Ist eine Behandlung für Menschen mit Borderline ratsam?

Unbedingt! Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung haben oft vor allem im sozialen Bereich Schwierigkeiten und stoßen immer wieder an die Grenzen ihrer emotionalen Belastbarkeit. Eine psychotherapeutische Begleitung kann die Betroffenen unterstützen und ihr Selbstbewusstsein stärken.

Gar nicht so leicht: Hilfe suchen

Hilfe in Anspruch zu nehmen oder sich gar in eine psychotherapeutische Behandlung zu begeben, erfordert zunächst einmal eine große Überwindung. Man muss sich selbst eingestehen, viele Probleme nicht alleine meistern zu können. Außerdem kursieren in manchen Freundes- und Bekanntenkreisen womöglich noch immer zweifelhafte Vorstellungen und große Vorurteile gegenüber Psychotherapie.

Der Leidensdruck muss daher entsprechend groß sein, damit sich ein Betroffener überhaupt fachkundige Hilfe sucht. Andererseits kommt der Ratschlag auch manchmal gerade von Verwandten oder Freunden, die sich um den Betroffenen sorgen.

Wertvolle Unterstützung im Alltag

Wie auch immer der Weg zum Therapeuten führt: Er lohnt sich! Eine Therapie der Borderline-Störung zielt weniger auf eine Heilung als vielmehr auf den Umgang mit ihr und auf Strategien zur Bewältigung der aufkommenden Probleme im Alltag.

Gerade die immer wiederkehrenden Spannungen und Reibereien führen oft dazu, dass Beziehungen verhärten oder ganz auseinanderbrechen. Solche Erfahrungen sind für Menschen mit Borderline oft dramatische Schicksalsschläge, die sie nur schwer überwinden. Hier kann ein Experte von außen ganz andere Perspektiven eröffnen und Spannungen schon im Vorfeld abfedern.

Ein wichtiger Bestandteil der Therapie sind außerdem Maßnahmen zum Spannungsabbau. "Borderliner" stehen oft unter massiver Anspannung und wissen sich nicht anders zu helfen als sich selbst Gewalt anzutun. Dabei ist das Ritzen der Haut mit einem Messer nicht unbedingt eine bewusste Selbstschädigung; sie verschafft Betroffenen jedoch (kurzfristig) Erleichterung oder befreit sie aus dem quälenden Zustand völliger innerer Leere. In der Therapie können alternative Strategien erlernt werden, um mit der Erregung umzugehen.

Speziell für Borderline: Dialektisch-behaviorale Therapie

Gerade für Borderline gibt es wirksame therapeutische Verfahren, die speziell für die Störung entwickelt wurden. Die sogenannte Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) beinhaltet ein umfassendes Programm mit kognitiven, verhaltenstherapeutischen und psychodynamischen Ansätzen. Hier wird also auf ganz verschiedenen Ebenen nach einem gelingenden Umgang mit der Erkrankung gesucht.

Dazu muss sich der Betroffene jedoch auf das Konzept einlassen und motiviert sein, langfristig an seinen Einstellungen und Verhaltensmustern zu arbeiten. Eine gute, tragfähige Beziehung zum Therapeuten, die auch gelegentliche Spannungen übersteht, ist dafür entscheidend.

Auch das Umfeld gehört dazu

Daneben gibt es zahlreiche weitere Verfahren, die einem Menschen mit Borderline das Leben erleichtern können und je nach Bedürfnis zum Tragen kommen. So spielt z.B. die Soziotherapie eine wichtige Rolle bei sozialen und beruflichen Konflikten. Hier geht es darum, das Umfeld der Betroffenen genau zu beleuchten und an die Bedürfnisse anzupassen. Womöglich ist der Beruf nicht förderlich und eine Neuorientierung oder Umschulung sinnvoll. Dabei gibt es Unterstützung und zahlreiche Angebote.

Auch Angehörige und Bekannte werden oft in die therapeutischen Gespräche miteinbezogen. Wichtig ist es, ihnen ein Verständnis der Persönlichkeitsstörung zu vermitteln. Es fällt dann oft leichter, unberechenbare Stimmungsschwankungen und Wutausbrüche richtig einzuordnen und dem Gegenüber nicht ungerechtfertigt anzulasten.

Manchmal kann auch eine medikamentöse Behandlung entlastend oder auch notwendig sein. Wenn ein Mensch derart verzweifelt ist, dass er mit dem Gedanken spielt, sich das Leben zu nehmen, benötigt er professionelle Hilfe. In solchen Krisensituationen schafft ein vorübergehender stationärer Aufenthalt Entlastung für Betroffene und Angehörige.

Das Leben meistern

Es mag manchem Betroffenen mit Borderline Angst machen, dass er sich mit der Störung zeitlebens arrangieren muss. Im Grunde unterscheidet er sich darin aber gar nicht so sehr von seinen Mitmenschen. Jeder muss sich im Leben zurechtfinden, erlebt Misserfolge und Niederschläge und stößt immer wieder an Grenzen, an denen er nicht weiter weiß.

Für einen Borderliner wiegen viele Probleme noch schwerer und spitzen sich Situationen oft dramatisch zu. Gerade deshalb ist Hilfe von außen wichtig. Lässt er sich auf eine Therapie und die vielfältigen Angebote zur Unterstützung im alltäglichen Leben ein, kann sich auch sein Leben stabilisieren und in die oft so ersehnten geregelten Bahnen gelenkt werden.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

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