Borderline: Kann ich meinen DBT-Therapeuten anrufen?

Grundsätzlich gehört die Möglichkeit der telefonischen Kontaktaufnahme zum Konzept der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung. In Krisensituationen sollen Betroffene ihren Therapeuten telefonisch erreichen und um Rat fragen können.

Für den Notfall gedacht

Dass Therapeuten bei der DBT telefonisch kontaktiert werden dürfen, bedeutet aber nicht, dass man sie anrufen kann und soll, wann immer man den Drang dazu verspürt. Ein Therapeut muss auch nicht rund um die Uhr erreichbar sein. Vielmehr sollte er im Rahmen seiner individuellen Möglichkeiten seine private Telefonnummer für akute Krisen weitergeben.

Krisensituationen in diesem Sinne sind Suizidgedanken und -absichten oder auch andere selbstschädigende Handlungen, von denen sich der Betroffene nicht mehr distanzieren kann. Suizidalität und Selbstverletzung sind bereits zu Beginn der Therapie ein wichtiges Thema. Der verlässliche Umgang damit ist die Grundvoraussetzung, um eine Behandlung beginnen zu können. Oft werden Verträge mit dem Therapeuten geschlossen, in denen eine sogenannte Non-Suizid-Vereinbarung getroffen wird.

Wenn keine Strategie mehr greift

Dennoch kann es zu Situationen kommen, in denen ein Mensch mit Borderline nicht mehr Herr seiner selbst ist und keinen Ausweg mehr sieht. Wenn die Strategien, die man mit seinem Therapeuten erarbeitet hat, nicht mehr greifen und keine Maßnahme dem Drang zur Selbstverletzungen mehr standhält, dann darf und soll man sich Hilfe holen.

Im Grunde ist es genau das, was Betroffene im Rahmen der DBT lernen sollen: Alarmsignale wahrzunehmen und aktiv auf sie zu reagieren, statt sich von den eigenen Gefühlen und Impulsen hinreißen zu lassen und auf selbstschädigendes Verhalten zurückzugreifen.

Beim Telefonat kann der Betroffene berichten, warum er sich in einer Krise befindet und welche der erlernten Fertigkeiten er bereits angewendet hat. Gemeinsam mit dem Therapeuten lassen sich vielleicht noch andere Fertigkeiten ausprobieren, um die Krise zu beherrschen.

Klare Regeln geben Sicherheit

Wie sich telefonische Kontakte gestalten sollen, wird mit dem jeweiligen Therapeuten genau besprochen. Oft werden klare Regeln aufgestellt, wann man sich melden soll. Auch die Gespräche selbst folgen bestimmten ausgemachten Regeln. Die Rahmenbedingungen der telefonischen Kontaktaufnahme werden im Vorfeld der Behandlung geklärt und besprochen.

Ziel dieser Festlegungen ist es nicht, den Therapeuten so wenig wie möglich zu behelligen. Natürlich hat auch er seine Privatsphäre und auch mal Feierabend oder Wochenende. Es gehört jedoch zu seinen professionellen Aufgaben, das für ihn passende Verhältnis von Nähe und Distanz zu den Menschen, für deren Behandlung er verantwortlich ist, festzulegen.

Klare Absprachen sind aber vor allem auch für die Betroffenen hilfreich. Ein fester Notfallplan in der Tasche, an dem man sich in einer akuten Krise orientieren kann, vermittelt ein großes Gefühl der Sicherheit. Der Anruf beim Therapeuten sollte auf diesem Plan jedoch erst ganz am Ende stehen. Denn bestimmt hat der Betroffene bereits viel gelernt und die eine oder andere Strategie selbst schon erfolgreich angewendet. Je öfter es ihm gelingt, solche Methoden einzusetzen und sich damit ganz alleine aus schwierigen Situationen zu befreien, desto selbstbewusster wird er auf das blicken können, was er bereits geschafft hat.

"Borderliner" sollten also auf ihre Fertigkeiten vertrauen und es zunächst alleine versuchen. Können sie sich dem Impuls aber nicht mehr erwehren, sollten sie sich nicht scheuen, zum Notfallhörer zu greifen.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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