbar. Durch das Verfahren erhoffen sich die Forscher nach mehreren Trainingseinheiten eine verbesserte Hirn- und Emotionsregulation.

Das Problem des freien Willens

Übrigens: Was die Forscher aber wohl auch nicht lösen werden, ist das Problem des freien Willens. Es steht im Raum, seit die Prozesse, die im Gehirn beim Denken und Handeln ablaufen, bekannt geworden sind.

Seither stellen Neurowissenschaftler immer wieder grundlegend in Frage, dass der Mensch überhaupt frei über sein Tun entscheiden kann. Sie sagen nämlich, unser gesamtes Bewusstsein und Verhalten wird durch Vorgänge im Gehirn gesteuert, die unbewusst ablaufen, bevor wir überhaupt selbst die Entscheidung dafür treffen. Nicht wir selbst bestimmen also, was wir wollen und tun, sondern unser Gehirn und die biochemischen Abläufe darin.

Für Menschen mit Borderline sind diese Fragen weniger von Belang. Wichtig für sie ist vielmehr, ob sie von dem Verfahren eines Tages profitieren könnten. Noch hat die Neurofeedbacktherapie keinen Eingang in die praktische Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung gefunden. Die Ergebnisse aus Mannheim sind aber vielversprechend und könnten die Psychotherapie bei Borderline in Zukunft bereichern.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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