Suizidalität bei Borderline: Gibt es Warnsignale?

Das Risiko für Suizidalität ist bei Menschen mit einer Borderline-Störung deutlich erhöht. Das liegt zum einen an der Persönlichkeitsstörung selbst, aber auch an zusätzlichen depressiven Verstimmungen, unter denen Betroffene immer wieder leiden.

Gefährliche Mischung

Im Wirrwarr ihrer Gefühle verfallen Menschen mit Borderline häufig in Depressionen. Die gedrückte Stimmung besteht meist nicht durchgehend über einen längeren Zeitraum, wie das bei anderen depressiven Störungen der Fall ist, sondern vielleicht nur über einige Tage. Dafür bricht die depressive Stimmung oftmals urplötzlich und heftig aus, was als Zeichen der emotionalen Instabilität und Merkmal der Krankheit zu werten ist.

Da Betroffene außerdem Probleme haben, Impulse zu kontrollieren, kann dies im Zusammenhang mit Depressionen ein erhöhtes Selbstmordrisiko bergen. Während bei einer rein depressiven Erkrankung oft der Antrieb fehlt, suizidale Gedanken tatsächlich in die Tat umzusetzen, können "Borderliner" diese Schwelle in einem eruptiven Moment leicht überwinden.

Vorsicht bei Hoffnungslosigkeit, Unruhe und Rückzug

Das macht es schwierig, die Situation richtig einzuschätzen. Es erfordert Aufmerksamkeit und Feingefühl, suizidale Äußerungen richtig einzuordnen und eine akute Gefährdung zu erkennen. Nahestehende Personen und Freunde können möglicherweise in Gesprächen ein Gespür dafür entwickeln, ob der Erkrankte tatsächlich suizidgefährdet ist.

Ein Hinweis auf einen möglichen Suizidversuch kann das Verhalten sein: Wirkt der Betroffene sehr hoffnungslos, sieht keine Zukunftsperspektive mehr, ist extrem gereizt, aggressiv oder unruhig, sind das mögliche Alarmsignale. Auch wenn sich ein "Borderliner" zunehmend zurückzieht und isoliert, kann das ein Warnsignal sein.

Den richtigen Moment nicht verpassen

Grundsätzlich unterscheidet man verschiedene Phasen, die Menschen auf dem Weg zu einem Suizidversuch oft durchlaufen. In der ersten Phase, der sog. Erwägungsphase, bekommt das Umfeld meist nichts mit von den bedrohlichen Überlegungen des Betroffenen. Er zieht sich zurück und macht die Gedanken mit sich selbst aus.

Dann schließt sich aber häufig eine Phase der Ambivalenz an, in der der Betroffene Angst vor seinen eigenen Gedanken bekommt und hin und her gerissen ist. Hier kann er das Bedürfnis verspüren, sich mitzuteilen und seine suizidalen Absichten anzukündigen. In dieser Zeit ist es also möglich, auf den Betroffenen einzuwirken und ihm zu helfen.

Danach wird es wieder schwierig. Denn in der letzten, der sog. Entschlussphase, lässt sich der Betroffene wieder wenig beeinflussen. Sein Plan steht, was ihn womöglich sehr erleichtert und ihn nochmal richtig aufblühen lässt. Doch die vermeintliche Besserung der Symptome ist trügerisch und kann jederzeit in die Katastrophe münden.

Sprechen Sie das Thema offen an!

Allerdings erlebt nicht jeder diese einzelnen Phasen gleichermaßen. Gerade Menschen mit Borderline neigen auch zu spontanen Entschlüssen, die sie kurzerhand in die Tat umsetzen.

Es ist daher grundsätzlich wichtig, offen und hellhörig für das Thema zu sein. Gespräche über Suizidalität sollten auch im nahen Umfeld möglich sein und nahestehende Personen nicht ablehnend reagieren. Denn das Gefühl der Einsamkeit könnte sich dadurch noch mehr verstärken. Wenn irgend möglich, sollte man seine Sorge bezüglich eines befürchteten Suizids beim Betroffenen ansprechen. Möglicherweise hat der Erkrankte auch selbst Suizidgedanken geäußert. Manchmal sind Gespräche aber auch nicht möglich.

Dass das für Eltern, Geschwister oder Partner oftmals schwer auszuhalten ist, ist verständlich. Im Zweifelsfall sollten sie den Betroffenen dazu bewegen, Hilfe in Anspruch zu nehmen und ihn bei der Suche nach fachkundiger Unterstützung begleiten. Professionelle Hilfe ist oftmals der wichtigste Schritt, um einen drohenden Suizid abzuwenden.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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