Diagnose und Therapie einer Borderline-Störung: Kann der Hausarzt das?

Der Hausarzt ist oft der erste Ansprechpartner. Daher kommt ihm eine wesentliche Rolle in der Vermittlung und Weiterleitung seiner Patienten zu. Diagnose und Therapie von Borderline-Störungen liegen dann jedoch in der Hand von Fachärzten und -psychologen.

Entscheidender Weichensteller

Die Bedeutung des Hausarztes ist nicht hoch genug einzuschätzen. Bei Problemen wird er oft als erster kontaktiert, zudem kennt er seine Patienten oder auch ganze Familien in der Regel besser als viele Fachärzte. Häufig fungiert er auch einfach als Gesprächspartner und Vertrauensperson.

Bekannt ist zudem, dass Menschen mit suizidalen Gedanken sich oft zuerst an ihren Hausarzt wenden, wenn sie das Bedürfnis haben, sich zu offenbaren. Der Hausarzt trägt daher eine große Verantwortung und stellt die Weichen für die weitere Betreuung seiner Patienten.

Diagnose und Therapie gehören in Expertenhand

Hegt der Hausarzt den Verdacht auf eine psychiatrische Erkrankung, sollte er den Betroffenen umgehend in fachkundige Hände weiterleiten. Es gibt orientierende Fragebögen, mit denen sich der Verdacht erhärten lässt. Die Diagnose sicher zu stellen, ist jedoch sehr aufwendig und erfordert viel Zeit und Erfahrung. In der Regel werden auch Angehörige und nahestehende Personen miteinbezogen, da neben den Angaben der Betroffenen selbst auch die Sicht von außen entscheidend ist. Dies alles kann der Hausarzt in der Regel nicht leisten und muss es auch gar nicht.

Der lange Weg zur richtigen Diagnose

Bei der Diagnose ist eine Reihe festgelegter Kriterien zu beachten, die im einzelnen abgefragt werden. Dabei ist nicht nur das aktuelle Verhalten und Empfinden von Bedeutung, sondern auch Auffälligkeiten in der bisherigen Entwicklung, angefangen im Kindesalter. Für eine fachgerechte Behandlung sind der Beginn und die individuellen Ursachen der Störung sehr wichtig.

Aufgabe von Psychiatern und ärztlichen wie psychologischen Psychotherapeuten ist es darüber hinaus, die bestehende Krankengeschichte einzubeziehen. Oft haben Betroffene schon mehrere Ärzte aufgesucht oder auch bereits Klinikaufenthalte hinter sich, ohne dass eine sichere bzw. die richtige Diagnose gefunden werden konnte.

Auch psychiatrische Fachexperten sind nicht alle auf Borderline spezialisiert. Es kann daher durchaus sein, dass der Psychiater bzw. Psychotherapeut den Betroffenen nochmals weitervermittelt, wenn er selbst unsicher ist.

Am besten: Alle ziehen an einem Strang

Wenn die Diagnose gestellt ist und therapeutische Maßnahmen eingeleitet wurden, kann dem Hausarzt im weiteren Verlauf jedoch durchaus wieder eine große Bedeutung zukommen. Denn die Therapie einer Borderline-Störung ist langfristig angelegt und erfordert immer wieder die Motivation der Betroffenen. Hier kann der Hausarzt, sofern er seinen Patienten kennt und ein gutes Verhältnis zu ihm hat, den Psychiater tatkräftig unterstützen.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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