Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT): Was ist ein Therapievertrag?

Ein Therapievertrag im Rahmen der DBT der Borderline-Persönlichkeitsstörung wird vom betroffenen "Borderliner" und dem behandelnden Therapeuten gleichermaßen geschlossen. Beide verpflichten sich darin zu bestimmten Regeln. Das ist deshalb wichtig, um die gesteckten Ziele über den langen Zeitraum der Therapie hinweg auch wirklich erfolgreich zu meistern.

Es gelten klare Regeln

Die Vereinbarung enthält die individuellen Ziele der einzeltherapeutischen Behandlung sowie grundsätzliche Zielsetzungen. Darüber hinaus verpflichten sich die Betroffenen, mitzuarbeiten und sich aktiv einzubringen wie auch, sich an Regeln und Absprachen zu halten.

Dazu gehört unter anderem die Zusage,

  • während der Behandlung keine Suizidversuche zu unternehmen
  • an der Reduktion des suizidalen und selbstschädigenden Verhaltens zu arbeiten
  • an Verhalten zu arbeiten, das die Therapie gefährdet
  • an Verhalten zu arbeiten, das zu einer stationären Aufnahme bzw. Behandlung geführt hat
  • keine Drogen, Medikamente oder Alkohol zu konsumieren
  • keine zur Selbstschädigung geeigneten "Waffen" mitzubringen
  • verbale und körperliche Angriffe zu unterlassen
  • keine impulsiven Therapieabbrüche vorzunehmen.

Für die Gruppentherapie gilt darüber hinaus,

  • keine suizidale Kommunikation mit Mitpatienten zu führen
  • keine intimen Beziehungen zu Mitpatienten einzugehen.

Auch der Therapeut steht in der Pflicht

Der Therapeut verpflichtet sich im Gegenzug dazu, so gut wie möglich Hilfestellung und Unterstützung zu leisten. Er stimmt unter anderem folgenden Punkten zu:

  • Durchführen einer kompetenten und professionellen Psychotherapie
  • Einhalten geltender ethischer und beruflicher Richtlinien
  • Wahrung der Schweigepflicht
  • offenes Umgehen mit persönlichen Grenzen
  • Einholung von Rat und Unterstützung, falls notwendig

Beide "Vertragspartner" stimmen der Übereinkunft per Unterschrift zu. Bei Nichteinhaltung bzw. schweren Verletzungen der im Vertrag festgehaltenen Regeln kann eine mehr oder weniger lange Therapiepause folgen. Kommt es immer wieder zu Übertretungen oder zu gravierendem Fehlverhalten, kann die Behandlung auch abgebrochen werden.

Wozu überhaupt ein Vertrag?

Dieser formalistische Akt im Rahmen einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung mag Ihnen womöglich aufstoßen und ein wenig hölzern wirken. Es hat aber seinen guten Grund, solche Regeln aufzustellen. Sie sollen die Beteiligten weder gängeln noch bevormunden. Vielmehr dienen sie als Stütze, um die Therapie sinnvoll und effektiv zu nutzen und voranzukommen.

In den Monaten bis Jahren der Behandlung werden sich immer wieder problematische Verhaltensweisen einschleichen. Wenn man sich von Anfang an darauf verständigt, ihnen einen Riegel vorzuschieben, ist man viel besser dagegen gewappnet.

Und manche Regeln müssen schlicht eingehalten werden: Gefährliches oder andere gefährdendes Verhalten ist tabu. Ebenso hat der Therapeut gewisse berufsethische Pflichten selbstverständlich einzuhalten.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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