Borderline: Wie wichtig ist ein gutes Verhältnis zum Therapeuten?

Eine tragfähige Beziehung zum Therapeuten ist in jeder Psychotherapie bedeutsam, wenn sie zum Erfolg führen soll. Denn wie sollten sich Patienten ansonsten vertrauensvoll öffnen und so vieles von sich preisgeben?

Bei Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung spielt das Verhältnis zum Therapeuten aber vielleicht eine noch größere Rolle. Denn mit Beziehungen haben sie meist grundsätzlich große Probleme und kennen Auseinandersetzungen und Trennungserlebnisse nur zu gut. Für die Therapie und das Verhältnis zum Therapeuten birgt das sowohl Chancen als auch Risiken.

Der Wert einer tragfähigen Beziehung

Aufgrund ihrer Persönlichkeit, der emotionalen Instabilität und oftmals problematischen Verhaltensweisen neigen "Borderliner" besonders häufig zu Therapieabbrüchen. Auf der anderen Seite kennt ein guter und erfahrener Therapeut diese Schwierigkeiten im Umgang, kann kritische Momente richtig einschätzen und womöglich auffangen.

Gelingt dies und findet er einen guten Draht zu dem ihm Anvertrauten, können aus einer solchen Bindung viele Möglichkeiten erwachsen. Die Betroffenen, die sich meist nichts sehnlicher als stabile Verhältnisse und Beziehungen wünschen und dabei Hilfe gut gebrauchen können, werden in ihrer Selbstwahrnehmung enorm gestärkt, wenn sie merken, dass eine Beziehung auch mal länger halten und vielleicht auch einen Krach überstehen kann.

Die Chemie muss stimmen

Dafür braucht es jedoch einen erfahrenen, einfühlsamen und mitunter geschickten Therapeuten. Nicht jeder kann gut mit Menschen arbeiten, die unter Borderline leiden. Dazu bedarf es einer besonderen Ausbildung und Erfahrung. Mancher Therapeut tut sich auch grundsätzlich schwer mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Und natürlich ist nicht jeder Mensch mit Borderline gleich. Es muss daher auch persönlich zusammenpassen. Manchmal findet ein Therapeut einfach nicht den richtigen Zugang zu einer bestimmten Person. Auch er ist schließlich nur ein Mensch und hat seine eigene Persönlichkeit.

Andere wiederum können sehr gut mit "Borderlinern" umgehen und gewinnen schnell das Vertrauen der Betroffenen. Wenn dann auch noch auf der persönlichen Ebene alles stimmt, ist das Team perfekt.

Probleme mit dem Therapeuten offen ansprechen

Aber auch bei einem gut eingespielten Team aus Patient und Therapeut stellen sich im Laufe der Psychotherapie häufig Probleme in der Beziehung zum Therapeuten ein. Das liegt schon allein daran, dass sie in der Regel sehr eng ist und über einen langen Zeitraum verläuft. Große Nähe kann immer auch zu Reibereien führen.

Die Probleme sollten dann möglichst angesprochen werden. Auch diese Gespräche gehören zur Behandlung und lassen sich oftmals nutzen, um die Beziehung zu stärken und die Therapie voranzutreiben. Patienten, die sich bereits in einer Psychotherapie befinden, sollten sich nicht scheuen, ihrem Therapeuten von ihren oftmals auch negativen Gefühlen ihm gegenüber zu berichten. Das ist sicher besser, als die Psychotherapie vielleicht sogar ohne Ankündigung einfach abzubrechen.

Kommt jemand mit seinem Therapeuten über längere Zeit gar nicht zurecht, ist vielleicht ein Therapeutenwechsel sinnvoll. Auch das sollten Patienten in der noch bestehenden Therapie offen ansprechen.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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