Sind Androhungen von Suizid bei Borderlinern ernst zu nehmen?

Ja! Die Äußerung von Suizidgedanken ist grundsätzlich und nicht nur bei einer Borderline-Persönlichkeit ernst zu nehmen. Das bedeutet aber nicht, dass man jedes Mal beim Thema Suizid panisch reagieren sollte. Denn nicht jede Äußerung muss auch mit akuten Suizidabsichten verbunden sein.

Suizid: Ein vermeintlicher Ausweg aus der Krise

"Borderliner" sind oft nicht mehr Herr ihrer rasch wechselnden Stimmungen und neigen zu eruptiven Gefühlsausbrüchen, die sich verbal, aber auch tatkräftig äußern können. Die Androhung von Suizidabsichten kann im Streitgespräch spontan aus dem Affekt heraus fallen, ohne weitere Konsequenzen zu haben. Sie sollte aber dennoch hellhörig machen.

Denn ein beabsichtigter oder gar versuchter Suizid kann für den Betroffenen ein Mittel sein, innere Anspannung abzubauen oder auch dem Gefühl der inneren Leere entgegenzuwirken. Wer sich zum Bersten angespannt oder im Gegenteil völlig entleert fühlt, weiß sich womöglich nicht mehr anders zu helfen und braucht einen starken Reiz, um wieder eine gewisse Kontrolle über sich zu erlangen.

Suizidale Gedanken können in diesem Sinn als Extremform der Selbstverletzung angesehen werden, auf die Menschen mit Borderline oft zur Stimmungsregulation zurückgreifen.

Von der Ankündigung zum konkreten Suizidversuch

Die Androhung von Suizidabsichten kann allein schon entlastend sein. Sie kann aber auch ein Schritt hin zu einem konkreten Suizidversuch sein.

Wenn jemand sein Leben beenden möchte, schließt sich meist ein längerer Prozess der Abwägung und Vorbereitung an. Erste Überlegungen sind oft noch sehr vage und kreisen allgemein um Todesgedanken. Irgendwann wird es schon konkreter, und Gedanken über den eigenen Tod kommen auf. Sie werden immer weiter ausgemalt, bis sie in einen festen Plan münden. Es folgen entsprechende Vorbereitungen und schließlich der Suizidversuch.

Mögliche Warnsignale erkennen

Allerdings kann es gerade bei "Borderlinern" auch sehr spontan und unvermittelt zu Kurzschlussreaktionen kommen. Das liegt an der mangelnden Kontrolle über die eigenen Gefühle und den oft impulsiven Ausbrüchen. Im Gegensatz zu rein depressiven Menschen, denen der Antrieb zur Umsetzung ihrer suizidalen Pläne oftmals fehlt, kann ein Mensch mit einer Borderline-Störung in einem emotional aufgeladenen Moment durchaus den nötigen Elan aufbringen.

Daher ist es wichtig, dass Bezugspersonen entsprechende Signale kennen und wahrnehmen. Neben offenen Drohungen können auch verdeckte Verhaltensweisen ein Hinweis auf einen möglichen Suizidversuch sein: Große Hoffnungslosigkeit, fehlende Zukunftsperspektiven, zunehmender Rückzug und Isolation, starke Gereiztheit und Aggressivität sowie große Unruhe können Vorboten sein.

Sprechen Sie über Suizidalität!

Für nahestehende Personen und Freunde ist es oftmals gar nicht einfach, das Risiko einer Suizidgefährdung richtig einzuschätzen. Scheuen Sie sich daher nicht, über Suizidalität offen zu reden! Vielen ist es unangenehm, das nach wie vor tabuisierte Thema anzusprechen. Oder sie haben Angst, den Betroffenen damit überhaupt erst auf die entsprechenden Gedanken zu bringen.

Diese Gefahr besteht jedoch nicht. Im Gegenteil: Die Betroffenen sind meist erleichtert, wenn sie über die quälenden Gedanken sprechen und sich austauschen können. Gerade in der Phase des Abwägens, die mit großer Unsicherheit und Angst behaftet ist, kann es sehr wertvoll sein, jemanden zu haben, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht. Und es gibt professionelle Hilfe, die Sie in Anspruch nehmen können und zu der sie Ihren Angehörigen oder Freund motivieren sollten.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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