Borderline: Was tun, wenn die Spannung zu groß wird?

Es gibt viele Maßnahmen und Strategien, mit deren Hilfe Menschen mit Borderline-Störung lernen können, Spannung abzubauen, ohne sich dabei selbst zu verletzen. Jeder sollte sich sein eigenes Bündel an Maßnahmen schnüren und in einem Notfallkoffer verstauen, auf den er jederzeit zugreifen kann.

Chilis statt Messer

Die Fertigkeiten, die "Borderlinern" dabei helfen können, unbeschadet durchs Leben zu gehen, werden auch Skills genannt. Im Rahmen der sogenannten Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT), die speziell für Borderline entwickelt wurde, ist ein festes "Skills-Training" vorgesehen, in dem Betroffene viele Tricks lernen, um mit ihren Gefühlsschwankungen besser umzugehen. Daneben erfahren sie aber auch viel über sich selbst, trainieren in Gruppen zusammen mit anderen Betroffenen ihren sozialen Umgang und werden in ihrem Selbstbild gestärkt.

Die einzelnen Skills können aber auch unabhängig von dem aufwendigen Therapiekonzept der DBT angewandt werden. Eine Vielzahl von Ersatzreizen ist sensorischer Art, stimuliert also einzelne Sinne. Dabei werden oft auch unangenehme Reize gesetzt, die aber nicht gefährlich sind. Natürlich muss man mit scharfen und reizenden Substanzen wie Chilischoten vorsichtig sein, um sich keinem Gesundheitsrisiko auszusetzen.

Hier einige Beispiele:

  • Verreiben von Eiswürfeln auf der Haut
  • Kauen von Chilischoten
  • saure oder scharfe Bonbons, Kaugummis
  • Brausetabletten
  • Gummi zum Schnalzen für das Handgelenk
  • Knetbälle
  • harte Bürste

Packen Sie Ihren Notfallkoffer

Aber auch Handlungen, Gegenstände oder Gerüche, die mit angenehmen Gefühlen verbunden sind, können ablenkend wirken und Spannung reduzieren. Ob dies nun das Hören von Musik ist, das Lieblingsstofftier oder Duschen und Eincremen mit einer wohlriechenden Körperlotion – der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Jeder muss selbst herausfinden, was ihm am besten hilft. Wenn man einige Mittel gefunden hat, die einem guttun, verstaut man sie am besten in einem Koffer oder ähnlichem und bewahrt ihn an einem Ort auf, den man gut erreichen kann. Sie können auch einen Zettel hineinlegen, auf den Sie schreiben, was Sie noch tun könnten, wenn die Anspannung steigt. Kleine Gegenstände wie Gummis oder Bonbons kann man auch überall hin mitnehmen. So hat man seine kleinen Helfer im Alltag immer parat.

Wichtig ist aber auch zu lernen, solche Hilfen möglichst frühzeitig einzusetzen, bevor die innere Spannung unerträglich wird. Dafür muss man gut auf sich hören und außerdem motiviert sein, wirklich nicht mehr auf selbstschädigendes Verhalten zurückzugreifen. Denn so prickelnd eine Brausetablette auch sein mag – an den Reiz beim Durchschneiden der Haut kommt sie nicht heran. Gesünder ist sie aber allemal!

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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