DBT: Was geschieht in den Einzeltherapiesitzungen?

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) der Borderline-Persönlichkeitsstörung gliedert sich in Einzel- und Gruppentherapien. Während es in der Gruppe um das Einüben der sozialen Kommunikation und Interaktion geht, wird das Verhalten der Betroffenen in der Einzeltherapie ganz genau unter die Lupe genommen.

Erreichbare Ziele setzen

Dabei geht der Einzeltherapeut nach einem bestimmten Schema vor. Am Anfang der Therapie klärt er den Betroffenen zunächst über seine Erkrankung auf und vermittelt die Grundzüge der Behandlung. In ausführlichen Gesprächen werden die Problemfelder identifiziert und Ziele für die Therapie festgelegt.

Es ist sehr hilfreich, auf ein festgelegtes konkretes Ziel hinzuarbeiten. Zugleich ist es aber auch wichtig, dass es realistisch bleibt und man sich mit dem, was man erreichen möchte, nicht überfordert und am Ende enttäuscht und frustriert das Handtuch wirft.

Der Beginn der einzeltherapeutischen Arbeit ist immer auch ein gewisses Abtasten zwischen dem Betroffenen und dem ihn behandelnden Therapeuten. Ihre Beziehung und die Interaktionen zwischen ihnen sind Teil der Therapie. Im Verlauf wird es mit Sicherheit immer wieder zu Spannungen kommen, die es zu überwinden gilt. Daher ist es in der DBT ganz entscheidend, wie das therapeutische Team harmoniert. Beiden wird während der oft langjährigen Therapie viel abverlangt.

Problemverhalten auf die Schliche kommen

Wenn es dann mit der Therapie richtig losgeht, stehen zunächst die dringlichsten Themen wie Suizidalität und Selbstschädigung wie auch Verhalten, das die Therapie unmittelbar gefährden könnte (z.B. das Ignorieren bestimmter Regeln), im Vordergrund. Erst wenn diese elementaren Verhaltensweisen unter Kontrolle sind, können in einer zweiten Stufe tieferliegende Probleme des emotionalen Erlebens behandelt werden.

Hier geht es insbesondere um Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich. Oft finden sich beispielsweise bestimmte Reaktionsmuster, die immer wieder zu Spannungen führen. "Borderliner" tendieren auch gerne dazu, unangenehmen Situationen lieber aus dem Weg zu gehen und sich nicht damit zu konfrontieren. Zudem haben sie meist ein Selbstbild, in dem sie nicht gerade gut wegkommen.

Dem Betroffenen sind diese Einstellungen und Verhaltensweisen meist gar nicht bewusst. In der Therapie geht es genau darum, diese unbemerkten Mechanismen aufzudecken und zu bearbeiten. Erst, wenn man man sich über die Problematik seines Verhaltens bewusst wird, kann man daran aktiv etwas verändern. Der Therapeut wird diesen Prozess tatkräftig unterstützen.

Sind die grundlegenden Probleme im emotionalen und sozialen Bereich einmal auf dem Tisch, folgt die dritte Stufe der Therapie, in der es um die konkrete Lebensführung geht. Hier soll das Gelernte in den Alltag integriert werden. Dabei werden Betroffene auch in der Gruppe unterstützt, die in der Regel parallel zur Einzeltherapie stattfindet.

Ein langer Weg mit Höhen und Tiefen

Auch wenn diese Abfolge etwas schematisch wirken mag, laufen die einzeltherapeutischen Sitzungen doch individuell sehr unterschiedlich ab und sind in ihrer Gestaltung durchaus flexibel. Die Themen orientieren sich stets danach, welche Probleme aktuell im Vordergrund stehen und wie dringlich sie jeweils sind.

In einer Krisensituation etwa, in der ein Betroffener womöglich nach einer anfänglichen Stabilisierung wieder suizidale Gedanken hegt, muss ein Gang zurückgeschaltet werden auf eine niedere Therapiestufe. Das kann übrigens durchaus passieren und bedeutet nicht, dass alle Arbeit bis dahin umsonst war. Rückschläge und Enttäuschungen sind ganz normal in der langen und aufwühlenden Zeit der Behandlung.

Um die passenden Themen für die einzelnen Therapiestunden zu finden, führt der Betroffene ein Tagebuch, in dem er jeden Abend seine problematischen Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen, aber auch Erfolgserlebnisse festhält. Der Therapeut sieht dann auf einen Blick, was seinen Schützling gerade beschäftigt und wo es noch hapert. Gemeinsam kann der Weg dann Schritt für Schritt in Richtung der festgelegten Ziele fortgesetzt werden.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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